Skip to main content

Full text of "Untersuchungen über die sprache des Claudianus Mamertus ..."

See other formats


I 



C.1 



878.9 .M253E 
Untersuchungen Luber d 

ilÜHüi 

3 6105 048 473 826 



878.9 
VI 25.5 £ 




Digitized by Googl^ 



- 



l 

Digitized by Google 



UNTERSUCHUNGEN 



UEBER DIE 




l MS CLADDIANUS 




VON 



D R AUGUST ENGELBRECHT. 



WIEN, 1885. 

IN COMMISSION BEI CARL GKROLD'S SOHN 

I1UCUHÄNDLKK DKK KAIH. AKADKHtK DB« WISSKN8CH AFTKK. 



Digitized by Google 




Digitized by Google 



Die folgende Abhandlung ist keineswegs eine Gesammt- 
darstellung der formellen wie syntaktischen Eigentümlichkeiten 
der Sprache Claudians, etwa wie zuletzt (Paris 1 884) der franzö- 
sische Gelehrte Henri Goelzer die Latinität des heiligen Hie- 
ronymus behandelt hat, sondern verfolgt nur den Zweck, die 
Stellung, die Claudian in der Geschichte der lateinischen Sprache 
einnimmt, halbwegs ausreichend zu charakterisiren. Demgeinäss 
war in erster Linie fUr Claudian wie für jeden spätlateinischen 
Schriftsteller besonders niehtitalienischcr Abkunft die Frage zu 
behandeln, von wem unser Autor seine Bildung empfing und 
welches insbesondere die Vorbilder waren, denen durch Nach- 
bildung ihrer Sprache nachzueifern man ihn in seiner Jugend 
lehrte. Neben diesen eigentlichen Vorbildern für die Form 
war ferner zu sehen, ob nicht auch die literarischen Producte, 
die Claudian für den stofflichen Inhalt seines philosophischen 
Tractats als Vorlage dienten, irgendwie dessen Sprache beein- 
Üussten. 

Nach Sonderung alles dessen, was Claudian nicht als sein 
Eigenthum beanspruchen darf, sondern nur aus bewusster Nach- 
ahmung Anderer schuf, war zu erörtern, welche Stellung dem- 
selben in sprachlicher Hinsicht in der Literatur seiner Zeit und 
Heimat gebührt. Da jedoch die Latinität der gallischen Schrift- 
steller noch nicht hinlänglich erforscht ist und auch unsere 
Lexika nur spärliche Beiträge zur Ei'kenntniss ihrer Sprache 
liefern , so glaubte ich mich nicht damit begnügen zu sollen, 

nur blos die Neuerungen Claudians (in der Wortbildung, der 

1* 



Digitized by Google 



4 



Engelbrechi. 



[424] 



Semasiologie, der Construction u. s. w.), die ihn von allen übrigen 
Schriftstellern unterscheiden, zu behandeln, sondern raeinte in 
Auswahl auch gewisse Eigenthümlichkeiten, die er mit anderen 
gallischen Schriftstellern gemein hat, in den Kreis der Unter- 
suchung mit Nutzen einbeziehen zu können. Dabei wurde 
besonders auf die Werke des formgewandtesten der gleich- 
zeitigen gallischen Schriftsteller, des Apollinaris Sidonius, der 
zudem zu Claudian in einem engen Freundschaftsverhältnisse 
stand, als des geeignetsten Massstabes zur Bemessung des sprach- 
lichen Charakters der Schrift Claudians, Rücksicht genommen. 
Durch die besondere Güte des Herrn Professor Friedrich Leo 
in Rostock konnte ich hiezu die Aushängebogen der von dem 
während der Drucklegung verstorbenen Gelehrten Christian 
Lütjohann für die Monumenta Germaniae besorgten trefflichen 
Ausgabe des Sidonius, deren Erscheinen sich nur noch der 
Anfertigung der Indices wegen verzögert, benutzen, wofür ich 
hiermit den besten Dank ausspreche. Natürlich wurden auch 
die übrigen gallischen Schriftsteller gebührend berücksichtigt, 
von denen ja bereits eine schätzbare Anzahl in neuen kritischen 
Ausgaben, mit reichlichen Indices versehen, wie Sulpicius Severus 
von Halm, Ausonius von Schenkl, Salvianus von Halm und 
Pauly, Alcimus Avitus von Peiper, Ennodius von Härtel und 
Venantius Fortunatus 1 von Leo, denen sich in Kürze Petsche- 
nig's Cassianausgabe anreihen wird, vorliegt; auch für Faustus 
Reiensis und Ruricius, deren Ausgabe ich eben vorbereite, 
konnte bereits fast das ganze kritische Material in Betracht 
gezogen werden. Schwer wurde es dagegen empfunden, dass 
die gallischen Inschriften noch nicht im Berliner Corpus inscrip- 
tionum erschienen sind. 

Die folgenden Blätter sind grossentheils aus den Collec- 
taneen entstanden, die ich mir zur Zeit, als ich die Herausgabe 
Claudians für das Wiener Corpus scriptorum ecclesiasticorum 
latinorum besorgte, gelegentlich inachte. Ich betone nochmals, 
dass ich bei Sichtung und Vcrwerthung jener Notizen nur den 
Zweck im Auge hatte, das Wichtigste und das für Claudian 

1 Ilm rechne ich hieher, weil er, ob« war Italiener von Geburt, in Gallien 
den grössten Theil seines Lobens verbrachte und seine Sprache den 
gallischen Einflusa nicht zu leugnen vermag. 



Digitized by Google 



f 425] Untersuchungen über die Sprache des Clamlianus Mamertus. 5 

am ineisten Charakteristische vorzuführen, wodurch freilich 
vielleicht Manchem mein Aufsatz nicht ganz das zu erfüllen 
seheinen wird, was er sich vom Titel versprochen hatte. Immer- 
hin jedoch hoffe ich sowohl die Sprache des Schriftstellers im 
Allgemeinen genügend charakterisirt, als auch im Besonderen 
für das lateinische Lexikon manchen brauchbaren Beitrag — 
so unbedeutend das Einzelne auch sein mag - geliefert zu 
haben. 

Die Citate aus Claudianus Mamertus beziehen sich auf 
die Seitenzahl der von mir besorgten Ausgabe (Wien 1885), 
aus deren Index sich der, welcher hier zu wenig über die 
Sprache des Schriftstellers erörtert findet, ohne Mühe über das 
hier Uebergangene orientiren mag. 



Digitized by Google 



i; 



I. Allgemeine Charakteristik der Sprache Claudians. 

Von Claudianus Mamertus, Presbyter der Kirche zu Vienne 
in Gallien, der in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts 
(gestorben um 473 74, vgl. Sidon. epist. IV, 11, worin es von 
ihm miper ereptns heisst) lebte, besitzen wir ein philosophisches, 
aus drei Büchern bestehendes Werk de statu animae und zwei 
Briefe, von denen der eine an Apollinaris Sidonius, der zweite 
an den Rhetor in Vienne Sapaudus gerichtet ist. Das Haupt- 
werk de statu ammae findet von literarhistorischem Stand- 
punkte aus jetzt ziemlich wenig Anerkennung, und dies mit 
Beclit; vgl. Teuffei, Geschichte der römischen Literatur, S. 1109: 
jllirem Inhalte nach ist diese Schrift scholastisch, in der Form 
bald trocken, bald schwülstig/ Jedoch gänzlich im Unrechte 
beiludet sich Lucia» Müller, wenn er folgendes vernichtendes 
Urtheil fällt (Jahrb. für Phil., Bd. 93. S. 391): ,Das Werk 
des Claudianus ist eines der trockensten, abstractesten und für 
den niclitphilosophischcn Leser ungeniessbarsten, die es in der 
lateinischen Patristik gibt/ Wer diese Worte liest und Clau- 
dians Werk kennt, wird mir gewiss beistimmen, dass Müller 
nur einen recht oberflächlichen Einblick in die Schrift des 
Scholastikers gethan haben kann, um solch ein völlig ungerecht- 
fertigtes Urtheil abzugeben. Sind doch, um Anderes hier zu 
übergehen, bei Claudian allein zweifellos echte Fragmente 
mehrerer griechischer Philosophen des Alterthums — wenn 
auch nur in lateinischer Uebersetzung — , bei ihm allein mehrere 
Namen von Mitgliedern bestimmter griechischer Philosophcn- 
schulcn erhalten ! Ist ferner bei ihm auch die Sprache bald 
trocken, bald schwülstig, so bietet sie doch, wenn auch nicht 
für den Literarhistoriker, so doch für den Sprachforscher des 
Interessanten in Hülle und Fülle: die folgenden Blätter werden 
gerade davon, wie ich hoffe, genügende Beweise geben. Be- 
sonnen urtheilt Kbcrt, Geschichte der christlich -lateinischen 
Literatur (Leipzig 1874), S. 4f)0: ,Die christliche Speculation ist 
im fünften Jahrhundert wenigstens durch ein für jene Zeit nicht 
unbedeutendes Werk repräsentirt, welches zugleich auch in 



Digitized by Google 



[427] 



Untflrsnchnnfircn Ober die Sprache des Clnudinmis Mamertus. 



7 



stilistischer Beziehung bemerkenswert!! ist: es ist dies die da- 
mals hochgerühmte Schrift des Claudiamis Mamertus de statu 
animae'. 1 

Um einen richtigen Massstab zur gorechten Bcurtheilung 
der Werke eines spätlateinischen Schriftstellers zu haben, der 
doch als Kind seiner Zeit und seiner Heimat gewürdigt werden 
muss und nicht mit dem Massstabe , der an die Classikcr des 
alten Rom gelegt wird, gemessen werden darf, müssen die Zeug- 
nisse seiner Zeitgenossen über ihn und seine literarische Thätig- 
keit wohl in Betracht gezogen werden. Derartige zeitgenös- 
sische Urthcile über Claudian sind uns nun erhalten durch 
Gennadius und besonders Apollinaris Sidonius. Gennadius de 
uir. illustr., cap. 83 nennt Claudian ,uir ad loquendnm artifex et 
ad disputandwn subtilis', und in noch weit höherem Grade preist 
ihn Sidonius, der an Nymphidius schreibt (epist. V, 2): librum 
de statu animae tribus Holum inibus inlustrem Mamertus Claudianm 
peritissimus ClmsHanomm philosophus et quorumlibet primus eru- 
ditorum totis sectatae phüosophiae membris artihns partihusque 
romer e et exrolere curauit nouem quas uocant Almas disriplinas 
aperieus esse, non feminas. namque in paginis eins nig'dax lector 
inneniet veriora nomin a Camenarum , quae propriam de se sibi 
pariunt nunrupationem. illic enim et grammafira dinid.it et oraforia 
derktmat et arithmetica numernt et geometrira metitur et vmsica 
ponderat et dialectica dispnfat et asfro/ogia praenosrit et archi- 
tectomea struif et met.rica modulatur. In einem Briefe schreibt 
Sidonius an Pctreius, dessen Oheim Claudian eben gestorben 
war (epist. IV, 11, S. 62, 9 L.): uir (Claudiamis) si quidem fiut 
pronidus prudens, doctus eloquens, acer et hominum aeui loci po- 
puli sui ingeniosissimus quique indesinenter salua religione philoso- 
pharetur, et licet crineni barbamque non pasreret . . ., a collegio 
tarnen conplafonicorum solo habitu ac fide dissociabatur. In dem- 
selben Briefe schickt Sidonius dem Petreius ein auf dessen 



' Vgl. auch S. 4*>2: ,Das Werk ist für seine Zeit keineswegs zu unter- 
schätzen; es zeugt, nicht blos von einer damals seltenen Gelehrsamkeit 
und dialektischen Schulung des Geistes, sondern auch von einer Frei- 
heit und Selbständigkeit des Denkens, die für jene Tage alle Aner- 
kennung verdient. Dieselbe olVenbart sich auch in der Kühnheit, womit 
Claudian ans dem Sprachschatz der fernen Vorzeit wie der Gegenwart, 
schöpft, allerdings mit Verzicht auf Eleganz des Ausdrucks.' 

2* 



Digitized by Google 



Kngolbreclit. 



[428] 



Oheim verfugte* Epitaph, in welchem es unter Anderem auch 
heisst (S. 03, v. 3): 

hoc dat cespite membra Claudiamts, 
triphx hybliotkeca quo magistro, 
Romana, Attica, Christiana fulsit. 

Ich führe diese Verse an, weil aus ihnen hervorgeht, dass Clau- 
dianus auch der griechischen Sprache mächtig gewesen sein 
muss. welche zu jener Zeit in Gallien (ausser Massilia) bereits 
verschollen war (vgl. Teuffei, a. a. O. §. 466, 2). Auf diese 
Kenntniss des Griechischen spielen auch die Worte des Sido- 
nius in dem Briefe an Claudianus an (epist. IV, 3, S. 55, 19): 
ad ertremum nemo saeculo meo quae uoLuit adfirmare sie ualuit, 
si quidem, dum sese aduersus eum, quem contra loquitur, exsertat, 
morum ac studiorum Linguae utriusque symholam iure 
sibi nindicat. Wieweit Claudian die griechische Sprache be- 
herrschte, können wir in sofern e noch beurtheilen, als er seinem 
Werke ein verhältnissmässig grosses Stück aus Piaton 's Phaedon 
(pag. 66 b — 67 a) in lateinischer Uebersetzung eingefügt hat, 
das wir der Uebersichtlichkcit halber unter Beifügung des 
griechischen Textes wiedergeben: 

Plat. Phaed. Ü6 I» — 67 a. Claud. Mam. II, 7 

"Ort, fxitg 8r rd o Colin ijtouiv Dome corpus haheamus -per- 

y.ai vi'u.TMpvQptvi} ;] fjpöjv t) xpvx>) mixtusque sit tali mala noster 



ptzä rotoviov y.ay.oc, ov in) tort 
xrrjawpe&a r/.avwg ov tmth- 
povpev ' (paph th- loTto tirai rd 
dXij&f.g. pvQt'ag pfo yao tyitv 
<bo%olia<; /rag+yet rö vaipa diä 
tijv ccvayy.cdat' rgoq>i)v ' frt di, 
icv riveg vöaot XQOgirtaiüöiv, 
IpitodiZovmv i)p&v rtjv vov iivrog 
ftfßav £q<J)to)v 6V /.ai imdvpi&v 
y.ai (pößwv y.ai eidioliüv rravro- 
dctTt&v yai (pXvaQiaQ &p7ti7thr t oiv 
tytag jcoX)Jß, üoie lö leyöpevov 
log dhjftojg rät orn i\t' ai rov 
ovdt ipQOvffiai i t uTv tyyiyv&iai 
oiöliroce oldtv rd d* 



animus, numquam nos id. quod 
iam ol.im concupixcimns satis 
pLene comecuturos. coneupisci- 
mus autem ueri scientiam. corpus 
enimnobis primum innumerabiles 
et infinit as occupationes infert, 
quilnis canterimurob necessarium 
uicttnn et aUmenta cotidiana. 
deinde si qui morlri ingrmrint, 
impedimento sunt quominus in- 
quirere et inuenire ueritatem 
possimus. nam cupiditatitnis et 
cupidinilms et timorifms innu- 



mera 



bilil 



ms , uanarum verum 



adpetitionumque uisionibus et in- 



Digitized by Google 



[429] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



toyarov jidvnov, bri, idv xig 
fjiuv Aal axoh) ytvtjtat dx aviov 
Aal tQajtibue&a TTqög to OAo;relv 
rt, iv raig tijiijaeair ad TTavrayov 
nagammov Movßov :r agi yet /.ort 
xaqay^v y.al iy.n:Xi t ixei, äore pi) 
övvaoOai b:i adxov y.a&oqäv 
tdhjVeg, dXXd iw b'vn t)uiv de- 
dsr/.taij bxi, ei fieXXopev noxe 
y.aSaqiog tt eiaeofrai, dnaXXa- 
Axeov aiTOv xal aexfj xf t xpvyfj 
üeaieov afriä xä rrqdyuaxa ' Aal 
tote, ibg eoty.ev, fyitv torat, ol 
im xe acu (pauev iqa- 

oxal elvai (pqovnjoeittg, ineiddv 
xeXevxiftiouev, tbg 6 Xöyog or r 
uaivei, ttbaiv de oV. et yäq /»; 
olöv xe pexd xov oib^iaxog urfih 
xaö-aqtog yvtovai, dvotv fcheqov, 
J; ovöauov eoxiv Axijoao&ai xö 
eidevat Ifj xeXevxr^oaotv ' xöxe ydq 
avrf] Aaff avxijv t) xpvyij i'oxai 
Xioqig xov oibf.taxog> nqoxeqov r)' 
oV. Aal iv <j) Itv Lwuev, ol l riog, 
wg toiAEv, iyyvtdxitt io6(.tella tov 
eidevat, idv btt iidXioxa uröiv 
duiXwuev T(p otopaxi {itjde aoi- 
vo)V(jj(.t£V, b' ii (.rij Tiäoa dvdyxtj, 
(.njöi dvamu;iXmie&a xTjg xovxov 
ipvoeiog, dXXä Aa^aqeviof.iev dir 
«i'rof, euig llv 6 9edg diroXvojj 
t)pdg. y.al olkio [iiv Aa&aqol 
d;raXXaxxöuevoi rijg tov oiupoxog 
d(pQoovvr t g y wg tö eiAÖg, uexä 
xotovxiov re ioöfie&a y.al yviooö- 
ue&a öS ijfiöiv afauiv ndv tö 
slXiAoiveg. 



finita quadam dementia corpus 
oneratur, ut prae Mo ne sapere 
quidem ulla in re possimus. et 
si quando tempus aliquod ad 
philosophandum uaeuum uel ha- 
buerimus itel fecerimus, tunc 
quoque in ipsis cogitationibus 
nostris corpus intercurrit turbam 
errorum tnferens menti, ut ob- 
caecante Mo ueritatem peruidere 
non po88imiu. itaque unum hoc 
in omni quaesiione et id quidem 
euidentissime probatur, si quid 
umquam bona fide scire uolumus, 
recedendum esse a corpore et in 
ipso animo res comiderandas. 
tunc enim uidemur consecuturi 
quod coneupiseimus et cuius rei 
amatores nos profitemur, cum 
def uneti erimus, nam dum uiui- 
mus desperandum est. etanim si 
constat nihil sinceri mixtum cor- 
pori an im um peruidere posse, 
sequitur alterutrum, aut nullo 
tempore nec usquam contingere 
homini ueram scientiam posse aut 
tunc demum, cum excesserimus 
e uita. defunetorum enim animus 
Uber est et solutus a corpore, 
eo autem tempore quo uiuimus 
ita demum adpropinquabimus 
adplicabimurque scientiae , si 
nihil aut quam minimum corpore 
utamur neque in societate eins, 
nisi quatenus neexsse est, animum 
dimittamus. ita enim minime re- 
plebimur uitiosa turbulentaque 
natura corporis, sed puri a con- 
tagione eins, in quantum facere 



Digitized by Google 



10 



EngclbrccUt. 



[430] 



jwssumus, erimus et, si ita feceri- 
tuus, incorrupti sincenque digre- 
diente* ad omnia incorrupta sin- 
ceraque ueniemus. 

Mit dem Originale verglichen ist diese Uebertragung fast voll- 
ständig wortgetreu und gibt auch den Sinn vollkommen richtig 
wieder. Dass sie von Claudian selbst herrührt und nicht etwa 
einer damals circulircndcn lateinischen Ucbcrsetzung des Phac- 
don entnommen ist, scheinen die unmittelbar folgenden Worte 
(S. 127, 3): haec ad uerbum ex dialogo philosophi admodnm 
prineipis excerpenda atque huic nostro inserenda uolumini ratus 
sum hinlänglich zu bestätigen. Bei dem übergrossen Ansehen , 
in dem des Apuleius Schriften in den damaligen gallischen 
Rh etoren schulen standen, worüber wir bald ausführlicher zu 
sprechen haben werden, möchte man freilich vielleicht an eine 
Benützung der apuleianischen Bearbeitung des platonischen 
Phaedon denken, von der Sidonius berichtet (epist. II, 9, S. 31, 
24): quamquam. sie esset (Ürigenes) ad uerbum sententiamque 
translatus, ut nec Apuleius I'haedonem sie Piatonis neque Tidlius 
Ctesiphontem sie Demustkenis in usum regulamque Bomani sermonis 
exscripserint (cf. Prise. X, 19, p. 511 II.). Indess hat es für 
mich wenig Wahrscheinlichkeit, dass Apuleius' Uebertragung 
sich dem Original so eng anpasste, wie dies bei Claudian der 
Fall ist. Auch für die anderen, leider wenig umfangreichen 
Fragmente griechischer Philosophen dürfen wir eine gleiche 
Zuverlässigkeit betreffs der Ucbcrsetzung voraussetzen, und 
auch der Verdacht, als seien die Citate erdichtet inach der 
bekannten Methode des Mythographen Fulgentius oder des 
Grammatikers Vergilius), wäre durch nichts gerechtfertigt. 

In der Collectio Pisaurensis (tom. V) tindet man sogar 
zwei griechische Gedichtchen unter dem Kamen des Claudianus 
Mamertus: flg idv aioii^a und ei^ vöv dsa/ronp' Xqioidv, indess ist 
ihre Uncchthcit schon längst erkannt worden, und ich hätte 
sie mit keinem Worte berührt, wenn nicht Teuffcl für ihre 
Echtheit eingetreten wäre (Köm. Lit. -Gesch., §. 4(>8, 5) : ,l)a 
Sidonius (epist. IV, 11) Gedichte in griechischer Sprache ihm 
beilegt, so mag er wirklich der Verfasser sein.* An der ange- 
führten Stelle spricht jedoch Sidonius nirgends von Gedichten 



[431] 



Untersuchungen über die Sprache des CUudiaiius Mamertus. 



11 



in griechischer Sprache, und offenbar hat Tcuffel die Worte 
triplex bybliotheca quo magist.ro Romana, Attica, Christiana 
fufoit miss verstanden, bybliotheca Attica fulsit (in eo) kann 
nicht in Beziig auf von ihm verfasste griechische Gedichte 
gesagt sein, denn wie wäre dann neben bybliotheca Romana 
(lateinische Schriften) das bybliotheca Christiana zu verstehen V 
Ich denke aber, dass der Sinn jener Worte des Sidonius ganz 
naheliegend ist, nur freilieh grundverschieden von der Aus- 
legung Teuffers. Claudian führt niiiulich im zweiten Buche 
de statu animae eine Reihe von Zeugnissen alter Schriftsteller 
über die incorporalitas der Seele vor, und zVar im 7. Capitel 
Stellen aus griechischen Philosophen, im folgenden solche aus 
römischen Schriftstellern und endlieh im i). Capitel Zeugnisse 
von christlichen Kirchenschriftstellern über denselben Gegen- 
stand. Darauf spielt ohne Zweifel Sidonius mit obigen Worten 
an, und somit füllt Teuffers Begründung der Echtheit jener 
griechischen Poeme. 

Es ist zur Genüge bekannt, dass Sidonius in seinem 
Lobe von Freunden und deren literarischen Producten über- 
haupt nicht gerade karg ist — man vergleiche beispielsweise 
die Tirade auf den Khetor in Bordeaux, Lampridius (epist. VIII, 
11) — , doch des Lobes reichste Fülle strömte er über Claudian 
aus in dem an diesen gerichteten dritten Briefe des vierten Buchs. 
Wir sind gewiss weit davon entfernt, die masslosen und über- 
schwänglichen Lobeserhebungen des Sidonius für bare Münze 
zu nehmen, jedoch ihrer bombastischen Einkleidung entledigt 
und auf ein vernünftiges Mass zurückgeführt, können sie 
Manches zur richtigen Charakteristik Claudians beitragen. 
Wenn Sidonius in Claudian alle Vorzüge eines Pythagoras, 
Soerates, Plato, Aristoteles, Aeschines, Demosthenes, eines Hor- 
tensius, Ccthegus, Curio, Fabius, Crassus, Cilsar, Cato, Appius, 
Tullius, eines Hieronymus, Lactantius, Augustinus, Hilarius, 
Johannes, Basilius, Gregorius, Orosius, KuHnus, Eusebius, 
Eucherius, Paulinus und Ambrosius vereinigt findet, so ist dies 
einfach ein heiter stimmendes Beispiel, was ein angesehener 
Schriftsteller des 5. Jahrhunderts an Uebertreibung leisten kann. 

Mehr Glauben jedoch verdienen und nicht gänzlich aus 
der Luft gegriffen sind des Sidonius Bemerkungen über die 
Sprache Claudians; er schreibt darüber (epist. IV, 3, S. 54, 20): 



Digitized by Google 



12 



Engelbrecht. 



[432] 



praeter aequum isla coniectas , si reare mortalium quempiam, 
cui tarnen sermocinari Latialiter cordi est, non pauere, 
cum in examen aurium tuarum quippe scriptum adducitur; tuantm, 
inquam, aurium, qua r um peritiae, si me decursorum ad hoc aeui 
temporum praerogat'ma non obruat , nec Frontonianae rfrauitatis 
auf. ponderuf Apuleiani fulmen aequiperem, cui Varrones uel Ata- 
cinus uel Terentius, Plinii uel auunculus uel Secundus compositi 
in praesentiarum rusticabuntur. adstipulatur iudicio meo uolumen 
illud, quod tute super statu animae rerum uerborumque scientia 
diuitissimus propalauisti . . . at quod, deus maqne, quantumque 
opus illud est, maiStria clausuni declamatione conspicuum, propo- 
sitione obstructum dispufatione reseratum , et quamquam propter 
hamata sylloijismorum puncta tribulosum, uernantis tarnen eloquii 
flore mollitum. noua ibi uerba, quia uetusta, quibusque conlatus 
merito ctiam antiquarum litterarum stilus antiquaretur , quodque 
pretiosius, tota illa dictio sie caesurafini succineta quod proßuens, 
quam rebus amplam stnctamque sententiU sentias plus docere 
quam dicere. Diese Stelle ist werth, zum Ausgangspunkte einer 
kurzen Besprechung Uber die Pflege der lateinischen Literatur 
in Gallien im Zeitalter des Sidonius gemacht zu werden. 

Die Dictum Claudians muss seinen Zeitgenossen als eine 
mustergiltige und geradezu tonangebende erschienen sein; sie 
wird von Sidonius um so höher gepriesen, als sie auch mit 
dessen eigenem genus dicendi die allergrösstc Aehnlichkeit hat. 
Diese Aehnlichkeit ist um so auffallender, als die Stilgattung 
beider Autoren doch so grundverschieden ist. Wer möchte 
glauben, dass der philosophische Tractat Claudians für den 
Briefstil des Sidonius so reiche Ausbeute lieferte, wie wir dies 
bald ausführlich darlegen werden? Dafür kann ich nur die 
eine Erklärung finden, dass der Unterricht, den beide Männer 
genossen, sehr gleichartig gewesen sein muss und deshalb auch 
ihrer Diction einen so homogenen Charakter aufdrückte. 

Worin bestand nun dieser Unterricht? Allenthalben liest 
man bei den Schriftstellern der zweiten Hälfte des 5. Jahr- 
hunderts die Klage, dass die lateinische Rede immer mehr und 
mehr aus Gallien verschwinde. Das deutsche und celtische 
Idiom griff immer weiter um sich. An der Mosel sprach schon 
Alles fast deutsch,* und Sidonius spendet dem Arvogast, dem 
potor Mosellae, das wehmüthige Lob (epist. IV, 17, S. 08, 9): 



Digitized by Google 



■ 



[433] Untersuchungen über die Sprache den Claudianus Mamertus. 13 

quocirca sermonis pompa Romani, si qua adhuc uspiam est, Belgicis 
olim mie Rhenanis abolita terris in te resedit, und aus einer 
anderen Stelle geht hervor, dass im Arvcrncrlandc das Celtisehe 
stets Volkssprache geblieben war und nur dem Adel durch 
Ecdicius, dem Zeitgenossen des Sidonius, einiges Interesse an 
lateinischer Bildung eingeflösst wurde (epist. III, 3, S. 41, 13): 
mitto istic . . tuae personae quondam debitum, quod sermonis 
Celtici squamam depositura nobilitas nunc oratorio stilo, nunc etiam 
Camenalibus modis imbuebatur. In dem Briefe an den Rbetor 
von Vienne Sapaudus klagt Claudian (S. 204, 22 ff.): uideo os 
Romanum nun modo neglegentiae, sed pudori esse Romanis, gram- 
maticam uti quandam barbaram barbarismi et soloecismi pugno et 
calce propeUi, und ähnlich schreibt Sidonius (epist. II, 10, S.33, 8): 
illud apfxme, quod t antun t increbuit multitudo desidiosorum, ut, 
nisi ttel paucissimi quiqne meram lingiute Latiaris proprietafem 
de triuiaUum barbarismorum robigine uitidicaueritis , eam breui 
abolitam deßeamus interemptamque: sie omnes nobilium sermonum 
purpurne per ineuriam uulgi decolomhuntur. Solche Acusserun- 
gen zeigen zur Genüge, dass die römische Sprache damals nur 
mehr Eigenthum der Gebildeten war. An den Fürstensitzen 
der Westgothen in Toulouse und der BurgUnden in Vienne 
mochte die römische Literatur wohl noch für längere Zeit ihr 
bescheidenes Dasein fristen , hauptsächlich aber war es der 
Glems, bei dessen begabteren Mitgliedern römische Sprache 
und Literatur noch eifrige Pflege fand. 

Woher schöpfte aber der Glems diese seine Bildung V 
An Klosterschulen darf man bei den Männern , welche den 
Kreis um Sidonius bilden, nicht denken. Ihre Bildungsstätten 
waren vielmehr die Rhetorenschulen, und wenn auch die Kirche 
die Studien der Rhetoren verdammte, so geben doch gerade 
die hervorragendsten kirchlichen Würdenträger der damaligen 
Zeit die klarsten Beweise ihrer relativ eingehenden rhetorischen 
Bildung. Dass besonders Gallien fruchtbar an Rhetorenschulen 
gewesen sein niuss, das zeigen die üppigen Früchte, die jene 
hier trugen, die Werke der gallischen Bancgyriker, die Schriften 
des Ausonius, die Briefe und Gedichte des Sidonius, sowie im 
6. Jahrhundert die Declamationen des Ennodius. Im Uebrigen 
verweise ich auf die nützliche Abhandlung von Georg Kauf- 
mann, Rhetorenschulen und Klosterschulen oder heidnische und 



Digitized by Google 



14 



En gel brecht. 



[434] 



christliche Cultur in Gallien während des 5. und 6. Jahrhunderte», 
in Rauraer's Historischem Taschenbuch (4. Folge, 10. Jahrgang) 
1869, S. 1—94. Ich niuss übrigens hierin einem Punkte Kauf- 
mann entgegentreten, wenn er schreibt (S. 69): ,Claudianus 
Mamertus, der von seinen Zeitgenossen und auch von Sidonius 
bewundert wurde, weil er in geistlicher wie in weltlicher Wissen- 
schaft Alle übertreffe, der den Rhetor Sapaudus bei seinen Be- 
mühungen, das Studium der Alten in der Stadt Vienne neu zu 
beleben, unterstützte, Mamertus war von Jugend auf in einem 
Kloster erzogen, wahrscheinlich in dem Kloster Grigny.' 
Kaufmann kann diese Notiz nur aus secundärer Quelle ge- 
schöpft haben, denn überliefert ist Derartiges über die Erzie- 
hung Claudians in einem Kloster nicht. Und ist es überhaupt 
auch wahrscheinlich? Konnten die damals in ihren ersten 
Anfängen sich befindenden Klosterschulen einen solchen Unter- 
richt, wie er bei Claudian vorauszusetzen ist, gewähren? Ge- 
wiss nicht ; dies sieht auch Kaufmann ein und nimmt an, dass 
Claudian seine profane und theologische Bildung ,zum besten 
Theil der privaten Anleitung eines gelehrten Mönchs und 
eigenen Studien' verdankte (S. 70). Ich für meinen Theil 
glaube, dass man nicht umhin wird können, anzunehmen, dass 
er in seiner Jugend eine Rhetorcnschule besuchte. Man lese 
nur die Schriften von zeitgenössischen Schriftstellern , die von 
Jugend auf in Klöstern erzogen wurden, wie Salonius, Vincentius 
Lerincnsis, Hilarius Arelatensis (vgl. des Eucherius instruet. I, 
praef., bei Migne L, 773), und man wird den Abstand zwischen 
Kloster- und Rhetorenuntcrricht unmöglich verkennen können. 
Dass übrigens damals die Rhetorensehulen in Gallien unter- 
gegangen waren , ist eine durch nichts gerechtfertigte An- 
nahme Kaufmann's (S. 70), der er selbst mehrmals wider- 
spricht, und es genügt, an den Rhetor Sapaudus zu erinnern, 
von dem nach den Worten Claudians (S. 205, 19 ff.): fac 
meminaris docendi mimus tibi a proauis et citra heraditarium 
foi'a . . admonitwi quoque sis oportet Viannensis urbis nobilitatus 
antiquae, cuius tu ciuis et doctor (ex) angenommen werden 
niuss, dass er Leiter einer von seinen Vorfahren ererbten 
Schule war. Zahlreiche andere Rhetoren, unter ihnen beson- 
ders Lampridius von Bordeaux (epist. VIII, 11), werden Von 
Sidonius erwähnt. 



Digitized by Google 



[435] 



UnUMsuchnngen Uber die Sprache des Cluudiunus Mamertus. 



15 



Claudian verdankte also den Rhetorenschulen wohl einen 
Grosstheil seiner literarischen Bildung und zumal die formelle 
Seite seiner Schriften verräth die Schule, die ihn gänzlich beein- 
flusste, auf den ersten Blick. Wir kommen hier auf die oben 
angeführte Stelle des Sidonius über die Sprache Claudians 
zurück. Daselbst wird diese mit dein fulnutn Frontonianae 
grauitatis aut pouderis Apukiani einerseits und dem strmo ur- 
banux (als Gegensatz zu rusticabuntur) der beiden Varro und 
Plinius anderseits verglichen; natürlich muss Claudian sie Alle 
weitaus übertreffen. Männer also wie Fronto und Apulcius 
galten als besonders nachahinenswerth: das lernte man in den 
Rhetorenschulen, in denen man die Rede nach der Manier jener 
zu bilden als höchstes Ziel betrachtete. Wer die Briefe des 
Sidonius aufmerksam durchliest, wird bald gewahr werden, 
dass ihnen Apulcius' Schriften weit mehr zum stilistischen Vor- 
bilde dienten als Plinius und Syniniaehus, deren Nachbildung 
der Autor selbst betont. Dass es sich bei Claudian ganz ebenso 
verhalte, wird bald durch zahlreiche Beispiele gezeigt werden. 
Deshalb kann der Einfluss der schwülstigen Schreibart des 
Apuleius auf die gallischen Rhetorenschulen des 5. Jahrhunderts 
und durch diese auf die aus ihnen hervorgegangeneu Schrift- 
steller nicht genug hervorgehoben werden. So befindet sich 
W. Teuffei sehr im Unrechte, wenn er in seiner Literatur- 
geschichte gelegentlich der Besprechung des Stiles des Fulgen- 
tius (§. 480, 8) schreibt: ,Des Fulgentius stilistische Vorbilder 
sind Apuleius und Martianus Capeila. Aber auch mit Sidonius 
hat er Achnlichkeit genug, um den Gedanken an eine speeifisch 
.afrikanische Latinitäf' nicht aufkommen zu lassen/ Sidonius 
hat eben von Apuleius so viel entlehnt, dass das afrikanische 
Latein deshalb noch nicht geleugnet zu werden braucht, wenn 
ein Nachbeter des Apuleius, wie Fulgentius, sich öfters mit 
der Diction des Sidonius berührt. 

Ferner lobt Sidonius an der Sprache Claudians : noua ibi 
uerba, quia uetusta, also den Gebrauch obsoleter Wörter. Dies 
ist ein weiterer Einfluss der Rhetorenbildung: die Nachahmer 
des Apuleius inussten nothgedrungen auch für Archaismen 
schwärmen. Die verhältnissmässig so wenig umfangreichen 
Schriften Claudians bieten eine stattliehe Reihe von antiquirten 
d. h. zu des Autors Zeiten nicht mehr gebräuchlichen Wörtern. 



Digitized by Google 



16 



Engelbrecht. 



[436] 



Ihrem afrikanischen Vorbilde getreu, wussten unsere 
gallischen Lehrer der Rhetorik auch jene Regeln über den 
kunstvollen Satzbau, die effcctvolle Gruppirung der einzelnen 
Theile desselben, den harmonischen Wortfall, das reimartige 
oder wenigstens rhythmische Ausklingen der Schlusssilben und 
andere derartige Mittelchen der Effecthascherei ihren gelehrigen 
Schülern beizubringen. Beispiele dafür aus Sidonius oder Clau- 
dian beizubringen, hiesse wohl Eulen nach Athen tragen. 

Wir sehen also, dass Claudians Sprache zielbewusste 
Nachahmung des apuleiani sehen Stiles ist. Uebrigens spricht 
sich Claudian selbst in dem Briefe an den Rhctor Sapaudus 
über zu seiner Zeit als einpfehlenswerth geltende stilistische 
Vorbilder folgendermassen aus (S. 205 , 30 ff.): Naeuius et 
IHautus tibi ad elegant iam, Cato ad grauitatem , Varro ad peri- 
tmm, Gracchus ad acrimomam, Chrysippus (?) ad disciplinam, 
Fronto ad pompam, Cicero ad eloquentiam capessendam usui 
sfint . . . Uli ergo reuentilandi memoriaeque mandandi sunt, de 
quibus isti potuere proficere, quos miramur. Chrysippus 
passt in diese lateinische Autorengesellschaft nicht und wird 
deshalb wohl Crispm zu schreiben sein, unter welchem Namen 
Sallustius auch S. 130, 12 (ebenso bei Sidonius epist. V, 3, 
S. 79, 2ti und earm. II, 190) angeführt wird, wo aber eben- 
falls fast sämmtlichc Handschriften — darunter auch E, in 
der allein der Brief an Sapaudus erhalten ist — Ckrysippi 
(Chrisippi, Crimppi) statt Orispi bieten. 

Sehen wir uns nun die einzelnen Namen etwas näher an: 
Naevius und Plautus gelten Claudian als elegante Stilmuster, 
weiters werden Cato, Varro, Gracchus und Sallust empfohlen 
und vor Allen Fronto wegen der pompa. Teuffei (a. a. O. 
§. 466, 16) nennt dies eine , Anhäufung von Autorennamen der 
alten Zeit mit einem charakteristisch sein sollenden, aber meist 
phraseologischen Epitheton* ; ich glaube, dass er hierin unserem 
Claudian Unrecht thut. Neben einer Reihe von alterthümlichen 
oder mindestens archaisirenden Schriftstellern der Republik, 
an die Cicero sich wohl nur honoris causa reiht, erscheint 
Fronto, und dass man gerade dieser Männer Schriften stu- 
diren müsse, wird damit begründet, dass von ihnen isti potuere 
projicere, quos miramur. Wer dächte dabei nicht sofort an 
Apuleius, den allerdings geistvolleren Vertreter der frontonia- 



Digitized by Google 



[437] t'ntersnrluinpen ühor die Sprache des Claudianus Mamorfns. 17 

irischen Manier? Wir haben hier gewissermassen einen Kanon 
jener Prosaiker vor uns, die in den Rhetorenschulen des 
5. Jahrhunderts in Gallien in grösserem oder geringerem Um- 
fange gelesen worden sein mögen. Von den alten Komikern 
zum Mindesten, sowie Varro und Sallust darf dies als fest- 
stehend angenommen werden. Cicero wird nicht allzu ein- 
gehend behandelt worden sein, Cato und Gracchus kannte mau 
möglicherweise mehr dem Namen und dem Lobe nach, das 
ihnen Fronto (vgl. epist. p. 114 N. : contionatur Cato infeste, 
Gracchus turbulente, Tullius copiose) und Apuleius (vgl. Apol. 95) 
spendeten, als aus eigener Leetüre. Hauptaufgabe war natür- 
lich genaues Studium des Schwulstes des Fronto und Apuleius. 

Wie gross die Neigung zu den rhetorischen Studien und 
den aus der Schule her geläufigen Disputirübungen bei Clau- 
dian gewesen sein rnuss, geht daraus hervor, dass Sidonius 
von ihm erzählt (epist. IV, 11, S. 62, 13 ff.), er habe noch in 
seinen späteren Jahren um sich gelehrte Cirkel gebildet 
uoluptuosissimum reputans, si forte oborta quarumpinm qnaestio- 
mtm insolubilitate labyrinthica scientiae suae thesanri eventila- 
rentur. tarn si frequenfes consederamits, officium nudiendi omnibus 
inimigehnt, uni solum quem forte elegissemus deputans ins lo- 
qumdi , uiritim uicissimque , von tumidtuatim nee sine seJiematis 
cuiuspiam gesfu artificioso doef rinne, suae opes erognturus. dein 
qnaecumque dhixsei protinus reluctantium syllogismorum con- 
trari etat Ums excipiebannw : sed repellebat omnium nostrum ferne 
rarias oppositiones etc. Wer dies liest, glaubt sich sicher eher 
mit einer derartigen Unterhaltung in den Hörsaal eines Rhc- 
tors, als in die Stube eines Presbyters der Kirche versetzt. 
Und ein solcher Mann sollte keinen anderen Untcricht als den 
der Klosterschule oder höchstens noch den Privatunterricht 
eines gelehrten Mönches genossen haben? 

Fassen wir nunmehr die Resultate zusammen, die wir 
aus unserer bisherigen Darstellung für die Erkenntniss der 
Diction Claudians gewinnen, so sind es kurz folgende: Als aus 
einer Rhetorenschule hervorgegangener Schriftsteller verwendet 
Claudian auf die Diction weit mehr Sorgfalt als die meisten 
seiner in Klosterschulen erzogenen Zeitgenossen. Höhere Bil- 
dung verräth er auch durch vollkommene Beherrschung der 
griechischen Sprache. Sein genus dicendi ist von der Manier 



Digitized by Google 



18 



Enpoilbrcclit. 



[438] 



des Apuleius stark beeinflußt. Er ahmt deshalb denselben 
sowohl in einzelnen Phrasen und Redewendungen, als auch in 
speeiell jenem cigenthümlichcn Wörtern nach und bekundet 
dieselbe Vorliebe für archaische, der Sprache der Komiker an- 
gehörende Worte, wie jener. 

Wir gehen nun daran, die Beispiele zusammenzustellen, 
durch die wir uns oben für gerechtfertigt hielten, auf 

Bowusste Nachahmung des Apuleius bei Claudian 

einen Sehluss zu ziehen. 

A. 

Wir führen zuerst eine Reihe von Phrasen und Rede- 
wendungen des Apuleius vor. die sieh entweder wörtlich auch 
bei OJaudian finden , oder die doch wenigstens dem Claudian 
zum deutlichen Vorbilde gedient haben. Ich citire hiebei Apu- 
leius' Metamorphosen nach der Ausgabe von Fr. Eysscnhardt 
(Berlin 1869), die philosophischen Schriften nach der Reccnsion 
AI. Goldbacher's (Wien 187(5), endlich De magia (Apologia) 
und Florida nach Gust. Krucger (Berlin 18C>4 und 1865): 
Met. TI, 7, S. 21, 22 accedo et, quod aiunt, pedibus in senten- 
Harn nie am, nado, vgl. Met. VI, 32, S. 117, 7 mm pe.dibus 
ned totis animis latrones in eins uadnnt sententinm (als 
terminus technieus von den Senatoren gebraucht bei Sallust 
und Liv. V, 9, 2; IX, 8, 13 u. ö. — Cl. 48- 7 (vi) in ma- 
gistri sententinm pedibus, ut ahmt, transeam. 
De deo Socr. prol. S. 1, 2 pront mea opinio est; ebenso 
Claud. 128, 8. 

De mag. 3, S. 6, 8 ut mea opinio fert, vgl. ib. 05. — Cl. 
141, 13 pront mea opinio fert. 

De Deo Socr. prol., S. 2, 21 uel inaequa.li.tate aspera ud 
lenitate lubrica uel angnlis eminula uel rot un dit a t e 
uolubili a. — Cl. 25, 1 quae subterlun i one cedentia uel 
Ten i p r onol n b r i c a uel e a u ope n d u In uel s u d i b n s n sp era 
sunt, dazu vergleiche man Sid. epist. III, 2 (40, 13) aggere.s 
saxis asper os auf fluuios gelu lubricos auf colles ascensu 
sal ebrosos auf Halles lapsuum a ssiduif a t e derasas. 

Ibid. 8, S. 12, 24 cum sif aeris agmen immensum nsqne ad citimam 
lunae helicem, quae porro aetheris sursum uersus 
exordium est. — Cl. 144, 18 exin profundum aeris us- 



Digitized by Google 



[439] Untersuchungen falier die Sprache des Clandianus Mamertus 19 

que ad lunaris gittert* citimum lumen, abhinc ignium 
aetheriorum spatia. 

Ibid. 10, S. 14, 9 aguntur uolatu perniciore. — Cl. 150, 14 
uolatu perniciore transcende omnia corporea. 

De dogm. Plat. I, 8, S. 70, 8 Jrinc illnd etiam cum Septem 
locorum motu» haheantur, progressus et retrocessus. 
dexteriores ac sinistri, sursnm etiam deorsumque 
nitentium et quae in gyrum circuitumque torquentur. — 
Cl. 67, 8 subiacet autem (corpus) }rro numero partium sex 
utique motibus. mouetur autem omne corpus sursum deor- 
sum, in dextrum ac sinistrum, jAiorsus et rctrorsus, 
mouetur autem etiam motu septimo, sicut est rotae et 
sphaeroidis. Hier haben mit Ausnahme von AI alle lland- 
. Schriften mindestens von erster Hand die Lesart retro- 
cessus für retrorsus — eine merkwürdige Variante. 

Ibid. I, 9, S. 70, 21 /rii» «»am uero animantium omnium 
non esse corpoream nee sane perituram, cum corpore 
fuerit absoluta . . . ipsamque Semper et per se moueri 
agitatricem aliorum, quae natura sui immota sunt 
atque pigra. — Cl. 124, 17 anima, inquit (riaton in libro, 
quem ;r£Qi yvar/.ifi scripsit), animantium omnium cor- 
poralis non est ipsaque se mottet aliorum quoqne 
agitatrix, quae natnralUer immota sunt. Bezeichnend 
dafür, dass hier Claudian direet aus Apuleius schöpfte 
und nicht aus Plato, ist der Ausdruck agitairix in über- 
tragener Bedeutung, den die Lexika nur mit der ange- 
führten Stelle des Apuleius zu belegen wissen. 

Asel. 3, S. 30, 2 nunc mihi adesto fotus, quantttm menfe 
uales. — Cl. 174, 13 nunc igitur adesto fotus et quam 
potis es praesens fito. 

De mag. 8, S. 11, 15 quin ei nocens Ungua , . Semper in \ f ein- 
tritt 8 et olenticef is suis iaceat. — Cl. 137, 1 alium. 
situ fetidinarum turpium ex olenti cetis suis ac 
fenebris cloacam uentris et oris inhalare sentinam. Dass 
auch hier die Nachahmung evident ist, muss schon aus 
dem sonst nirgends vorkommenden Substantiv olenticef um 
noch dazu in Verbindung mit dem ebenfalls sehr seltenen 
fetutinae (fefidinae, über die Schreibweise wird weiter 
unten gesprochen werden) geschlossen werden. 



Digitized by Google 



20 Enpoll-rocht. [440] 

Ibid.. S. 11, 17 nam quin,, malum, 'ratio est 1 in quam mun- 
dam . . possidere? — Cl. 172. 18 quae, malum, ratio est 
Ulis eandem credi similemf Ebenso Livius V, 54, G (Rede 
des Dictators Furius Caiuillus): quae, malum, ratio est ex- 
pertis alia experiri, Cic. Phil. X, 18 quae. malum, est ista 
ratio semper . . opponere (vgl. Acta sein. phil. Erläng. 1. 
173) und nach Claudian Ennodius 35, 11 quae, malum. 
ratio est, ut ita sis parcus in gratia (vgl. 325, 8. 443. 9 
Härtel). Vergleiche überhaupt Martha, Sur le sens de 
l'exelaination malum in der Revue de philologie, Bd. III, 
19-25 und Bd. VII, 1—5. 

Ibid. 11, S. 18, 4 aude sis, Aemiliane, dicere. — Cl. 33, 11 
aude sis von faferi (nach meiner Conjectur, die Hand- 
schriften haben audes his [aude* is AI]). 

Ibid. 15, S. 23, 3 radii nostri seu mediis oculis proliquati 
et Inmini extrario mixti . . cum alicui corpori in- 
ciderunt spisso et splendido et leui, parihus angulis quibus 
inciderant resultent ad fa crem suam reduces. — Cl. 45, 
8 ex quibus radii per oculorum media profus* ac 
lumini extero com mixt i corpornm quae inciderint 
reperenssu retrouersim cedentes eornndem colores ac 
forma* hanriuut. 

Ibid. 19, S. 28, (> on er i pofins quam nsui exuherat. — Cl. 75, 
20 animo dominandi accidit difß.cultas et imipit esse oneri 
quod erat nsui. Ebenso schon »Sallust lug. 14, 4 eogor 
prius oneri quam nsui esse. 

Ibid. 3li, S. 4i>, 4 AristoteJis . . ;ifoi 'Cunov 'taiogtctg mult iiuga 
uolumi na. — Cl. 135, 18 editis in rem jidei mulfiiugis 
uariorum operu m u o l n m i n iL u s. 

Ibid. 41, S. 51, 1H hoc quin ferat phi/osopho crimen esse quod 
lanio uel coquo von fuissetf — CL 23, 22 haec quis 
ferat . . hnminum quempiam et infitiari scientiam etc. 

Ibid. 74. S. 84, 10 cui errorem suuin de precanti simpliciter 
iqnoui. -■- Cl. 48, 8 neniam deprecaf urus erroris mei. 
Da hier alle Handschriften ausser M nee deprecatus erro- 
rem haben, so mag mit Rücksicht auf die Parallelstelle 
aus Apuleius die Vermutbung gestattet sein, dass vielleicht 
meum deprecaturus errorem zu schreiben sei. 



Digitized by Google 



[441] 



üntersuchnngen über die Sprache des C!an>lianns Mamertus. 



21 



Ibid. 75, S. 80, 11 quae omnia . . hic degidator studiose in 
uentrem condidit et omnimodis conlurcinationibus di- 
lapidauit. — Cl. 137, 4 ab alw, qui stipem suam uariis 
conlurcinationibus dilapidauit. Bei Claudian ist con- 
lurciuationibus eine Conjectur Schott's, die ich mit um so 
geringerer Scheu in den Text aufnahm, als apuleianische 
Ausdrücke wie fetidinae und olenticeta auch unmittelbar 
vorausgehen (in demselben Satze). Später (vgl. meine 
Ausgabe praef. p. XLVI) entstanden in mir doch Be- 
denken, ob nicht die Lesart der sämmtlichen Handschriften 
conlucevnationibus — ein Wort, welches ganz regulär ge- 
bildet ist und passend durch »nächtliche Zechgelage, Ge- 
lage bei Laternenschein' übersetzt werden kann, man 
denke an das Horazische (Od. I, 27, 5) uino et lucernis 
Medus acinaces immane quantum discrepat — vorzuziehen 
sei. Ich bin auch jetzt noch der letzteren Ansicht und 
möchte vielmehr glauben, dass Claudian an der Stelle 
des Apuleius ebenfalls conlucernationibus las. Man darf 
dabei nicht ausser Acht lassen, dass conlurrinatio ein tirraz 
dqr t uhov und möglicherweise eine uralte, sehr naheliegende 
Conjectur für das schwerer verständliche conlucernatio ist, 
also gar nicht von Apuleius selbst herrührt. Uebrigens 
soll nicht verschwiegen werden, dass an und für sich 
betrachtet die Bildung conlurcinatio nicht auffällig ist, da 
neben lurcare (lurcari) auch ein lurcinari bestanden haben 
muss, indem Cato (nach Quintil. I, 6, 42) lurcinnbundus 
gebrauchte. 

Asel. 26, S. 40, 17 ipsum utile e uolunfafe (est). -- Cl. 86, 
11 ipsum uelle mbstantia est. Auch der von Claudian 
so häufig (76, 10. 83, 8. 92, 18. 156, 2. 185, 7) gebrauchte 
Tropus oculns mentis (gewöhnlich oculi m.) findet sich bei 
Apuleius de dogm. Plat. I, 6, S. 67, 27 (essentia) quae 
mentis oexdis comprehenditur, übrigens hat ihn auch Augustin 
z. B. de quantit. animae IV, 6 gebraucht. Die Wendungen 
bei Claudian 125, 8 nubilum ignoranliae und 145, 3 opa- 
cum nubilum verum calignutium mögen dem nubilum mentis 
bei Apul. de mag. 50, S. 60 ? 19 nachgebildet sein; übrigens 
muss die Wendung sehr beliebt gewesen sein, da Cyprian 
426, 6 H. nubilum liuoris, Salvian ad eccl. I, 43 mtbilum 

3 



Digitized by Google 



22 



EnpeHirocht 



[442] 



crroris, AIcimus Avitus 79, 30 (Pcipcr) mtbüum ambigui- 
tatis und Ennodius (409, 26), sowie Sedulius (Pasch, 
carra. II, 81) das apuleianische nuhilum mentis haben. 
Natürlich fehlt die Wendung auch bei Sidonius nicht, 
epist. IV, 12 (64, 19) mtbüum superducti maeroHs. Endlich 
kann ich die Vermuthung nicht unterdrücken, dass die 
Stelle de mag. 43, S. 53, 21 haec et alia apud plerosque 
de magieis pueris lego Vorbild für Claudian 97, 4 und 
143, 10 war, wo an ersterer Stelle sämintliche Hand- 
schriften ausser M haec et alia loquitur ueritas, sowie an 
zweiter Stelle haec et alia . . innumera proferre possemus 
bieten. Obwohl ich die Lesart von M haec et talia in 
den Text setzte, so gebe ich jetzt doch mit Rücksicht 
auf die Stelle aus Apuleius der Lesart der übrigen Hand- 
schriften den Vorzug. Asel. 26, S. 48, 22 hat zwar Apideius 
haec et talis senectus, sonst verbindet er aber diese beiden 
Pronomina stets asyndetisch, also hie talis, vgl. Koziol, 
Stil des Apuleius, S. 77. 

B. 

Weiters findet sich bei Claudian eine nicht unbedeutende 
Anzahl von selteneren Ausdrücken oder von Wörtern mit ausser- 
gewühnlicher Bedeutung, die unsere Lexika entweder nur durch 
Stellen aus Apuleius belegen oder bei denen durch andere 
Umstände ersichtlich ist, dass Claudian sie speciell aus Apuleius 
entnahm. Zu letzteren rechne ich Ausdrücke des vorclassischen 
Lateins, die erst wieder durch Apuleius (möglicherweise auch 
schon durch Fronto) zu neuem Leben erweckt wurden. Wir 
führen die hieher gehörigen in alphabetischer Reihenfolge vor. 

ahhinc in räumlichem Sinne 1 Lucrez III, 958 und Apul. 
flor. 16, S. 25, 15 totoque ahhinc orhe totoque abhinc tem- 
pore laudes benefacti tut ubique gentium Semper annorum 
repraesentet (wo ubique gentium dem toto ahhinc orhe und 
Semper annorum dem toto ahhinc tempore entspricht). — 



1 Unrichtig führt Kratschmann, Dr latinitate L. Apulei Madaurensis, Inaug - 
Dissert. Königsberg, 1S(55, mich Plaut. Per». V, 2, 19 an, wo aber aus 
allen Handschriften hinc gelesen wird. 



Digitized by Google 



Untersuchungen über die Sprache des Clandinnus Mamertus. 23 



Cl. 131, 2 abhinc ( = inde ab hoc loco) ecclesiasticis doc- 
toribu8 utitur te&tibus; 150, 15 a. in tertium caelum (tran- 
scende); 141, 10 estne aliquid, quo abhinc locorum uspiam 
progrediaris ; 29, 21 a. superius; 144, 17 ecce a terrae conti- 
guis aere tenus aquarum elementum est, exin profundum 
aeris usque ad lunaris sideris ciiimum Urnen, abhinc ignium 
aetheriorum spatia ; 19, 11 primus Uber in sui primordio 
breuiter adstruit . . ., post de animae statu . , Itwtamen 
alternat, abhinc itidem . . praelibauit. Vgl. abinde beim 
auet. incertus de S. Helena (ed. Heydenreich) 18 a. nauigare 
coeperunt (Paucker, Supplementuni lexicorum latinorum, 
S. 2). Die Vorliebe Claudians, hinc mit Präpositionen zu 
componiren, zeigt sich auch durch die häufige Anwendung 
von posthinc (vgl. Index und weiter unten). Jedenfalls ist 
nicht richtig, was Hand (Tursellinus I, 66) bemerkt : 7 quam- 
quam igitur ipsa uocabidi formatio non poferat aliena uideri 
a notione loci, tarnen 7ion permisit communis usus'. An der 
localen Bedeutung des Wortes bei Lucrez kann nicht ge- 
zweifelt werden und war dieselbe jedenfalls in der Volks- 
sprache nichts Ungewöhnliches. Auch Jordanes gebraucht 
an einer Stelle abhinc in localer Bedeutung 82, 8 Mommsen : 
abhinc Geta recessit in propria. 

altrinsecus — ,auf der anderen Seite 4 Plautus und Apul. met. 
I, 16, S. 10, 24 a, prominere; I, 21, S. 13, 29 uidesne . . 
a.forea; II, 18, S. 29, 18 gladiolo solito cinetus a.; III, 17, 
S. 49, 7; V, 2, S. 79, 27 a, aedium. — Cl. 190, 1 quoniam 
a. contimtati uiarum pericidum feeimus. 

autumare , bekanntlich als aus dem Sprachschatze der alten 
scenischen Dichter (Quintil. 8, 3, 26 .autumo' tragicum) 
entnommen ein Lieblingswort des Apuleius (zahlreiche 
Belege bei Georges), gebraucht Claudian einmal in Ver- 
bindung mit einem Accus, c. inf. (30, 7) und fünfmal in 
der Formel ut autunio f-as, -at). Auch Sidonius gebraucht 
es mehrmals (vgl. epist. V, 4, S. 80, 13; VII, 9, S. 114, 30), 
ebenso Ausonius XX, 208 Schenkl und Victor von Vita 
I, 5 Petschenig. 

Brachmani: so ausser Amm. 23, 6, 33 bei Apul. tior. 15, 
S. 18, 12 und Cl. 204, 13; den Genetiv Brachmanvm 
hat Apul. flor. 15, S. 18, 13 und Cl. 130, 10. 

3* 



Digitized by Google 



24 



E n k e 1 1> i- e c h t. 



[444] 



cedo adverbiell gleich einem age Apul. de mag. 37, S. 47, 3 
cedo enim experiamur , de deo Socr. 9, S. 13, 16 cedo 
igitur mente formemus nach dem Vorgange des Plautus. 
— CI. 178, 17 cedo etiam de Mo quaeramus. 
cnnsequenter in der Bedeutung folgerecht' nach Georges 
zuerst von Apulcius met. X, 2, S. 182, 15 habebat iuuenem 
ßium probe litteratum atque ob id consequenter pietate mo- 
destia praeeipuum. angewendet, hat Claudian an fünf Stel- 
len (3(5, 3. 38, 1. 62, 14. 102, 11. 113, 16). Ausserdem 
gebrauchen es Chalcidius, Sedulius, Alcimus Avitus. 
continnari Sisenna, Apul. met. I, 24, S. 16, 1; V, 31, S. 97, 
10; VI, 18, S. 108, 5; der gallische Panegyriker Eumenius, 
Symmachus. — Cl. 190, 1 quoniam altrinsecus continuati 
uiarum periculum feeimus. 
creper in der übertragenen Bedeutung zweifelhaft, misslich' 
ausser den Tragikern und Lucrez auch Apul. de deo Socr. 
18, S. 20, 25 res creperae et adflictae. — Cl. 143, 6 estne 
aliquid istic, creperum aut fortassis obscurum? Ennodius 64, 
13 H. si pagina nostra res crepera et aneeps est. 
detrimentum: Apul. Asel. 3, S. 30, 9 corporum augmenta 
detrimentaque. — Cl. 28, 4 (dms) detrimenta non sentit 
augmentaue non reeipit. Damit vergleiche man auch Hie- 
ronymus, Orig. in Luc. hom. 8 si . . nec augmentum nec 
decremen tum reeipere potest. Bei Cl. 149, 5 lunaris globi 
per incrementa ac detrimenta uariatio bin ich sehr im 
Zweifel, ob nicht mit Bezug auf Apul. met. XI, 1, S. 205, 
19 ipsa corpora terra caelo marique nunc incrementis con- 
sequenter augeri nunc decrementis obsequenter imminui auch 
bei Claudian decrementa für detrimenta zu schreiben ist, 
zumal da auch Augustin (Enarrat. in psalm. 71, 8) decre- 
menta incrementaque lunaria schreibt. Auch August, de 
ciuit. dei V, 6 (S. 198, 30 Domb. 2 ) hat man lunarünu 
incrementis atque decrementis augeri et minui quaedam genera 
rerum zu lesen, und ich kann nicht begreifen, warum 
Dombart in der 2. Auflage der Lesart der interpolirten 
Handschriften AKF detrimentis den Vorzug gegeben hat. 
Von den von ihm angezogenen Parallelstellen ist nur Apul. 
met. XI, 1, S. 205, 19 beweiskräftig, und gerade hier liest 
man auch decrementis, freilich nicht bei Eyssenhardt; aber 



Digitized by Google 



[445] 



Untersuchungen aber die Sprache d«» Claudianu« Mamertus. 



25 



wer die Stelle genauer betrachtet nunc incrementis con- 
sequenter augeri nunc decrementis obsequenter imminui, 
wird durch das Wortspiel conseqttenter — obsequenter hin- 
länglich belehrt, dass der Schriftsteller wohl auch decrementis 
wegen des Gleichklanges mit dem vorausgehenden incre- 
mentis absichtlich schrieb. Zudem ist gerade decrementum 
ein Wort afrikanischen Ursprungs (vgl. Sittl, Die localen 
Verschiedenheiten der lateinischen Sprache mit besonderer 
Berücksichtigung des afrikanischen Lateins, S. 145), das 
sicher auch Cyprian de spectac. 9 (Append. 11, 13 Härtel) 
gebrauchte : globum lunae temporiim cursus incrementis suis 
decrementisque signantem (so der Codex Z saec. XIV und 
v saec. XV), wo ich nicht mit Härtel zwei Handschriften 
des 15. Jahrhunderts ((.i, r), die detrimentisque bieten, 
folgen möchte. 

directim: Apul. de dco Socr. prol. (S. 2, 18) lapidem directim 
caesum. — Cl. 90, 15 latitudo directim reeipit secüonem. 
Aehnlich gebraucht das Wort auch Macrobius. 

dispudet aus dem Sprachgebrauche der Komiker aufgenom- 
men von Apul. de mag. 63, S. 73, 14 non uos tot calum- 
niarum tandem dispudet? — Cl. 172, 5 non dispudet auetor 
huius sententiae exemptae animae corporalitatis capessere 
indiciumf Auffällig ist hier die (durch alle Handschriften 
bezeugte) sonst nicht belegbare persönliche Construction 
mit folgendem Infinitiv; unrichtig ist bei Georges unsere 
Stelle als Beispiel eines folgenden Accus, cum Infin. an- 
geführt, denn selbst wenn man mit den früheren Heraus- 
gebern auetorem läse, so wäre der Accusativ doch zu 
dispudet gehörig und nicht Subject zu capessere. 

equidem in Verbindung mit der zweiten und dritten Person 
gebraucht, findet sich bei Plautus, nicht mehr bei Terenz. 
Von Plautus hat es Apuleius übernommen (Fronto ge- 
braucht equidem nach ciceronianischein Sprachgebrauche 
nur in Verbindung mit der ersten Person), der es aber 
so nur in den Metamorphosen gebraucht: I, 1, S. 1, 13 
haec equidem ipsa weis immutatio . . respondit ; II, 13, 
S. 26, 9 quam olim e. exoptatus nobis aduenis ; III, 27, 
S. 54, 17 quod corollis roseis e. recentibus fucraf ornatum; 
IV, 2, S. 57, 10 (pios e. fragrantes . . rosas laureas appel- 



Digitized by Google 



26 



Engclbrecbt. 



[446] 



Laut; V, 1 , S. 79, 22 ut e. illud rede uideatur . . Ioui 
fabricatum caeleste palatium; VII, 9, S. 122, 30 quorum 
poterit umiH magnis e. talentis , ut arbiträr, puellam istam 
praestinare; VIII, 10, S. 141, 3 istud e. certe . . concedas 
necesse est (vgl. Jordan, Kritische Beiträge zur Geschichte 
der lateinischen Sprache, S. 325, der überhaupt den Ge- 
brauch dieser Partikel in der archaischen und classischen 
Zeit erschöpfend behandelt, dagegen die späteren Schrift- 
steller mit Ausnahme des Apuleius leider nicht in den 
Kreis seiner Untersuchung gezogen hat). Die zahlreichen 
Belege aus Olaudiun für die Verbindung von equidem mit 
der 2. oder 3. Person sehe man in meinem Index zu Clau- 
dian nach. Das so häufige Vorkommen dieses Sprach- 
gebrauchs bei Claudian erklärt sich aus der Nachahmung 
des Apuleius, während vereinzelte Beispiele sich bei vielen 
späteren Schriftstellern tinden. 
ergo igitur war eine im Volksmundc wahrscheinlich stets be- 
liebte Verbindung, wie dies der Gebrauch bei Plautus zeigt, 
von dem sie Apuleius hat, aber nur in den Metamor- 
phosen (I, 5, S. 3, 29. II, 18, S. 29, 5. 28, S. 35, 18. III, 19, 
S. 50, 3. IV, 2, S. 56, 26. V, 11, S. 85, 20. VII, 9, S. 122, 

25. 15, S. 125, 30. 19, S. 128, 13. IX, 17, S. 165, 12. 
22, S. 168, 15. 39, S. 179, 8. X, 3, S. 183, 7. 35, S. 204, 

26. XI, 5, S. 208, 9. 21, S. 218, 17. 28, S. 223, 26).' 
Aus Letzterem möchte man wohl schliessen, dass die Ver- 
bindung in der niedrigen Vulgärsprache Afrikas zu Apu- 
leius' Zeit noch lebend war, denn hätte sie dieser blos 
aus der Leetüre des archaischen Latein geschöpft, so 
wäre nicht einleuchtend, warum er sie nicht auch, oder 
vielmehr gerade in seinen sorgfältiger stilisirten anderen 
Schriften (vgl. Jordan, Kritische Beiträge, S. 325; Sittl, Die 
localen Verschiedenheiten der lateinischen Sprache, S. 82) 
angewendet haben sollte. — Claudian hat ergo igitur 
111, 9 und 173, 8 (G auch 148, 4). Bei Salvian de 

1 Sämmtliche von Kretschmann a. a. O. S. 102 beigebrachten neun Stellen 
aus den anderen Schriften haben in Wegfall zu kommen, da sie nur 
irrthümlich angeführt sein können und wahrscheinlich als Belege für 
ntenim dienen sollten (vgl. Koziol, Stil des Apuleius, S. 145). 



Digitized by Google 



Untersuchungeu über die Sprache des (taudianus Mamertus. 



27 



gubern. dei IV, 22 liest man: ergo ut ad mperiora redea- 
mus: quid est igitur etc. 

exhinc bei Georges als &Vror| 6iqr t p.ivov aus Apul. raet. XI, 24, 
S. 220, 29 exhinc hierauf) festissimum celebraui uatalem 
sacrorum angeführt, hat Cl. 19, 1 (s. die praefatio meiner 
Ausgabe pag. XXV) mulfa exhinc deriuare poterit, wie 
man sieht, mit veränderter Bedeutung; ebenso Enuo- 
dius 292, 10 exhinc digressi bunarum verum in rege lau- 
datio affectum (vorausgeht illud iure praeloquerentur exor- 
dium). Dagegen wie Apuleius gebraucht es Sidonius 
epist. IX, 16, S. 172, 59 L. nullum cito cogar exhinc pro 
mere carmen und Jordanes 114, 19 M. 

flaccere in übertragener Bedeutung Afran., Ennius, Apul. de 
mag. 25, S. 33, 22 cur uestra oratio rebus jlaccet, strepitu 
uigett — Cl. 31, 21 sententia ßaccenh'. Uebrigcns sehreibt 
auch Cicero in einem Briefe (ad Quint, fratr. 2, 14, 4) 
Measala flaccet. 

f 'ring tili 'ire wird transitiv und in übertragener Bedeutung ge- 
braucht von Apul. de mag. 98, 8. 109, 9 audiati priuignum 
meum uix singulas syllabas fringidtientem und ebenso von 
Cl. 137, 3 cernas hic alium inter ruetundum quasdam sug- 
gillatiunculas fringidtientem ab alio laudari. Intransitiv in 
übertragener Bedeutung haben es Laevius, Plautus, Fronto, 
Apuleius und Sidonius (die Stellen bei Georges). 

geometrica, ae Apul. flor. 18, S. 31, 2 nach den besten 
Handschriften (^Krüger, geometriae Hildebrand). — Cl. 105, 
10; 204, 27 (in Verbindung mit arithmetica und musica); 
174, 4 geometricam sine radio doeuit ; nirgends rindet sich 
bei Claudian geometria. Derselbe gebraucht auch astro- 
logica, nicht astrologia 81, 7; und so (aber als neutr. 
plur.) scheint auch Sidonius epist. V, 2 (79, 8) zu schreiben 
sein, obwohl die Handschriften astrologia bieten, wenn 
man bedenkt, dass die Worte arithmetica — geometrica 
— musica — dialectica vorausgehen und noch arckitecto- 
nica — metrica folgen. Ausserdem hat geometrica der 
Uebersetzer des platonischen Timäus Chalcidius als genaue 
Wiedergabe des griechischen yeajpeTQi/.t]. 

illectamentum bei Georges &r«| eiotjUerov aus Apul. de 
mag. 98, S. 108, 8 meretricis blandimentis et lenonis yatrix 



Digitized by Google 



28 Engelbrecht. [448] 

illectamentis captus findet sich auch de mag. 102, 8. 113, 5 
qui Ajmleium dicitis animum lhidentillae magicis illectamentis 
adortum. — Ol. 127, 5 non arbitrans fore quempiam in- 
tectamentis fallaciarum corporalibus obsistere solitum. Auch 
Cl. 23, 8 blandimenta lenocinantia erinnert an obige Stelle 
des Apuleius. 

impendio mit einem Verb verbunden gebraucht Apuleius, 
obwohl er unter den späteren Autoren es nicht allein 
hat, doch mit Vorliebe, so met. II, 18, S. 29, 4. X, 4, 
8. 184, 3; flor. 18, 8. 31, 10; de deo Socr. 20, 8. 23, 7; 
de mag. 3, 8. 6, 9. 15, 8. 22, 3. 32, S. 42, 21. 61, S. 71, 15. 
— Cl. 24, 15 animaduerti id impendio molientem opelli ipsius 
auctorem; 37, 9 non i. emolienda sunt, quae per se labascunt. 

interminus übtr. auch Ausonius und Symmachus; jedoch 
Apul. de mundo 1, 8. 107, 10 (caelum) dierum noctiumque 
curriculis agens steüarum choros intermino lapsu finem 
nulla aeui defectione factura ist das deutlich erkenn- 
bare Vorbild für Cl. 149, 10 (sidera) intermino linea- 
rum tramite in id ipsum sine f ine redeuntia gewesen. 

interspergere belegt Georges nur mit zwei Stellen aus 
Apul. met. V, 15, 8. 87, 30 intersperms mm canitie und 
de mag. 40, 8. 50, 11 sunt plurima (remedia) in aliis 
omnibus rebus eodem naturae munere interspersa atque inter- 
xeminata. — Cl. 35, 2 non interspergat sinceritati ueritatis 
ignorantia praesumptiosa mendacium. 

medullitus: Plaut., Enn., Varro, Amm. , Apul. met. VII, 2 
8. 118, 17 m. ingemere, X, 25, 8. 197, 23 m. dolore com- 
motu*, flor. 18 extr. summis m. uiribus contendunt ambo: 
uincitur neuter, Cyprian 305, 15 m. conceptus ignis. — 
Cl. 176, 17 eo mihimet hisce inanibus respondere admodum 
labori est, quia nihil istic quicum congrediar, nihil (est) 
quod medullitus eruam. Einen Begriff der dieser bildlichen 
Ausdrucksweise hier zu Grunde liegenden Vorstellung 
mag geben Cl. 205, 5 erui atque euelli in fixa animo meo 
neqitit declamaiionum tuarum suauitas. Es ist also me- 
dullitus gleich einem ex intimo animo. Ausserdem haben 
das Wort von den Galliern Sid. VIII, 7, 8. 134, 5 me- 
dullitus aestuare und Ennod. 380, 19»« medullitus inserens 
(catharrus) gebraucht. 



Digitized by Google 



[449] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



29 



momentarius von Apuleius mit Vorliebe verwendet, wie m. 
maritus (met. V, 12, S. 86, 4), m. täta (met. II, 29, 
S. 36, 14), m. Salus (met. IX, 1, S. 155, 23), hat gewöhnlich 
die Bedeutung ,nur augenblicklich = zeitweilig, vorüber- 
gehend* (Georges), jedoch einmal auch , augenblicklich, 
schnell* Apul. X, 25, S. 197, 29 momentarium uenenum 
(schnellwirkend). Dieselbe Bedeutung lässt sich bei Cl. 
148, 18 uices et spatia temporum et moras dierum momen- 
taria mundi creatio non admittit statuiren, vgl. auch Pa- 
pinian. dig. 34, 1, 8 ea res praesentem ac momentariam 
curam imungiU 

moribundus in der Bedeutung sterblich* hat ausser Vergil 
Acn. VI, 732 moribunda membra noch Apul. de deo Socr. 4, 
S. 8, 17 immortalibus animis, moribundis membris. 1 Nicht 
hieher möchte ich (gegen Hildebrand [vgl. dessen Note 
zu de deo Socr. 4] und Georges) Apul. de mag. 50, S. 60, 
19 moribundo corpore cessante animo cadunt rechnen, da 
hier die gewöhnliche Bedeutung deutlich vorliegt. — Cl. 
56, 3 humanuni corpus terrenum scilicet atque moribundum. 

multimodus: Apuleius, der für mit multus zusammengesetzte 
Adjective grosse Vorliebe zeigt (vgl. multicolorus , midti- 
forabilis, midtäugus, multimodus, multinominis, multiscius, 
multiuagus, multhdus) , hat auch multimodus met. X, 29, 
S. 200, 26 und de dogin. Plat. I, 7, S. 68, 20. Auch der 
Afrikaner Augustin hat es nicht selten; Sid. II, 13, S. 38, 
5 multimoda suspiria. — Cl. 64, 6 multimoda Sectio, 101, 9 
hi. doctrinae, 105, 4 m. ueritas rationum, 142, 4 m. ueri- 
tatis gladius (hiev neben gladius autfällig, jedoch ist die 
naheliegende Aenderung multimodae ueritatis gl. trotz 
der Analogie 105, 4 nicht nothwendig). Zu streichen je- 
doch ist das Citat Claud. Mam. epist. 1, p. 781, 2 Migne 
(S. 198, 7) bei Georges, da hier, abgesehen von der hand- 
schriftlichen Gewähr, die durch et verbundenen folgenden 
Worte miseris per in dt causis der Concinnität halber für 
multis inodis sprechen (Lütjohann in der Ausgabe des 



1 Aiigustin. de ein. dei XXI, 13 init. ist aus Vergil geschöpft: hinc est 
Maroni» illa sentrniia, uhi cum dixixaet d'i terrmis wjrtoribtu moribundi*- 
que membri» etc. 



Digitized by Google 



30 



Engelbreclit. 



[450] 



Sidonius — denn jener Brief Claudians ist nur in der 
Briefsammlung des Sidonius erhalten — edirt freilieh 
aueh multimodis [S. 53, 19], indess bieten die besten 
Handsehriften LMTCF niultis modus [nur i J| hat multi- 
modis]). Zudem könnte multimodis nicht, wie Georges 
angibt, Adverbium sein, sondern wäre höchstens als zu 
causis gehöriges Adjectiv zu fassen. 

obirasci findet sich nach Livius und Seneca bei Apul. de 
mag. 3, S. 6, 10 impendzo commoueri et obirasci und flor. 17, 
S. 26, 9 cessantibus obirasci. — Cl. 189, 6 oro quaesoque 
non obirascaris mihi, nach ihm Alcim. Avitus 121, 16 non 
nobis obirascantur. 

opulens wird von Apuleius bevorzugt und gewöhnlich noch 
mit einem Synonym verbunden, so met. X, 19, S. 194, 4 
matrona quaedam pollens et opulens, de deo Socr. 22, 
S. 25, 1 omnia affluentia, omnia opulentia, omnia ornata, 
met. VIII, 15, S. 143, 30 castellum frequens et opulens. — 
Cl. 184, 11 opulens negotium et dites causae ad dicendum 
proliciunt. 

periclitari mit dem Genetiv verbunden hat nur Apul. VIII, 
31, S. 154, 15 hie ego me potissimum capitis periclitatum 
memini. — Cl. 20, 16 quoniam, si in his secus aliquid, ego 
conscriptionis periclitabor , sed tu editionis. Auch periclita- 
bundus, eine uox Apuleiana, ist met. III, 21, S. 51, 22 
mit dem Genetiv sui verbunden. 

praecisio in der eigentlichen Bedeutung = ,das Beschneiden, 
das Abschneiden', war bisher nur bekannt aus Apul. met. 
I, 9, S. 6, 7 ea bestia ab insequentibus se praecisione geni- 
talium liberat. — Cl. 72, 9 haec talibus non inesse uel de 
ossium sectione et capillorum atque unguium praecisione 
cognoseimus. 

praesentare se scheint zuerst von Apuleius met. VI, 1, S. 100, 
10 luno sese praesentat gebraucht. — Cl. 143, 10 per quem 
(spiritum) Paidus apostolus absens toto corporeo sui Corin- 
thiis potuit prae8entari. Der Ausdruck mag übrigens im 
gallischen Latein damals schon grössere Verbreitung ge- 
habt haben (vgl. das französische presenter und Auct. pan. 
Maxim, et Const. 3, 4, Peiper's Index zu Alcimus Avitus, 
Hartel's Index zu Ennodius). 



Digitized by Google 



[451] 



Untersuchung!.' n über die Spruclie des Claudianus Mamertus. 



31 



proquiritart) zuerst Apul. de mag. 82, S. 91, 19 epistulam 
saepe aperiens proquiritabat. — Auf offenbarer Nach- 
ahmung dieser Stelle beruhen CJ. 19, 7 opuscidum illud 
sine auctore proditum et usquequaque proquiritatum und 
Sidon. epist. VIII, 6, S. 131, 14 per ipsum fere tempus, xit 
decemuiraliter loquar, lex de praescriptione tricennii fuerat 
proquiritata. Letztere Stelle scheint den Sehluss zu ge- 
statten, dass proquiritare ein dem Zwülftafelgesctze ent- 
nommener Ausdruck war, denn nur 'auf dieses Wort kann 
sich das ut decemuiraliter loquar beziehen. Georges er- 
klärt im Lexikon decemuiraliter zwar durch ,nach Art der 
decemuiri (stlitibus iudicandis)' , jedoch vermag ich nicht 
einzusehen, warum Sidonius gerade an diese Behörde ge- 
dacht habensoll; mir scheint es viel natürlicher zu sein, 
an die decemuiri legibus scribundis zu denken. Ausserdem 
ist es für den alterthümelnden Apuleius sehr bezeichnend, 
dass er ein Wort wieder in die Literatur einführte , was 
aus jener archaischen Rechtsquelle stammte. Merkwürdig 
ist nur, dass dieses Wort sich in den bisher bekannten 
Glossarien nicht findet, während doch das Vcrbum Sim- 
plex, dessen Gebrauch in der Schriftsprache sich durch 
alle Jahrhunderte verfolgen lässt, oftmals als Glosse be- 
gegnet (vgl. Loewe's Prodronius, S. 316). 

scaeuus in übertragener Bedeutung wird von Apuleius mit 
auffallender Vorliebe angewendet: met. II, 13, S. 25, 25 
sc. fortuna; IV, 19, S. 68, 5 sc. euentus; X, 17, S. 192, 31 
sc. praesafjium] X, 24, S. 196, 30 sc. riualitas (?). — Clau- 
dian hat es stets (34, 16 s. sententia, 55, 21 s. iudicium, 
132, 1 s. praedicatio) in der Bedeutung eingeschickt, ver- 
kehrt, unrichtig', und zwar von Sachen angewendet. 

spectamen in der Bedeutung , Anblick* Apul. met. IV, 20, 
S. 68, 28 miserum funestumque spectamen aspexi, met. VII, 
13, S. 124, 30 cerneres nouum et memorandum spectamen. — 
Cl. 149, 14 suntne haec omnia genti mortalium uel coniuentia 
usui uel iueunda spectaminif Nach Claudian hat es der 
Gallier Alcimus Avitus 129, 15 uideris illic spectamen eqre- 
(jium und carm. IV, 408 Peiper. 

sudis gebraucht Claudian 25, 2 in der Bedeutung , Steinspitze 
(hervorstehende Steine)': (loca) quae uel humoris assidui 



Digitized by Google 



32 



Engelbrecbt. 



[452] 



subterluuione cedentia uel leui prono lubrica uel cauo pen- 
dula .uel sudibus aspera sunt — eine andere Auslegung 
dieser Stelle halte ich nicht für zulässig. Höchst wahr- 
scheinlich hat Apul. inet. VII, 17, S. 127, 16 nec saxeas 
tantum sudes ineursando contribam ungulas obige Bedeu- 
tung verschuldet. 
suggestus im bildlichen Sinne gebraucht Apul. met. V, 6, 
S. 82, 5 neue se de tanto fortunarum suggestu pessum deiciat. 
— Cl. 204, 29 haec in landein tuam suggestui sunt, was 
einem haec tibi laudis suggestui sunt oder mit Beibehaltung 
der Construction haec in laudis tuae suggestum sunt gleich- 
kommt. 

terriculamentum ist eine Neubildung des Apuleius (de deo 
Socr. 15, S. 18, 18 inane teniculamentum bonis hominibus 
und de mag. 64, S. 74, 8 omnia sepiderorum terricula- 
menta), die dessen gallische Verehrer Claudianus (104,21 
nisi teniculamenta quaedam scientiae profundioris ostenta- 
visset) und Sidonius (epist. VII, 1, S. 103, 14 prodigiorum 
terriculamenta) getreulich aufgenommen haben. 

trifarius zuerst bei Apul. de mag. 49, S. 59, 20 causam mor- 
borum omnium trifariam percenset. — Cl. 119, 9 guod tum 
et trifarium stibsistat et unum sit. Nach Claudian ge- 
brauchen es Cassiodorius und Fulgentius. 

Ueberblicken wir diese Reihe einzelner Worte, deren 
Beweiskraft in ihrer Totalität wohl von Niemandem wird be- 
stritten werden können, wenn auch ein oder der andere Aus- 
druck möglicherweise in weiteren Kreisen, als in den die 
Sprache des Apuleius cultivirenden Rhetorenschulen , gang 
und gäbe war, so ist die bewusste Nachahmung des Apuleius 
bei Claudian hieniit genugsam bewiesen. 

Die Schule, die die Nachahmung des Stiles des Apuleius 
lehrte, musste natürlich auch aus dem Sprachschatze der alten 
scenischen Dichter der Römer zu schöpfen angelegentlich em- 
pfehlen. Claudian hat diese Lehre getreu befolgt, und des- 
halb sagt auch Sidonius, dem als Zeitgenossen gerade darüber 
das corapetenteste Urtheil zustand, von den Schriften Clau- 
dians (epist. IV, 3) : noua ibi uerba, quin uetusta. Wir stellen 
nunmehr 



Digitized by Google 



[453] 



Untersuchungen über die Sprache dis Claudianus Mameitus. 



33 



Archaische Worte bei Claudian 

zusammen, wobei wir den Begriff archaisch möglichst weit 
auffassen, indem wir darunter solche Worte verstehen, die 
in der vorclassischen Zeit gang und gäbe waren, dann aus 
der Literatur verschwanden und erst in nachclassischer Zeit 
daselbst zu einem künstlichen Leben wieder erweckt wurden. 
Freilich werden manche derartige Ausdrücke im Volksmunde 
stets fortgelebt haben. 

aliquantulum als Adverb Plaut., Ter., Gellius. — Cl. 20, 8 
tertiu-8 (Uber) a. in sui primordio anjumentatur, 108, 4 ut 
te uel aliquotiens aliquantulum conuenirem. 

altrinsecus s. oben. 

blanditer Plaut., Titinius com. — Cl. 184, 12 (camae) paene 
blanditer obuiae suapte specie describi. sese qwiemnt ; nach 
ihm Alcimus Avitus 133, 30 P. 

coneipilare wird durch ,rait aller Begierde ergreifen, an 
sich reissen' von Georges, Klotz u. A. erklärt und dafür 
Plaut. Truc. 2, 7, 61 und Naeu. com. bei Paul, ex Fest. 
02, 6 citirt. Die Plautusstelle lautet bei Schöll : ttfiam, 
scelus uiri , minitare, quem ego iam iam iam coneipulabo, 
die Vulgata hat: quem ego offatim iam iam iam ronci- 
pilabo. Auf diesen Vers bezieht sich die Glosse (des 
Cod. Vatican. 3321) bei Mai auet. class. tom. VI, 
pag. 517 a: coneipulabo • roncidam minutatim. Man sieht, 
das» für Plautus mit der Bedeutung ,ergreifen, an sich 
reissen' nichts anzufangen ist (vgl. Löwe im Prodromus, 
S. 278), denn der Sinn und Zusammenhang verlangt 
an obiger Stelle für conrijmlare die Bedeutung von ron- 
cldere, vgl. in derselben Scene Vers 52 und besonders 
G5 offatim te machaera conficiam, wo machaera con /triam 
dem Sinne nach sich mit conripilabo x vollständig deckt. 
Auch die Etymologie empfiehlt diese Bedeutung, indem 
das Wort von rajndare (capulus) abzuleiten ist. Es ist 



1 De Vit erklärt concipüabo durch corripiam, laceraho, disrerpam , wovon 
die erste Erklärung falsch ist, dagegen die beiden anderen den rich- 
tigen Sinn wiedergeben (freilich nnter Aufgebnng einer das Etymon des 
Wortes streifenden Paraphrase). 



Digitized by Google 



34 



Engelbrecht. 



[454] 



nicht allzukühn, anzunehmen , dass capnlus - - Griff des 
Schwertes, auch das Schwert, den Säbel selbst bezeichnet 
haben kann; deshalb hat capulare bei Anthim. 75 die 
Bedeutung ^abschneiden' : bueellas capulatax et minutas 
(ähnlich capellare bei Anthim. 43 aasae ifa ut capellentur 
parte«, wo einige Handschriften auch capidentur haben, 
.sowie umgekehrt an der vorigen Stelle capellatas), ebenso 
bei Hieronymus in psalm. 118 tolle, capula , seca (vgl. 
Paucker, Supplem. lex. lat., S. ö2). Ausserdem erklären 
zahlreiche Glossen capulare durch scindere, desecare, abscidere 
u. s. w. (vgl. Löwe a. a. O.). ConeipUare bei Plautus ist 
ein volksthüinlicher Ausdruck, den wir im Deutschen 
genau wiedergeben durch unser triviales ,zusammensäbeln, 
niedersäbeln 4 . Höchst interessant ist nun, wie dieses sel- 
tene Wort bei Claudian auftaucht, wo auch über die Be- 
deutung kein Zweifel entstehen kann (142, 0): fas est 
multimodo ueritatis gladio falsiloqui ceruiculam 'salubri 
concisione coneipilari. Woher hat nun Claudian dieses 
seltene Wort? Möglicherweise direet aus Plautus, aber 
wahrscheinlicher ist für mich, dass Apid. met. IX, 2, 
S. 150, 11 das Vorbild abgab: nec dubio me lanceig Ulis 
vel itenabulis, immo vero et bipennibus, quae facile famuli 
subministrauerant, wembrat im compifassent, wo schon Lipsius 
coneipilassent conjieirte , obwohl die neueren Editoren 
sich gegen diese Emendation ablehnend verhalten. In- 
dess schon membratim spricht zu deutlich für coneipilassent, 
und ich verstehe nicht, wie man mit compilasse.nt ( — 
»durchprügeln, durchbläuen' Georges) auszukommen ver- 
mag : wie vertragen sich die lanceae, venahula und die 
bipennes mit dieser Bedeutung? Und sollte der wuth- 
verdächtige Esel blos durchgeprügelt werden? Gewiss 
nicht, sondern man hätte ihn in Stücke zerhauen , wenn 
er nicht geflüchtet wäre. Zweifellos ist also coneipilassent 
herzustellen und ebenso zweifellos bezieht sich die Glosse 
bei Mai a. a. (). concipulassent ' minuiatim concidissenf auf 
unsere Apulciusstelle. Das Letztere hat schon Götz (in 
Lowe's Prodromus, pag. Xni) richtig gesehen. Götz mag- 
auch Recht haben, wenn er met. VII, 18, S. 128, 7 oeei- 
piens a capite immo uero et ipsis auribus totum mt>, coneipi- 



Digitized by Google 



[455] 



Untersuchungen über die Sprache des ClaudianuR Mamortus. 



35 



labat (so Lipsius, compilabat Handschriften und Editoren), 
caedit fusti grandissimo zu schreiben räth, obwohl man 
hier auch mit compüare (= durchprügeln) vollständig aus- 
reicht und coneipilare eigentlich nur in der Bedeutung 
von concldere. desecare, nicht aber im Sinne von medera 
(fwtti), wie es hier zu fassen wäre, bis jetzt belegt ist. 
— Wie capulare verschiedene Bedeutungen hatte, so ist 
es begreiflich, dass auch coneipilare noch Anderes be- 
zeichnet hat. Bei Paulus ex Fest. 62, 6 heisst es: conci- 
pilauisti dfctum a Naeuio pro corripuisti et inuolasti, ebenso 
in der Glosse bei Löwe, Prodromus, pag. XTII conciplet • 
corripiat, vgl. das Simplex capulare iuuencos Col. 6, 2, 4 
und c. pisces Mela 2, 5, 7. So mag also auch bei Apul. 
de mag. 96, S. 106, 18 coneipilare richtig sein: an inua- 
si#se me donrnm PudentiUae et coneipilare bona eim tu magis 
dolere debes (mehrere Handschriften compüare), nur darf 
man nicht mit Götz a. a. O. diesem coneipilare dieselbe Be- 
deutung wie in den obigen Beispielen vindiciren, sondern 
wird hier die von Festus aus Naeuius überlieferte Be- 
deutung anerkennen müssen. 

creper in übertragener Bedeutung Pacuv. , Accius, Varro» 
Lucrez, Avienus, Apuleius, s. oben. 

deliramentum Komiker, Fronto, Apul. de mag. 29, S. 38, 12; 
flor. 3, S. 4, 5, Cyprian. — Cl. 137, 11 de summis rebws 
deliramenta quaedam mussitant. Das Wort ist übrigens 
bei den Kirchenschriftstcllern nicht selten (vgl. Paucker, 
Supplem. lex. lat., S. 179). 

dispudet s. oben S. 445. 

equidem s. oben S. 445. 

ergo igitur s. oben S. 446. 

flaccere s. oben S. 447. 

intro inspicere Plautus. — Gl. 29, 24. 95, 16. 171, 1. 

itidem spielte in der Sprache der Komiker eine grosse Rolle, 
eine nicht geringere bei Claudian , der es an 21 Stellen 
(vgl. den Index meiner Ausgabe) gebraucht. 

labascere Plaut., Ter., Acc, Varro, Lucr. (die Stellen bei 
Sittl in Wölfflin's Archiv I, 492, denen z. B. August, de 
quantitate anim. XXIV, 46 hinzuzufügen ist). — Cl. 37, 9 
non impendio emolienda sunt, quae per se labascunt, 109, 



Digitized by Google 



36 



Engelbrecht. 



[456] 



21 uideris ne sententia tibi placita labascat. Nach Claudian 
gebrauchte das Wort Sidonius V, 10 (85, 11) und Enno- 
dius 167, 16. 269, 17 Hart. Für unrichtig halte ich Sittl's 
Ansicht, dass labesco stets nur eine Nebenform von labasco 
ohne Bedeutungsdifferenz sei. Denn wenn Rufin. Orig. in 
epist. ad Rom. 9, 32 quod tempus labescentibus quotidie 
diebus appropiat sagt, so ist klar, dass hier eine Inchoativ- 
form zu labi und nicht zu labare vorliegt; ebenso liegt 
es mit labescor (labiscor), wo Diomed. S. 344, 21 ausdrück- 
lich sagt: item lapsor iteratiuum, inchoatiuum labiscor, prin- 
cipale Horum est labor. Auch Aldhelmus laud. virg. 50 
in luxum labesrit Jcann nur so gedeutet werden. Dass 
von einem Deponens eine active Imperativform gebildet 
wurde, ist nicht auffällig, man vergleiche angeri = augescere, 
generari = generascere ; ebensowenig ist labescere neben 
fabesci befremdend, man vergleiche nur fatiscere neben 
fatisci (vgl. auch Paucker, Supplem. lex. lat., S. 441). Wir 
kommen übrigens auf das Wort noch später bei Be- 
sprechung der dem Claudian und Sidonius geraeinsamen 
selteneren Worte zurück. 

malum s. oben S. 440. Eine reiche Stellensammlung aus den 
Komikern bietet Lorenz zu Pseud. 236. 

medioximus — medius Plautus. — Gl. 183, . 4 medioximum 
quid dam naturae incorporeae, sed creatae, ebenso Sidonius 
IX, 3, (152, 11) und Alcimus Avitus 97, 3 medioxima 
uivosis amoenitas. 

medullitus s. oben S. 448. 

in meutern est mihi ist eine den Komikern eigene Phrase (vgl. 
Wagner zu Ter. Heaut. 986). Dieselbe glaube ich auch bei 
Ol. 96, 7 cum autem tibi in meutern est cogitationü et amoris 
tui herstellen zu sollen, wo ich früher mit den Hand Schriften 
mente edirte. Der Genetiv bei dieser Phrase lässt sich 
wohl durch kein zweites Beispiel belegen, ist aber durch 
das analoge venit mihi in meutern alieuius rei gerechtfertigt. 

miissitare ,leise sprechen, in den Bart brummen' Plaut, (s. 
Lorenz zu Plaut, mil. 310), Liv., u. a. — Cl. 23, 7 dam 
m.y 137, 12 deliramenta quaedam mussitant (ist in dieser 
Bedeutung als transitives Verbum bisher noch nicht nach- 
gewiesen). 



Digitized by Google 



[457] Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 37 

numquidnam Terenz (vgl. Spengel zu Andr. 235V — CI. 31, 
23 numquidnam terra uulneris plagam sentit und so 46, 9. 
157, 11. 204, 4. Uebrigen8 bemerke ich, dass das Wort 
auch bei Augustin sich nicht selten findet, z. B. de quan- 
titate animae V, 7. XII, 21. XXIX, 57. XXXI, 64. Auch 
Cicero hat es (vgl. Hellmuth in den Act. sem. phil. Er- 
lang. I, 111); bei ihm aber ist quidnam vollgültiges Pro- 
nomen, während es bei den späteren Schriftstellern ohne 
Einfluss auf die Satzconstruction bleibt und numquidnam 
zur blossen Fragepartikel herabgesunken ist, vgl. num- 
quidnam terra uulneris plagam sentit. 

opus est mit dem Accusativ Plaut., Cato. — Cl. 65, 15 adteyi- 
tiorem mihi lectorem opus est (wo der beste Codex M am 
Rande mit rothen Lettern die Bemerkung sie Plautus hat). 

pa reit er Pompon. com. 179. — Cl. 19, 17 modeste ac moderate 
et quam potuit parciter praelihauit. 

pessumdare Plaut., Terent., Sallust., Ovid u. A. - Cl. 36, 6 
pessumdetur e medio, qiii te incautum rtspergit infamia, 203, 
18 pessum porro dedit cum docirina uirtutem. Ueberhaupt 
liebte Claudian das Adverb pessum, indem er auch ein pes- 
sum facere bildete 136, 11 pessum facientes salubria sua. 

plusculum als Adverb Plautus. — Cl. 206, 7 aliquo for~ 
sitan plusculum familiariter, vgl. 184, 18; ebenso Sidonius 
epist. III, 3, S. 42, 28 quid ego istaec iusto plusculum 
garrio? IV, 16, S. 67, 26 plusculum recto secus, VII, 17, 
S. 124, 6 plusculum iusto corpore infimms, in dem Briefe 
vor carra. XXII disparatis aequo plusculum locis und 
Alcim. Avit. 142, 16 plusculum iusto. 

praepedimentum Plaut. Poen. 475. — Cl. 199, 14 nulla cuius- 
quam praepedimenfi occasio prastendi potest, ebenso Sido- 
nius epist. VII, 8 S. 112. 6. 

puhlicitus in übertragener Bedeutung Plaut., Caecil. com., 
Apul. met. I, 10, S. 6, 19. III, 16, S. 48, 17. (X, 29, 
S. 200, 4.) flor. 9, S. 12, 13. de mag. 14, S. 20, 21. — 
Cl. 189, 17 edito pro sententia tua aliquid puhlicitus lec- 
titandum. 

quaesere archaische Form, von der sich im classischen Latein 
nur quaeso und quaesumus erhalten hat; jedoch Cl. 184, 
12 describi sese quaesunt. 

4 



Digitized by Google 



38 



Etigcll) rocht. 



[458] 



quidum Komiker (Brix zu Plaut, rail. 277, Lorenz zur inost. 
115). — Cl. 137, 7 e socordi turba perieulum periclitabere : 
quidum? inperito quippe nihil quidquam iniustius, wo die 
letzten aus Ter. Adelph. 98 entnommenen Worte zeigen, 
dass der Schriftsteller mit Absicht gerade ein aus der 
Komikersprache entlehntes Wort anwendet. 

quopiam = irgendwohin' haben Plaut, most. 966 uide ne 
forte q. deuorteris und Ter. eun. 462 ituran, Thais, quo- 
piam es? Claudian dagegen verwendet quopiam sogar als 
Relativum 109, 19 quopiam igitur uideamus euadas. 

uspiam tibertragen = ,in irgend einer Sache' Plautus. — Cl. 92, 
5 quid mihi proderit uspiam, 128, 14 a magistro u. in hac 
eadem causa dissensit, 141, 11 esfne aliquid, quo abhinc 
locorum u. progrediains (hier keineswegs local!); dagegen 
in der gewöhnlichen localen Bedeutung 168, 2. 199, 5. 
— Sid. V, 7, S. 83, 3 quorum si nares afßauerit uspiam 
robiginosi aura marsupii, vgl. IX, 11, S. 161, 17. 

Ausserdem finden sich noch folgende Worte des archai- 
schen Lateins , aus deren Gebrauche allein man zwar nicht 
auf directe Nachahmung der archaischen Schriftsteller schliessen 
dürfte, weil ihr Vorkommen sich fast in jedem Jahrhunderte 
und bei den besten Stilisten statuiren lässt, die jedoch im Verein 
mit den eben angeführten Ausdrücken allerdings einiges Ge- 
wicht haben. Es .sind dies: inpraesentiarum 37, 10. 88, 3. 
104, 16. 139, 12. 177, 17. 184, 16. 203, 14 (vgl. über den 
anderwärtigen Gebrauch dieses Wortes Wölfflin im Philol. 
XXXIV [1876], S. 147 f.), oppido sowohl bei Adjeetiven und 
Adverbien (24, 4. 105, 8. 124, 23) als bei Verben (24, 18. 
169, 9, vgl. betreffs des sonstigen Gebrauchs Wölfflin, a. O. 
S. 151), sodes 146, 4; über cedo adverbiell gleich einem age 
s. oben S. 444, in der gewöhnlichen bei Cicero so häufigen Be- 
deutung hat es Cl. 136, 10 cedo mihi nunc illos. 

Nachdem nach dem eben Besprochenen, wie ich glaube, 
über die stilistischen Vorbilder Claudians kein Zweifel mehr 
obwalten kann, gehen wir daran, das Verhältniss des genus 
dicendi Claudians zu dem des begabtesten Vertreters der Form- 
gewandtheit in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts, wie 
Teuffei mit Recht den Freund und Zeitgenossen Claudians 



Digitized by Google 



[459] 



rntersnchunpren über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



39 



Sidonius nennt, zu schildern. Schon an einer früheren Stelle 
wurde bemerkt, dass bei Sidonius sich ebenso sehr wie bei 
Claudian die Schreibweise des Apuleius geltend mache (dieser 
Gegenstand verdiente eine genauere Untersuchung) und wurde 
daraus von uns der Schluss gezogen, dass beide Männer einen 
ziemlich ähnlichen rhetorischen Unterricht genossen haben 
müssten. Jedoch nicht nur in der Nachahmung des apuleiani- 
schen Stiles begegnen sich beide, sondern sie haben auch so 
vieles Andere im Ausdruck gemeinsam, dass auf eine Einwir- 
kung der Individualität des einen auf den anderen nothwendig 
geschlossen werden muss. Wer war aber da der Lehrer, wer 
der Schüler? Da Claudian um das Jahr 474 starb, da er bei 
Sidonius epist. IV, 11 nuper ereptus genannt wird (vgl. über 
die Chronologie der Briefe Baret's Ausgabe S. 123—145), sein 
Werk aber ungefähr ums Jahr 468 dem Sidonius widmete 
(Baret S. 132), vor welche Zeit nur ein ganz kleiner Bruch- 
theil der Briefe des Sidonius fallt, so war Claudian jedenfalls 
der ältere von beiden; wenn man noch bedenkt, dass Sidonius 
in jenem Briefe (IV, 11) eines literarischen Cirkels Erwähnung 
thut, in dem Claudian als Präses und Leiter der wissenschaft- 
lichen Disputationen fungierte, die anderen Theilnehmer aber 
als lernbegierige Jünger geschildert werden, so hat jedenfalls 
Michael Fertig Recht, wenn er — freilich ohne irgendwelche 
Angabe von Gründen — behauptet (C. Sollius Apollinaris 
Sidonius und seine Zeit, Programm von Passau 1848, S. 9) ? 
,Beide standen im wissenschaftlichen Verbände, doch so, dass 
Sidonius mehr der Jünger von Mamertus war. 
Wir handeln nunmehr von der 

Stüähnlichkeit des Claudian und Sidonius. 

Wir widmen gerade diesem Punkte einen eigenen Ab- 
schnitt, weil wir die Hoffnung hegen, dass aus der vergleichenden 
Gegenüberstellung des Lateins zweier gleichzeitiger und lands- 
männischer Schriftsteller auch manches Streiflicht auf die 
Sprache der betreffenden Zeit im Allgemeinen fallen wird. 

A. 

An auffallenderen Wendungen, Phrasen oder anderem 
Derartigen findet sich Folgendes bei beiden Autoren: 

4* 



Digitized by Google 



40 



K n c f I Im- <> o Ii t. 



Sid. ep. I, 9, S. 15, 14 sane moneo praeque denuntio mit 
folgendem Conjunctiv, auffallend wegen des adverbiellen 
Gebrauchs von prae, findet sich ebenso bei Cl. 137, 9 
moneo praeque denuntio aut palam loqwtntur aut tactant. 

Sid. II, 10, S. 34, 3 tu modo fac memineris multiplicato me 
faenore remunerandum. Cl. 205, 19 modo tu fac me- 
mineris docendi munus tibi hereditarium fore. 

Sid. II. 13, S. 38, 6 refugit ctleritate diuitias deliciasqtte 
regales. — Cl. 203, 17 delictis et diuitiis seruiens; Uber 
die Häufigkeit dieser Verbindung vgl. Wolfflin im Archiv I, 
383, wo aber die Claudianstelle fehlt. Es ist übrigens 
bemcrkenswertli, dass, nach den dort beigebrachten Stellen 
zu schliessen, dieser Keim sich hauptsächlich (ausser bei 
Cyprian) bei gallischen Schriftstellern findet. Den Schluss 
daraus für die Aussprache hat bereits Wolfflin gezogen 
(a. O. S. 363). 

Sid. III, 2, S. 40, 30 ad hoc auf aggeres saxis asperos aut 
jluuios gelu lubricos aut colles ascensu salebrosos aut 
uallis lapsuum assiduitate derasas. — Cl. 25, 1 quae 
(loca) uel humoris adsidui subterluuione cedentia 
aut leui prono lubrica uel cauo pendula uel sudibus 
aspera sunt. Das gemeinsame Vorbild für beide Stellen 
war wohl Apul. de deo Socr. prol. S. 2, 21 (s. oben S. 438). 

Sid. I, 2, S. 4, 19 sie tarnen quod illic nec Organa hydraulica 
8onant; III, 3, S. 42, 24 sie tarnen quod nec ossa tumul- 
tuarii caespitis male tumulabant ; II, 9, S. 31, 16 sie 
tarnen quod . . stilus his religiosus inueniebatur; vgl. 
I, 8, S. 13, 11 ita tarnen quod te loquax turba eircumsilit ; 
III, 13, S. 50, 3. 51, 1; III, 14, S. 51, 22; IV, 21, S. 72, 11 
und 14; VII, 9, S. 113, 3; VII, 14, S. 121, 2(5; IX, 2, 
S. 150, 9; IX, 12, S. 162, 5. — Cl. 49, 8 sie tarnen 
quod nonmdlae inrationales animantes prae hominibus uigent 
acumine uidendi; 135, 6 sed sie sustinet reprehensionis 
stilum, quod non patitur detrimenta meritorum; 95, 2 
sie ad illum accedit, quod a te utique non recedit. Quod 
mit dem Indicativ nach sie, tarn, ita statt ut consecutiuum 
ist überhaupt eine auffallende Erscheinung des gallischen 
Lateins im 5. Jahrhundert, da wir es auch bei Saluian 
s. Panly'a Index) und Alcimus Avitus (s. Peiper's Indices 



Digitized by Google 



[461] Untersuchungen über die Sprache des Oaudiunus Mamertus. 41 

zur Prosa und zu den Gedichten) finden; vgl. darüber 
auch Paucker, Subrelictorum lexieographiae latinae seruta- 
rium, S. 25 Note und Goelzer, Etüde lexicographique et grani- 
matieale de la latinite de Saint Jerome, Paris 1884, S. 381. 

Sid. III, 11, S. 47, 8 carebit nostrum naeuo loquacitatis 
officium; V, 3, S. 79, 2f> Caritas naeuum tarn miserae 
suspicionis eliminet, vgl. VIII, 11, S. 141, 1. — Cl. 35, 
19 11011 caret naeuo suspicionis bieeps isla prolocutio. 
Vgl. naeuus reprehensionis bei Alcini. Avit. 124, 17. 

Sid. III, 4, S. 43, 9. II, 10, S. 33, 12 sed istinc alias. - 
Cl. 31, 6 sed istinc alias (vgl. 123, 18 sed hinc alias). 
Auch der Gallier Ennodius im 6. Jahrhundert hat einmal 
sed istinc alias und fünfmal sed hinc alias (s. Hartel's Index). 

Sid. III, 13, S. 50, 21 haec ossium ramosa compago. — Cl. 174, 23 
quae neruorum origines quaeue compago, quae ossuum 
coitio quaeue compactio. An der Stelle des Sidonius 
hätte übrigens Lütjohann aus M T ossuum aufnehmen 
sollen; Claudian hat nur ossuum (72,9. 174, 24). 

Sid. IV, 7, S. 58, 26 baiulus apicum sedulo precatur, vgl. 
VII, 8, S. 112, 6. — Cl. 23, 8 ut ignaros verum sedulo 
precentur. 

Sid. IV, 12, S. 64, 10 quantum nauf ragioso ipelago conformis 
est motus animorum. — Cl. 23, 15 naufragiosum pela- 
gus disputationis, vgl. bei Ennodius 234, 18 cogitationum 
pelagus, 444, 15 narrationum pelagus. 

Sid. IV, 14, S. 66, 16 unde liquido patet und II, 10, S. 35, 8 
liquido claret. — Cl. 59, 25 patet enim liquido, 172, 13 
liquido patuit, vgl. liquido claret 76, 2. 79, 2. 89, 15. 
150, 7. Auch Ennodius schreibt liquido patuit 391, 12. 

Sid. IV, 23, S. 74, 3 nil deprecatus errorem. — Cl. 48, 8 
ueniam deprecaturus erroris (oder wie oben S. 440 ver- 
niuthet wurde, meum deprecaturus errorem). 

Sid. V, 2, S. 79, 5 uigilax lector inueniet ueriora nomina 
Camenai-um, vgl. VIII, 11 S. 141, 15. — Cl. 173, 11 uigi- 
lacem uigilantemque simid quaero lector em. 

Sid. V, 10, S. 85, 10 corporis decoramenta currentis aeui 
profectu defectuque labascunt. — Cl. 28, 5 (deus detri- 
menta non sentit augmentaue mm reeipit): adficiuntur autem 
media uel profectu uel defeefu. 



Digitized by Google 



42 



En gel brecht. 



[462] 



Sid. ibid., S. 85, 18 solam tibi acrimoniam Quintiliani pom- 
pamque Palladii comyarari non ambio. — Cl. 206, 1 
Gracchus ad a c r imon i am . . Fronto ad pompa m tibi 
usui »int. 

Sid. VI, 11, S. 101, 2 ipse rectius praesentanea cor am nar- 
ratione patefaciet. — Cl. 135, 13 (Eucherium) praesen- 
taneis coram disputationibus cognüum. 

Sid. VII, 4, S. 107, 14 uiderit, qua conscientiae dote turgescat, 
qui se ambientibus rigidum reddü: ego tarnen morum illius 
aemulator esse praeelegerim. — Cl. 137, 16 faxint tarnen 
isti quod foret libitum: ego uero praeelegerim ab istis 
cum Eucherio reici. 

Sid. VII, 13, S. 119, 19 eum magis occupat medulla sensuum 
quam spuma uerborum. — Cl. 123, 5 in inperitas aures 
uerborum puerilium spuma 8 exspuunt. 

Sid. VII, 14, S. 120, 20 si kumana substantia rectius mole 
quam mente censenda est. — Cl. 107, 17 formicae et 
cameli animas utrumnam prouidentia an mole censeresf 

Sid. II, 8, S. 30, V. 12. VIII, 1, S. 126, 4. 14, S. 145, 25. 
IX, 13, S. 162, 26 hinc est quod, ebenso Cl. 25, 23. 
45, 4, 18. 70, 17. 82, 24. 112, 2. Auch Venant. Fort, 
hat es fünfmal (s. Leo's Index), Alcim. Avit. earm. II, 303 
und Ennodius 487, 3. Zahlreiche Stellen für inde est quod 
bietet Paucker (suppl. lex. lat. 374) aus Seneca, Plinius 
Secundus u. A. Auch Augustin hat hinc est quod z. B. 
de quant. animae XVI, 27, ebenso Salvian z. B. gub. dei 
VI, 54 (von Pauly leider nicht beobachtet). 

Sid. VIII, 7, S. 133, 23 trutina iudicii, ebenso Cl. 146, 5 
(vergleiche bei Ennodius das so häufige lanx iudicii 28, 8. 
34, 1. 75, 16 und libra iudicii 359, 9). 

Sid. VIII, 13, S. 145, 13 nisi faceret ad Christum de circum- 
cisione transfugium. — Cl. 189, 14 non pigeat a trans- 
f ugio refugium facere. 

Sid. IX, 9, S. 159, 5 cuius ita dictis uita factisque dupliciter 
inclaruit; vgl. VII, 2, S. 105, 16 sancti Eustachii actutum 
dicto facto que gemina benedictio. — Cl. 122, 8 quo 
(saeculo) dictis factisque caelitus editis eotenus religio 
conclamata est. 



Digitized by Google 



[463] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudimius Mamertus. 



4a 



Zu den Worten Claudians 22, 2 inludent inperitos, quae 
maxima turba est merkte ich an: uerba quae maxima turba 
est hexametri clausula esse uidentur. Diese Verniuthung be- 
stätigt sieh, indem die Worte aus Sidon. carm. V, 515 

coeperat ad rupis medium, quae maxima turba est 
entlehnt sind, wenn nicht vielleicht ftlr beide eine andere ge- 
meinsame Quelle anzunehmen ist. Claudian konnte sie aus 
dem Panegyricus des Sidonius entlehnen, da dieser bereits 458 
verfasst war (vgl. Sirmond's Note zu carm. IV). 

Ein interessantes Beispiel, wie durch eine Vergleich ung 
der Sprache des Sidonius mit der Claudians manche bisher 
nicht genügend erkannte oder beachtete Eigenthümlichkeit ins 
rechte Licht gesetzt werden kann, liefert Claud. 146, 20 si 
distant magis quam differant tnter primum secundumque caelum, 
quaero quid rei sit verglichen mit Sid. cp. III, 7, S. 45, 15 
quia } etsi barbarm in hiberna concedat, möge differunt quam 
relinquunt semel radicatam corda formidinem; so edirte Lüt- 
johann, dessen adnotatio critica also lautet: relinquunt scripsi, 
relinquant LMC, reliquant P, rdinquent F (in T fehlt der ganze 
Brief). Wer wird aber zweifeln, dass das handschriftlich best- 
beglaubigte relinquant zu ediren ist, da doch auch Claudian 
in ganz derselben Weise nach magis quam das verglichene 
Verbum in den Conjunctiv setzte? 

Ein weiteres Beispiel ähnlicher Art mag hier seinen Platz 
rinden. Bei Claud. 20, 16 liest man: quoniam, si in his secus 
aliquid, ego conscriptionis periditabor , sed tu editionis. Alle 
Handschriften haben hier sed, was jedoch die früheren Heraus- 
geber wegliessen. Bei Sidon. ep. 1, 11, S. 20, 12 heisst es: 
etenim sufficere debere, quod satirae obiectio famam mihi parasset, 
[sed/ sibi infamiam. So liest man in Lütjohanns Ausgabe mit 
der Anmerkung: ,sed uulgo secl.' Also auch hier haben alle 
Handschriften das sed bewahrt; wird man nunmehr, wo die 
analoge Claudianstelle bekannt ist, wagen, dem sed hier seine 
Berechtigung abzusprechen? Auch bei Ennodius linden sich Bei- 
spiele eines merkwürdigen Gebrauches von sed (s. Hartel's Index). 

Als Gegensatz zu homo gebraucht Claudian stets beltta, 
so 49, 8 qui sensus homini beluaeque communis est (auch 
68, 19. 71, 15. 173, 12); desgleichen Sid. IV, 17, S. 68, 14 
quanto anteceüunt beluis homines. 



Digitized by Google 



44 



En Reib recht. 



|4B41 



Bemerkenswerth ist ferner, dass Claudian und Sidonius 
Sallust stets nur unter dem Namen Crispus citiren, so Cl. 130, 
12 und 206, 2 (nach unserer noth wendigen Verbesserung für 
das handschriftliche Chrisippus) und Sid. ep. V, 3, S. 79, 26 
(ut Crispus uester afßrmat), carm. II, 190 (qua Crispus brevitate 
placet), carra. XXIII, 157 (et te qui breuitate, Crispe, polles). 
Aehnlich nennen beide Vergil gewöhnlich Maro, vgl. Sid. ep. IV, 
11 ut est illud Maronianum (ebenso V, 5. u. ö.) und Cl. 108, 4 
hinc etiam tibi Maronianum illud obicerem. Ferner erwähnen 
beide die Aristotelicae categoriae (Cl. 69, 4 und Sid. ep. IV, 
1, S. 53, 3). Schon Teuffei hat bemerkt (§. 466, 16), dass 
Sidonius in den Briefen die Anhäufung von Autorennamen der 
alten Zeit liebt (vgl. ep. IV, 3, S. 54, 23. VIII, 11, S. 141, 18; 
übrigens auch z. B. in dem Panegyricus carm. II, 182 ff.): 
auch hierin gleicht er Claudian (vgl. dessen Brief an Sapau- 
dus, S. 205, 30 ff.). 

B. ' 

Von einzelnen charakteristischen Worten, die sich bei 
Claudian und Sidonius gemeinschaftlich vorfinden, sind folgende 
zu nennen (wenn nichts anderes angegeben ist, findet sich das 
betreffende Wort, beziehungsweise die betreffende Bedeutung, 
nur bei diesen beiden Autoren): 

acescere in übertragener Bedeutung gebraucht Cl. 22, 6 
acescentis Semper liuoris intentio und ähnlich das Stamm 
verbum Sid. VII, 6 (109, 25) pecton suo catholici mentio 
nominis acet. Das Inchoativum in eigentlicher Bedeutung 
gebraucht Sid. carm. V, 341 (ganeaque perenni) pressus 
acescentem stomachus non explkat auram, ep. III, 13, S. 50, 
15 alartim specubus hircosis atque acesce?itibus. 

aequiternu8 nur Cl. 112, 12 quae tria timid aequiterna Sem- 
per indiuidua ubique et ubicumque tota unus dem sunt; 
122, 19 unam summam aequitemam indiuisam diuinitatem 
und Sid. VIII, 13, S. 145, 14 praeuidens sese per aeterna 
saecula aequiterna supplicia passurum. Ich kann übrigens 
hier die Vermuthung nicht unterdrücken, dass schon Apul. 
de deo Soor. 3, S. 7, 14 dieses Wort gebrauchte : quos 
deos Plato existimat naturas [incoiporales] animales neque 
fine ullo neque exordio, sed prorsus ac retro aeuitemas. Es 



Digitized by Google 



[465] 



Untvisuchungeu über die Sprache des Claudianuh Mamertus 



45 



kann nicht geleugnet werden, dass aequiternas der be- 
zeichnendere Ausdruck wäre (= vor- und rückwärts 
gleich ewig). Uebrigens habe ich das Citat nicht nach 
Goldbacher's Reccnsion angeführt, sondern nach der hier 
entschieden richtigeren Text bietenden Lütjohann's (Apulei 
de deo Socratis liber ed. Chr. Lütjohann, Programm des 
Gymnasiums in Greifswald 1878). 

ampliuscule nur Cl. 188, 9 illud ampliuscule sennocinati 
sumus und Sid. VIII, 16, S. 148, 6 si aliquid inmper a. 
ßcribi depoposcisset. Dagegen ist das dazugehörige Ad- 
jectiv &rcr| eiorjuivov bei Apuleius de mag. 75, S. 86, 1 
homo miser ampliuscula fortuna deuolutus. 

authentici subst. = auetores scripturae sacrae im Allgemeinen 
oder die Aposteln (Evangelisten) im Besonderen fehlt bei 
Georges; es steht Cl. 138, 4 sicut a philosophis ad tractatores, 
sie a tractatoribus ad authenticos gradum consequa ratione 
faciamus (Cl. bediente sich zur Beweisführung nacheinander 
Stellen aus heidnischen Philosophen, aus christlichen 
Kirchenlehrern [tractatores] und endlich aus der heiligen 
Schrift, besonders aus dem heiligen Paulus [authentici]; 
ebenso Sid. VII, 9, S. 112, 23 tarn per authenticos quam 
per disputatores. Es geht der Gegensätze wegen nicht 
an, an beiden Stellen zum Adjectiv authenticus etwa Uber 
zu ergänzen, wozu man sonst leicht geneigt wäre (authen- 
tici UbH hat Hieronymus, vgl. auth. uolumina Claud. 143, 
11. 145, 24). 

congruere mit dem Infinitiv Cl. 182, 22 quid itidem congruit 
uel in disputationem uocare reticenda uel reticere proposita 
und Sid. VITT, 11, S. 139, 11 quod eo congruit ante narrari. 

conscius mit einem Adverb (male) verbunden belegt Georges 
nur aus Justin. 2, 5, 7 mulieres male sibi comeiae; Cl. 25, 
13 si bene conscius disputas (= bonam habens conscientiam) . 
Sid. I, 7, S. 10, 19 tamquam sibi bene conscio ipsa quo- 
dammodo elementa famulareutur; VI, 9, S. 100, 3 neque 
quisquam etiam sibi bene conscius plus facere praesumpsit ; 
IX, 3, S. 151, 23 anima male sibi conscia und Ennodius 
carm. IT, 147, 5 concludor sirci bene couteia tegmine busti. 

conscriptio --- ,das Abfassen, die Abfassung' Augustinus, Ar- 
nobius. — Cl. 20, 15 ego conscriptionis pericUtabor, sed tu 



Digitized by Google 



46 



Engelb recht. 



[466] 



editionis, Sid. VIII, 1, S. 126, 16 sicut adhibendam in con- 
scriptione diligentiam, ita tenendam in editione constantiam. 
Sid. VII, 18, S. 124, 15 nil de libelli huiusce conscriptione 
meditari, vgl. IX, 12, S. 162, 20. 

consequus nur Cl. 138, 5 gradum consequa ratione facere und 
Sid. VIT, 14, S. 121, 33 consequa paginae parte reserabitur. 

cor am positus im Sinne von praesens Cl. 83, 2 ut coram po- 
isita non uideat, ut iuxta sonantia non audiat und Sid. III, 
9, S. 46, 9 inter coram positos aequanimüer obiecta discin- 
gitis; V, 7, S. 82, 4 ut idem coram positus audisti, VI, 4, 
S. 97, 16 auctoritas personae, opportunitas praesentiae tuae 
inter coram positos facile ualebit, ebenso VII, 4, S. 107, 10. 
14, S. 122, 13. Positus entspricht hier dem griechischen 
äv oder dem sonst sich nicht selten findenden lateinischen 
constitutus (vgl. Petschenig's Index zum Victor von Vita, 
S. 151) und mag dafür besonders in Gallien gebräuchlich 
gewesen sein, 1 denn auch Alcimus Avitus (s. Peiper's 
Index) und Ennodius haben coram positus und andere 
ähnliche Verbindungen an zahlreichen Stellen (vgl. Har- 
tel's Index, S. 693 s. u. ponere). 

cordax, cordacitus. Eine Neubildung Claudians scheint 
cordax = cordatus zu sein 171, 22 cordax quippe iudex 
rite uictum censet qui pro sui inbeciüitate par uictis est, 
die durch das bei Sid. IV, 6, S. 57, 27 sich findende 
Adverbium cordacitus bestätigt wird : siquidem prudentibus 
cordacitus insitum est uitare foHuita, so LM l T l bei Lüt- 
johann, cordicitus die übrigen Handschriften, wie auch bisher 
gelesen wurde. Dass cordicitus nicht direct von cor, cor- 
dis, sondern von cordax abgeleitet ist, leuchtet ein, da 
von cor nur corditus gebildet werden konnte. Es mag 
übrigens auch cordicitus existirt haben und wurde dies 
vielleicht nach falscher Analogie mit Rücksicht auf radi- 
citus mordicitus (doch siehe über diese Form Bücheler 
in Wölfflin's Archiv I, 105) gebildet. Jedenfalls ist aber 
für Sidonius cordacitus die richtige Form. 

' Vgl. bei Sidonius I, 5, S. 6, ö Rvmae positm; II, 4, S. 28, 3 proeul 
p.; IV, 17, S. 68, 21 in Umginquo p.; VI, 12, S. 101, IC lange p. ; VII, 4, 
S. 107, 16; VII, 7, S. 111, 2; VII, 15, S. 122, 22; VIII, 4, S. 129, 24; 
VIII, 9, S. 136, 17. 



Digitized by Google 



[467] Untersuchungen über die Spracue des Claudiauuts Mamertus. 47 

diastema Cl. 92, 7 piano rum siderum diastemata uel circu- 
lorum uias uel singulorum interualla rimari und Sid. VIII, 
11, S. 142, 5 dementem planeticorum siderum globum in 
diastemata zodiaca prosper ortus erexerat, vgl. praefatio zu 
carm. XIV und carm. XV, 64 ; sonst nur von dem Musik- 
intervalle gebraucht. 

final 18 gleich finitus ,begrenzt' war bisher nur aus der Sprache 
der Juristen bekannt (bei Paucker suppl. lex. lat. S. 286 
werden die verschiedenen Bedeutungen confundirt). — 
Cl. 112, 22 habet certum magnitudinis modum quidquid 
finale est, 113, 1 (mundi moles, quia ex finitis est conpacta 
corporibvs) proeul dubio ipsa finalis est, ebenso 115, 8 
und Sid. VII, 14, S. 120, 21 secundum corpulentiam per 
spatia quamuis porrecta finalem y VIII, 14, S. 145, 25 
sanetorum laus diffusa meritorum stringi spatiis non est 
contenta finalibus. 

foetere in übertragener Bedeutung Plaut. Cas. 599 foetet tuus 
mihi aermo. — Cl. 76, 21 inlocaliter Uli fraglat aequitas, 
foetet iniquitas und Sid. IV, 14, S. 66, 13 aliquid de negle- 
gentia fetet. 

Hydrops in übertragener Bedeutung Cl. 167, 8 qui postquam 
kydrope superbiae tumuü (sc. diabolm) und Sid. IX, 9, 
S. 156, 25 ecquaenam est cuiquam peritiae ceruix tanta 
quiue hydropsl Leo vermuthet auch Venant. Fortun. 
VIII, 3, 330 atque uoluptatis morbida crescit Hydrops (statt 
hydrus, da auch Append. 9, 16 die Handschrift ydros für 
Hydrops bietet). 

insolubilitas: die Bildung des bei Georges als tinat, eiorjUtvov 
aus Sid. IV, 11, S. 62, 16 quaestionum insolubilitas auf- 
geführten Substantivs mag durch das in gleicher über- 
tragener Bedeutung öfter bei Claudian vorkommende Ad- 
jectiv insolubilis (133, 19 i. argumentatio, 155, 5 i. Syllogismus, 
121, 15 insolubilia argumenta; in eigentlicher Bedeutung 
gebraucht 91, 14 i. leges) vorbereitet worden sein. 

iudicialiter Julian bei Augustin, Cassiodor. — Cl. 31, 1 ad- 
ficiens salubriter aliqua, iudicialiter aliqua adfici sinens und 
Sid. V, 15, S. 88, 7 bybliopolam uestrum non gratiose sed 
iudicialiter expertus insinuo, VII, 14, S. 121, 2 qui amicos 
ludificabundi non tarn iudicialiter quam oculariter intuentur. 



Digitized by Google 



48 Engelbrecht. [468] 

labascere s. auch oben S. 455. — Cl. 37, 10. 109, 21. Sid. V, 10, 
S. 85, 11; gleichwohl scheint bei Sidonius labescunt zu 
schreiben sein : praeteruolantia corporis decaramenta curren- 
tis aeui prufectu defectnque labescunt } wo labescere (In- 
choativform von labi) ein Synonym mit praeteruolare und 
currere wäre und bekanntlich liebt Sidonius eine solche 
Häufung von Synonymen. 

longiuscule Augustin. — Cl. 24, 2 longiusctde quam uolui prae- 
fatus sum, Sid. VIII, 11, S. 143, 3 longiuscule me progredi 
amor impulit. 

mediare intransitiv als Particip = /lazwischentretend' ist bei 
Georges nur durch je eine Stelle aus Claudian und Sidonius 
belegt; es steht übrigens Cl. 22, 15 qui utrumque a se odio 
mediante longiiiquant, 150, 19 cui congruum est inter ima 
uel summa tut tamquam mediante substantia uel infra de- 
spicere corpus imum uel supra conspkere deum summum, 172, 
13 patuit eundem nulla mediante substantia aeterno, contueri, 
Sid. IX, 3, S. 151,7 quod inter obstnctas affectu mediante per- 
sonas asperrimum est, weiters bei Alcimus Avitus 101, 2 me- 
diante religione (vgl. 126, 30 P.) und Ven. Fort. XI, 1, 26 ut 
tolleret reconciliator se mediante scandalum, ib. append. 13, 
12 Christus pectora uestra sacer se mediante liget. Dass 
fast stets die Form mediante sich findet, 1 ist mehr als 
blosser Zufall und lässt auf einen fast nur mehr sozu- 
sagen präpositionellen Gebrauch des Wortes schliessen, 
wie absente und praesente, weshalb Ter. eun. 649 absente 
nobis sagen konnte. Aus mediante, das sich im italieni- 
schen ganz intact erhielt, wurde das französische moijen- 
nant. Auffallend ist es mir, dass der nach Claudian 
lebende Gallier Ennodius das Wort gar nie gebraucht 
haben soll, weshalb es naheliegend ist, die bei Härtel 
aufgeführten Stellen für medicante (von medieofrj) auf ihre 
Stichhältigkeit zu prüfen. 141, 14 dum remedia sua quaerit 
affectio et aestum sollicitudims conloquiu cupit medicante re- 
leuari ist die einstimmige handschriftliche Ueberliefcrung 
nicht anzutasten und hat Sirmond mit Unrecht mediante 



' Indes« liest man bei Alcimus Avitus 1:20, HO /i««t* mediavlia verticc 
raiionü. 



Digitized by Google 



[469] 



rntprsnchnnfren flW di« Sprache d*>* CUodianus Mam#rtn« 



49 



edirt, da medicante zu remedia vortrefflich passt. Eben- 
so klar ist auch 324, 19 nec in profundum ductis ulceribus 
ferro medicante succurreret; vielleicht ist auch 97, 16 ut 
guicquid aegrum est medicante oratione curetis (für medica) 
zu schreiben. Dagegen glaube ich 499, 24 mediante her- 
stellen zu sollen; die Stelle lautet im Zusammenhange: 
illa sexum mentis firmitate durauerat, dum in ea muliebris 
inbecüla consilü de uirili ceperant auctoritate mbstantiam. 
iam lapsibus ordinis mi doctrina mediante (Handschriften 
medicante) repugnabat et translata in usus alteros feminarum 
ridäat excessus. Jedenfalls muss man zugeben, dass die 
Stelle mit mediante einen besseren Sinn giebt und Ennodius 
an den übrigen Stellen medicante nur in der eigentlichen 
Bedeutung, die doch für die fragliche Stelle nicht passt, 
gebraucht. Auch Venantius Fortunatus kennt mediante, 
wie wir oben gesehen haben, und gebraucht auch medicante 
VII, 1, 16 antea quo doluit te medicante caret und X, 10, 
12 non ferro artifices sed medicante fide,* was ich aus- 
drücklich deshalb bemerke, weil sich sonst leicht jemand 
versucht fühlen könnte, medicante in übertragener Bedeu- 
tung als fast gleichbedeutend mit mediante anzunehmen 
— eine Auffassung, die durch die strenge Auscinander- 
haltung beider Worte bei Venantius Fortunatus hinlänglich 
widerlegt wird. Als einziges Beispiel fiir die Verwendung 
von mediante bei einem nicht gallischen Schriftsteller ver- 
mag ich August, epist. 98, 5 anzuführen. 

niedioximus = inedius Plautus. — Cl. 183, 3 medioximum 
quiddam naturae incorporeae, sed cretae sortita (anima), Sid. 
IX, 3, S. 152, 11 inter spiritales ragulas uel forenses me- 
dioximum quiddam concionari und Alcim. Avit. 97, 3 P. 

nubigenus in den Lexicis als &Vra| sigijutvov aus Claud. 45, 
17 hunc procellosum aerem et naturaliter nubigenum ange- 
führt, gebraucht auch Sid. carm. V, 237 nec plus nubigenum 
celebrentur iurgia fratrum. 

nuneupatim kann ich nur nachweisen bei Cl. 137, 14 extra- 
hentur etiam nuneupatim ex abditis tenehellarum und Sid. 



i Sedul. carm. IV, 142 nec tibi parua »oIuji dmnino medicant<>, Maria, vutlti- 
plici larjitvi curanif mdnere *m*um. 



Digitized by Google 



50 



Engfflbrpcht. 



[470] 



VII, 9, S. 115, 7 cum nulluni proferam nuncupatim, Sid. 
IX, 16, S. 172, V. 81 quos nuncpia nuncupatim non ualent 
uersu cohibere uerba. 

obl oquium Cassian. — CI. 137, 11 qui uel in magnos uiros 
obloquia uel de rebus summis deliramenta quaedam mussitant 
und Sid. VII, 9, S. 114, 5 in quas me obloquiorum Scylla* 
. . quorundam uos infamare conantum turbo coniecerit. Bei 
Alcimus Avitus findet sich ebenfalls der Plural 80, 13 
(Citat aus Sidonius) und carm. IV, 500. 

peremptorius im juridischen Sinne. — Cl. 154, 10 tamquam 
peremptorie argumentativ (das Adverb auch Alcim. Avit. 
14, 30) und Sid. VIII, 6 cuius (legis) peremptoriis abolita 
rubricis Iis omnis. 

plectibilis Cod. Theodos. — Cl. 22, 16 ph.cHHh uitium, 32, 
20. 140, 17 pl senteniia, Sid. IV, 6, S. 58, 19 pl inuidia, 
IV, 13, S. 65, 19 phctibilia occulta, VI, 1, S. 94, 7 pl 
uita, und das Adverb plectibiliter Alcim. Avit. 30, 25. 

pontifex Bischof, belegt Georges nur durch Sid. carm. XVI, 6, 
wo es von Faustus, dem Bischof von Riez, gesagt ist. Doch 
ebenso gebraucht es Claudian von Eucherius, Bischof von 
Lugdunum 135, 17 magnorum saeculi sid pontißcum longe 
maximus; ausserdem noch Sid. VI, 1, S. 94, 14 von Lupus, 
IV, 11, S. 63, V. 20 und V, 14, S. 87, 24 von Mamertus, 
dem Bruder Claudians u. ö., ebenso Victor von ,Vita, 
Ennodius u. A. 

potentialit er Augustin. — Cl. 91, 7 adfende (radium) illic, 
tibi localiter non est, potentiaUter circidum ßgurare und 
Sid. VII, 14, S. 121, 30 Philagrium cordis oculo semper 
inspicio, cur me animus potentiaUter nofum morum simili- 
tudine facit; aus diesen beiden Stellen, an denen poten- 
tiaUter im Gegensatze zu localiter gebraucht ist, gebt 
hervor, dass die deutsche Bedeutung bei Georges »kräftig, 
nach Vermögen' unpassend ist. 

p;raeeligere oder praeligere (vgl. praeeminere und praeminere) 
bei Georges als &Vr. eIq. aus Sid. VII, 4, S. 107, 16 ego 
morum illius aemidator esse praeelegerim angeführt, steht 
auch Sid. VIII, 13, S. 145, 10 ßde praeelegit censeri Israe- 
lita quam sanguine und Cl. 138, 1 ego praeelegerim cum 
Eucherio rein,, 136, 13 ut extraneos mallent cum falsitate 



Digitized by Google 



[471] Untersuchungen ftber die Sprache des Claudianus Mamertus. f>l 

praeeligere. Uebrigens findet sich das Wort schon in der 
Itala Psalm. 131, 14 quoniam praeelegi (f]Qeriad(.iip') eam (Vul- 
gata eam; vgl. Rönsch, Itala und Vulgata, S. 210), dann 
bei Cyprian 577, 1 carcerem fide et uirlute praeligitis, von 
Späteren gebraucht es Hilarius in ep. ad Galat. 70, Cas- 
siodorus, Boetius und Hieron. (?) in psalm. 92: praeelegisti 
eas (animas) ante constitutionem mundi (s. Gölzer, Etüde 
de la latinite* de S. Ge>ome, S. 184). 

praepedimentum Plautus. — Cl. 199, 14 und Sid. VH, 8, 
S. 112, 6, s. oben S. 457. 

praesumptiosus von Georges als &Vr. sto. aus Sid. I, 11, 
S. 16, 15 citirt, steht auch Sid. IV, 22, S. 73, 21. Vn, 4, 
S. 107, 11. VII, 6, S. 108, 24 und bei Cl. 35, 3. Dagegen 
wird praesumptuo8us aus Salv. de. gub. dei VII, 33 (ohne 
Variante), den Scholien zu Horaz und aus Fulgentius citirt, 
und auch Sid. I, 1, S. 1, 6 ist diese Form besser be- 
glaubigt. 

priuilegium caritatis Sid. IV, 18, S. 69, 17, gratiarum VII, 9, 
S. 115, 1, numeri supradicti IX, 1, S. 149, 3, pr. innocentiae 
et laudü Cl. 32, 20, pr. scientiae 123, 4. 139, 8, pr. in- 
localitatw 161, 22. Aehnliche Verbindungen finden sich 
bei Salvian und besonders Alcimus Avitus, dem Nach- 
ahmer des Sidonius. 

propalare Commodian, Augustin, Orosius. — Cl. 26, 1 quod 
ista pagina propalatur eiusdemque auctor occidtatur, Sid. 
IV, 3, S. 54, 26 uolumen, quod tute super statu animae 
propalauisti, Sid. VIII, 1, S. 126, 9 yropter tarn propalati 
augmenta tLoluminis, Sid. IX, 11, S. 161, 8 animus quae 
propalare dissimulat excolere detrectat ; Salvian de gub. dei 
VII, 78 hat propalata scelera. 

prosecutio in der Bedeutung , Schilderung, Ausführung, Aus- 
einandersetzung* (vgl. das Verbum prosequi) fehlt bei 
Georges. Dieselbe ist zu statuiren bei Cl. 167, 16 necessarium 
erit, ut tute cedas tibi et partem prosecutionurn. tuarum parte 
subplodas, Sid. VIII, 6, S. 131, 17 hanc (legem) primus 
quem loquimur orator indidit prosecutionibus edidit tribuna- 
libus, prodidit partibus addidit titulis und Ennod. 554, 1 
prosecutionem meam, quam uere rusticam. in Aratoris con- 
mendatione contexui, felici tantum dicunt aliqui personae 



Digitized by Google 



52 



Enst>l1>rocli t. 



blanditam. Die Claudi an stelle citirt wohl Georges, jedoch 
für die Bedeutung Fortsetzung', die es unmöglich hier 
haben kann. 

puerascere steht in der Bedeutung ,sich verjüngen' Auson. idyll. 

4, 55 (XIII, 2, 55, S. 38 Schenkl): obductosque seni fade» 
puerascere (= repuerascere) sensus. Dieselbe Bedeutung 
will Georges für Claud. Mam. 21, 11 tenellis adhuc in- 
fantiae quondam mae persuasionibus in senectute puerasciint 
(puerescunt ABDFHMRS) in Anspruch nehmen. Hier 
ist aber puerascere im verächtlichen Sinne gebraucht : sie 
werden im Alter zum Kinde, oder wohl noch richtiger 
mit Aufgebung der Inchoativbedeutung: sie bleiben im 
Alter noch Kinder. Ebenso sagt Sid. VI, 1, S. 94, 15 
cum in grauitatis uestrae comparationem ipsa etiam grand- 
aeuorum corda puerascant (puerescant M l P), auch die 
Herzen bejahrter Männer sind jung (kindisch) im Ver- 
gleich mit deiner Würde und Erhabenheit (diese Stelle 
vermisst man bei Sittl, de linguae latinae uerbis incohativis 
in Wölfflin's Archiv I, 495). Dagegen steht repuerascere 
in gewöhnlicher Bedeutung bei Sid. IV, 13, S. 65, 7 
von iuuenescit solum, sed quoäammodo repueraseif. 

reponderare nur bei Cl. 189, S tibi pro fahitate ueritatem 
haud pari uicissitudine reponderaui und Sid. I, 4, S. 6, 2 
reminiscaris utile me tibi studii huiusce uicijssitudinem re- 
ponderare (Salvian ad cecl. III, 20 sagt uicissiUidinem re- 
pensare), V, 1, S. 78, 4 tibi gloria reponderatur, IX, 11, 

5. 161, 16 professio non praeter aequum reponderatur. 

uenula in der Bedeutung ,Quelladcr' nur bei Cl. 19, 2 quae 
etsi angmt-i» emanantia uenulis in magno* tarnen amnes 
exuberabunt und Sid. IV, 3, S. 56, 16 delicti huius mihi 
gratiam facias, quod aliquantisper mei meminens arentem 
uenulam flumini tuo iniseeo. 

Schliesslich erwähnen wir, dass folgende für Claudian be- 
reits oben als der Komikersprache oder Apuleius entnommen 
nachgewiesenen Worte sich auch bei Sidonius finden : autumare 
Sid. carm. XV, 88. — deliramentum Sid. I, 1, S. 2, 6. — 
exhinc Sid. IX, 16, S. 172, 59. — fringultire Sid. VII, 9, 
S. 113, 8 pi'&tbyterorum mne paucis angulatim fringultientibus. 



Digitized by Google 



[473] Untersuchungen über die Sprache des l'laudianus Mamertus. 53 



— inpraesmtiarum Sid. II, 3, S. 27, 6. III, 6, S. 44, 5. V, 9, S. 84, 1 1 . 

VII, 9, S. 1 15, 14. VIII, 9, 8. 135, IG. IX, 9, S. 157, 8. — medullitus 

VIII, 7, S. 134, 5 medidlitus aestuare. — mussitare I, 3, S. 5, 3. 
VII, 9, S. 113, 8. VIII, 12, S. 144, 14. IX, 16, S. 171, 9. — 
plusculum Adverb. Sid. III, 3, S. 42, 28. VII, 17, S. 124, 6. 

— proquiritare Sid. VIII, 6, S. 131, 15. — terriculamentum 
Sid. VII, 1, S. 103, 14. Ebenso erwäbnt Sidonius die Brah- 
nianen VIII, 3, S. 128, 13 si ad Aethiopum gymnosopkistas 
Indorumque braemanas peregrinere. Da hier L P braemanas (so 
Lütjohann), die übrigen Handschriften bragmanas haben, so . 
scheint mir die Schreibung mit g die von Sidonius herrührende 
zu sein, da auch in allen Handschriften Claudians 130, 10 
bragmanum und 204, 13 bragmanos überliefert ist, welche Formen 
ich hätte in den Text aufnehmen sollen. Ebenso schrieb ja 
auch Claudian 191, 5 dragmam für drackmam. 



Wir haben bisher Claudians Werke nur von der formellen 
Seite betrachtet: anhangsweise soll nunmehr auch über die 
Quellen, aus denen Claudian seinen Stoff schöpfte, kurz 
gehandelt werden. 

Von den Kirchenschriftstellern, die über das Wesen der 
Seele specielle Schriften hinterlassen haben, ist vorerst Tertul- 
lian (über de anima bei Migne II, 641) zu nennen, weiters 
Lactantius (de immortalitate animae, Migne VI, 761), Ambrosius 
(liber de Isaac et anima, Migne XIV, 501), besonders aber 
Augustinus , der sogar in mehreren Schriften dasselbe Thema 
erörterte: de immortalitate animae (Migne XXXII, 1021), de 
quantitate animae (ib. 1035), liber de spiritu et anima (ib. XL, 
779), de anima et eius origine libri IV (ib. XLIV, 475). Schon 
Ebert (Geschichte der christlich-lateinischen Literatur, S. 452) 
urtheilt richtig, wenn er, freilich ohne weitere Beweise vor- 
zubringen, schreibt: ,Die lebhaft vordringende Darstellung (bei 
Claudian) erinnert an die der Dialoge seines Meisters Augustin. 
Denn dass dieser zunächst sein Lehrer und Vorbild war, lässt 
sich nimmer verkennen/ 

Besonders die Schrift Augustins de quantitate animae 
ist es nun, deren Benützung durch Claudia« sich leicht erkennen 
lässt. Wir wollen im Folgenden einige der bezeichnendsten 

5 



Digitized by Google 



r>4 



Kngolb rech t. 



Stellen aus Augustins Buche ausheben und durch Gegenüber- 
stellung des darauf bezüglichen Claudiantextos das gegenseitige 
Verhältniss klarlegen. Bei Auswahl derselben haben wir be- 
sonders die wörtliche Nachahmung im Auge gehabt, die sich 
natürlich nicht so weit geltend macht als die stoffliche. 



Augustinus de quantitate animae, 
Migne XXXII, 8. 1035 - 1080. 

1038, §. 6. prius abs te quaero, 
utintm corpus vllum putes 
esse quod non pro modo suo 
habeat aliquam longitudinem 
et latitudinem et altitudinem? 

1041, §. 10. nihil possum tale 
(sc. longitudinem quae adkuc 
nullam latitudinem assum- 
pserit) cogitare: sienimfilum 
araneae in animo constituero, 
quo nihil exilius solemus 
uidere, occurrü mihi etiam 
in eo tarnen et longitudo per 
se et latitudo et altitudo. 
hanc igitur longitudinem me- 
ram et simplicem lineam uoce- 
mu8. 

ib., §. 12. aliud est enim cum 
auetoritati credimus , aliud 
cum rationi. 

1045, §. 17. (longitudo) per 
longum diuisionem non ad- 
mittit : est ergo latitudine 
praestantior. 

1046, §. 19. ab ipso (puncto) 
ineipit linea, ipso terminatur 
. . . deinde undecumque secari 
linea potest, per ipsum seca- 



Claudianus de statu animae. 

88, 11. quod omne corpus lon- 
gitudine longum sit . . neque 
possit sie esse longum, ut non 
latum simul altumque sit. 

88, 13. quocirca sicut aiunt 
etiamsi araneae filum cogi- 
taueris, quia utique corpus 
est, non solum longitudinem 
cogitasti, habet enim pro modo 
stio indissociabilem longitu- 
dinis suae latitudinem afque 
altitudinem. 

89, 4. haec ergo de qua loqui 
institueram longitudo cum 
fuerit puncto inchoata puneto- 
que finita . . linea dicitur. 

89, 2. sed non ideirco tardiori- 
bus desperandum est, modo 
ut auetoritati cedamus, qui 
rationem forte non capimus. 

90, 7. punctum principaliter est 
origo lineae, ab ipso ineipitur 
ipsoque finitur, cum punctum 
nec oriri a quoquam pateat 
nec finiri . . . ista ergo linea 
quae transuersim secari potest, 
scindi per longum non potest, 
quia utique, si scinditur, habet 



Digitized by Google 



[475] 



Untersuchungen über die Sprache des Clandianus Mamertus. 



55 



tur, cum ipsum omnino nul- 
lam in se admittat sectionem. 



1065, §. 52. sed nunc fito quam 
praesentissimua ad isla, quae 
volo. 

1074, §.71. intendit se anima 
in tactum et eo calida frigida, 
aspera lenia, dura mollia, 
leuia grauia sentit atque dis- 
cemit. deinde innumerabiles 
dijferentias saporum odorum 
sonorum formarum gustando 
olfaciendo audiendo uidendo- 
que diiudicat. 



latitttdmem, cum secanda est, 
puncto caeditur, cum punctum 
scilicet non caedatur. perfectior 
ergo longitudo latitudine. 

174, 13. nunc igitur adesto 
totus et quam potis es prae- 
sens fito. 

43, 11. tactu calentia frigentia- 
que discernimus u. s. w. bis 
44, 3. 

68, 8. per minimam partem cor- 
poris, quod. est uisus, tota 
(anima) simul accipit formas 
. ... et per gustandi sensum 
tota diiudicat saporum diffe- 
rentias et calida uel frigida 
summo tantum digiti tota 
discernit. 



Aus der zuletzt angeführten Augustinstelle geht auch 
hervor, dass Claudian 46, 14 aut ad sentienda aspera uel lenia 
gnttatui permittit aliquid tactus, und nicht wie G hat leuia ge- 
schrieben haben wird (vgl. auch 68, 4 tota tangit lenia quae- 
que et aspera). 

Endlich kann Augustins Tractat auf einen bei Claudian 
vorkommenden, sonst fast unverständlichen Ausdruck einiges 
Licht werfen. Man liest nämlich Cl. 91, 15: tu mihi nunc 
dicas uelim, si ista localiter conspicit anima, quid causae est, ut 
mihi aliquid rotundum, trigonum uel tetragonum in occidente de 
corporibus formare molienti eadem sine tumore uel motu ratio 
rotundi uel quadri non desit, cum eodem temporis puncto secundum 
eandem rotundi et quadrati legem in Oriente alius paria de cor- 
poribus ualeat fabricare? Wie ist hier sine tumore zu erklären? 
Man wäre fast versucht, eher an sine rumore zu denken, wenn 
nicht eine Stelle bei Augustin de quantitate animae (S. 1049) 
die tiberlieferte Lesart zugleich schützte und erklärte: (naturae) 
quae ut ita dicam sine tumoribus esse intelleguntur. titmor enim 
non absurde appellatur corporis magnitudo , quae si 
magnipendenda esset, plus nobis profecto elephanti saperent. 

5* 



Digitized by Google 



56 



Engelbrecht. 



[476] 



Diese hier aufgestellte Bedeutung für Claudian an obiger Stelle 
verwerthet, stellt Alles vollkommen klar: sine tumore gleich 
sine corporis magnitudine oder kurzweg sine corpore steht für 
das sonst gebräuchlichere Adverb incorporaliter , sowie sine 
motu (sc. locali, vgl. 64, 14: tres esse motus stabilem inlocalem 
localemque tarn notum est . . inlocalis [motus] animae [est/) 
dasselbe bezeichnen soll, was sonst durch inlocaliter ausgedrückt 
wird. Dass diese unsere Auseinandersetzung richtig ist, geht 
bis zur Evidenz aus einer anderen, der obigen ganz analogen 
Stelle Claudians hervor, wo es heisst (92, 20): cum trigonam 
uel tribus punctis ac tribus lineis uel rotundam puncto uel linea 
conformari incorporaliter atque inlocaliter (das obige sine 
tumore uel motu) uideris. Aehnlich gebraucht Claudian das 
Adjectiv tumidus 89, 20: cuius (sc. mundi) utique tumidae 
localesque formae istarum inlocalium incorporaliumque 
sunt imago formarum, wo tumidae das incorporalium zum deut 
liehen Gegensatze hat. 

Aus diesen Beispielen dürfte zur Genüge erkenntlich 
sein, dass Augustin nicht nur allein auf den Inhalt des Werkes 
Claudians, sondern auch auf die Form desselben von merk- 
barem Einflüsse war. Es wäre übrigens lohnend, die sprach- 
liche Einwirkung Augustins auf Claudian des Näheren zu unter- 
suchen. 1 

Claudian seinerseits wurde wieder von Cassiodorius (de ani- 
raa, Migne LXX, 1279) benutzt, vgl. Ebert a. a. 0., S. 487—490. 

Auffallend ist, dass Claudian die Werke des doch nur 
um wenige Decennien älteren berühmten Kirchenschriftstellers 
Cassianus in Massilia so wenig kennt, dass er von einem 
langen, im Briefe des Faustus citirten Stücke aus Cassians 
Collationes (VII, 13), das Faustus mit den Worten: legimus 
in quo dam reeeptissimo patrum tractatu einleitet, die Worte 
gebraucht (47, 21): testimonium nescio cuius auctoris. Vielleicht 
ist übrigens diese Ignoranz nur eine fingirte, indem Claudian 
vielleicht absichtlich von dem , Anfänger der semipelagianischen 
Richtung' Faustus gegenüber nichts wissen wollte. 



So findet sich beispielsweise plnmhei pugionex, welches Claudian 187, 18 
gebraucht , bei Augiistin. c. Julian. Pelag. 1, §. 12, der es seinerseits 
wieder wohl aus der Lecture des Cicero (de fin. 4, 48) haben wird. 



Digitized by Google 



[477] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



57 



II. Specielle EigentbQiulichkeiten der Sprache Claudians. 

A. Claudians &raf e\qr)^ieva. 

Dass Claudianus Mamertus eine hervorragende Stellung 
in der Geschichte der späteren Entwicklung der lateinischen 
Sprache einnimmt, zeigen am besten die zahlreichen Ausdrücke, 
die theils als &Vra£ eiqr^piva^ theils öfters von ihm gebraucht 
nur bei ihm allein sich finden. Die Zahl dieser Ausdrücke 
ist überraschend gross, wenn man den geringen Umfang der 
Schrift Claudians einerseits und das trockene philosophische 
Thema andererseits in Erwägung zieht. Wir lassen nunmehr 
diese Worte in alphabetischer Reihenfolge folgen (das vorge- 
setzte f bedeutet, dass der Ausdruck bei Georges fehlt): 

accessibiliter Cl. 27, 13 quod in deo uirtus est et in nomine 
uirtus est hoc tantum differens, quod illic substantialiter 
hic accessibiliter, 28, 12 eiusmodi bona adfectiones passibilis 
dicit esse creaturae easdemque in deo essentialiter, non ac- 
cessibiliter , 35, 2 quod quibus adficitur creata mbstantia 
substantialiter in deo sint, non accessibiliter. Dass hier 
accessibiliter der Bedeutung nach Adverb zu accidens ist, 
also einem per accidentiam, per accidens gleichkommt (vgl. 
28, 13 accessio = accidentia), geht aus den Gegensätzen 
substantialiter und essentialiter hinlänglich hervor; deshalb 
ist die Bedeutung bei Georges hinzukommend* wohl 
nicht geradezu unpassend, aber nicht ausreichend (vgl. 
auch unten S. 508 und 509). 

f adeotenus Cl. 141, 9 adeotenus non est corpus anima, ut sit 
imago diuina; eine Parallelbildung zu dem von Claudian 
oft gebrauchten itatenus, vgl. unten S. 521. 

aliquispiam Cl. 176, 6 sed en aliquorumpiam qui interimunt 
animas garrientibus nugis lentamur, vgl. unten S. 517. 

alter namentum (= alternatio , ein bei Apuleius nicht selten 
vorkommender Ausdruck) Cl. 169, 25 sine altemamento 
reeiproei aeris et organo pectoris et tibia gutturis . . uerba 
uoeibus effice. 

f antetemporaneusQXAADj 21 uerum illuduuum antetemporaneum 
caelum. 



Digitized by Google 



58 



Engelbrecht. 



f auersim Cl. 89, 12 duabus paribus lineis siue auersim positis 

siue capite contingentibus figura non clauditnr (auersim M, 

aduersim die übrigen Handschriften), 
f circumgarrire Cl. 132, 10 hisce falsiloquiis circumgarrientibus 

istiusmodi fert ille responsum. 
collectim Cl. 185, 6 collectim strictimque et ueluti punctatim 

sub mentis oculum redegi. 
f conflictor Cl. 189, 2 in fine huius libri ueniam petit a suo 

conflictore; oder ist confiictatore zu schreiben, ein Wort, 

welches zwar auch noch nicht nachgewiesen, aber durch 

das bei Tertullian (adv. Marc. 2, 14) sich findende con- 

flictatrix hinlänglich bezeugt ist? 
disparascere Cl. 171, 12 testimonium, quod a nobis disparascei-e 

arbitrabari8, animadueitis nobisaim profectu disputationis 

unescere. 

f hipiam Cl. 142, 3 quamquam nonnullis locorum sicubi conduxit 
hammpiam scripturarum testimoniis usus sim, vgl. unten 
S. 518. 

indiscriminabilis Cl. 140, 14 uti sint et mujotio et sensu et 
uerbo indiscriminabilia (indiscriminalia M). 

indiscussibilis Cl. 148, 6 indiscussibilis audoritas docet. 

f indisiunctim Cl. 55, 4 indisiinictim namque mox adicit. 

ininitiatus Cl. 82,6 operante atqae administrante deo princ'tpali 
potestate et stabili motione atque ininitiato substantiarum 
cardine. 

f inlaboriosus Cl. 187, 21 in auras tela iacere et sine hotte 
pugnare cassa contmtio est et uirium frttstratio , quod ita 
erit inglorium ut inlaboriosum (inlaboriosum CG, labovio- 
sum die übrigen Handschriften und alle Herausgeber, 
welche Lesart wohl auch einen Sinn gäbe, aber meiner 
Ansicht nach einen verkehrten); übrigens ist inlaboriosus 
noch durch die griechisch-lateinische freilich ungeschickte 
Glosse dxauarog' inlaboriosus zu belegen. 

inlocalitas animae Cl. 64, 8. 68, 23. 

•j- inluminabilis Cl. 103, 19 quia sit ille (deus) lumen inlu- 
minans et haec (anima kumana) lumen inluminabile. 

f intercaelestis Cl. 147, 7 cuius elementum replet intercaelestis 
uaeui concauum. 

* 



Digitized by Google 



[479] Untersuchungen über die Sprache de» Claudianus Mamertus. 59 

interpolamentum Cl. 19, 19 sieque adiectis nostris aliquot sine 
alienorum interpolamento finem Uber occepiL 

f itatenus Cl. 140, 13 duoque ista itatenns uniantur, uti 
sint indiscriminabilia, ebenso 143, 15. 171, 3. Dagegen 
149, 14 per hoc itatenus corporeum caelum, quia uidelicet 
kominibus datum est, terra dicitur, 151, 21 excutiamus 
utrum ex incorporeo corporeoue an ex utroque sit itatenus 
nesciatj sieubi cum corpore an sine corpore sit raptus 
ignorat (Uber die Bildung vgl. unten S. 521). 

localitas Cl. 68, 6 mirum uidetur iuxta necessitatem localitatis 
temporum quod anima totum corpus tota uegetat, 159, 13 
non nobis animam Lazari pro quadam abscedendi re- 
deundique hcalitate ueluti quoddam corpus obpones. Es 
ist übrigens sehr zu bezweifeln, ob erst Claudian und 
nur er dieses Wort sowie das obige inlocalitas in die 
Literatur eingeführt hat. 

\ man 8 um Cl. 205, 10 quod . . apicula caelitus deciduum kavstu 
capiens fahrej 'actis manso florigeris infundit filiorumque 
fabricatrix uirginitatis suae feturam alit atque imbuit ubere 
fauorum; die Worte fabrefactis manso florigeris sind etwas 
schwer verständlich, da sowohl, was unter florigeris , als 
was unter manso zu verstehen sei, nicht augenblicklich 
einleuchtet. Das Wahrscheinlichste scheint mir zu sein, 
dass mansum dasselbe wie mansio (= Aufenthaltsort, 
Wohnung, hier also Bienenstock; so auch De Vit im 
Lexikon) bedeutet, florigeris für floribus steht und manso 
Dativ zu infundit ist; quod ist natürlich nicht Pronomen, 
sondern Conjunction (mit dem folgenden ita correspon- 
dirend; sie — quod gebraucht Sidonius in dieser Weise 
häufig, vgl. Paucker, Scrutarium, S. 25 Note). 
meditatiuneula Cl. 30, 7 iuxta propheticae locutionis exemplum 
meditatiuneulas suas autumat debere pensari. Wie sich 
aus dem Wortlaut der Stelle ergibt, ist die bei Georges 
angeführte Bedeutung ,eine kleine Vorbereitung 4 nicht 
passend; aus dem Gegensatze iuxta propheticae locutionis 
exemplum muss für meditatiuneula eine Bedeutung wie 
oratiuncnla (meditata) erschlossen werden. 
nescientia Cl. 157, 6 da nobis ueniam nolentibus discere nn- 
scientianij 180, 18 nec te academicorum seniorum more 



Digitized by Google 



60 



Engelbrecht. 



[480] 



nescientiam tuam scisse und im Plural 52, 5 pro vna quam 
polliceris sdentia multorum nescientias adtulisse. 
f opellum Cl. 24, 15 animaduerto quibusdam circumlocutioni- 
bm id inpendio molientem opelli ipsius auctorem (opelli 
HL RS, oppelli ÄBDEFM, opelle CG). Wie von opera, 
ae das Deminutiv opella (vgl. opervla), so konnte von 
opus, eris ganz gut opellum (vgl. *operulum, wie rex, regis 
— regulus, capnt, capitis — capitulum) gebildet werden. 
Das Wort wurde von Claudian jedenfalls der Abwechs- 
lung halber neben opus (24, 5. 26, 10), opuscuhtm (19, 
6. 24, 10. 154, 6), pagina (24, 18. 26, 1. 188, 5), ckar- 
tula (24, 3) gewählt, welche Ausdrücke sämmtlich zur 
Bezeichnung jenes anonym erschienenen Briefes des 
Faustus, gegen den die Schrift des Claudianus gerichtet 
ist, dienen. 

f obprohare Cl. 32, 15 uide ne forsitan iste sit quem nobis ob- 
probandtim rere alti prolapsus erroris (opprob || andum L' 1 , 
adprobandum G). Dass hier nicht adprobandum gelesen 
werden könne, habe ich bereits in der Einleitung meiner 
Ausgabe S. XLV auseinandergesetzt. Dass obprobandum 
von Claudian herrühre und nicht mit den Herausgebern 
opprohandum. zu schreiben sei, habe ich dort gleichfalls 
angedeutet. Ueber ,r r im Anlaut benachbarter Silben 
im Latein' verdanken wir Bücheler einen sehr lesens- 
werthen Aufsatz (Jahrbuch für Philol, Bd. 105 [1872], 
S. 109 ff.), der gezeigt hat, dass der i?-Laut im Anlaut 
benachbarter Silben stets möglichst gemieden wurde; dass 
aus demselben Grunde aus fragrare schon früh fraglare 
entstanden sei, werden wir bald auseinandersetzen. Uebri- 
gens ist für unsere Stelle gar nicht nothwendig, obpro- 
hare für identisch mit opprobrare zu halten, und scheint 
vielmehr ein Compositum von probare, also obprohare gleich 
improbare zu statuiren zu sein. 

f perceptus Cl. 37, 18 non tarn aliquid sibi perceptu mentis 
cognitum definisse. 

perdagar e Cl. 104, 15 pkilosophorum quoad potvi uolumiuibus 
perdagatis und vielleicht ist auch 191, 11 so zu schreiben: 
non tantum ea quae nunc ex pkilosophorum (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLVI) lectione percepi, uerum 



Digitized by Google 



[481] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



Ol 



etiam quae inde iam pridem per (dagata) memoriae reser- 
uanda mandaui. 

f perincatholicus Cl. 24, 11 non perincatholicam praeferebat 
etsi longe inpari disputatione sententiam (parem caihölicam 
M, per incatholicam rell.). Das Wort, über dessen Richtig- 
keit meines Erachtens kein Zweifel aufkommen kann, ist 
um so kühner gebildet, als selbst incatholicus nur sehr 
selten vorkommt (nach Georges nur substantivirt im Plural 
incatholici bei Cassiod. anim. 12). 

f pessumfacere Cl. 136, 11 qui ab hisce doctrinis degenera- 
uerunt pessumfacientes saluhna sua et alienis semet noxiis 
obnoxiantes. 

■ 

philo80phomena, on Cl. 19, 16 ex dialecticis et nonnuüis, prout 
interfuit usui, philosophommon regulis, 130, 4 quid in 
philosophommon libris contendit (sc. Varro)f Das Wort 
lateinisch zu schreiben berechtigt der O-Laut vor dem 
Suffixe, der an beiden Stellen ohne Variante über- 
liefert ist. 

pondiculum Cl. 112, 17 pondiculi truünae certum est pondus, 
deshalb eine interessante Form, weil sie die Form pondus, 
i, die sonst nur durch den defectiven Ablativ pondo be- 
zeugt war, zur Voraussetzung hat. Zu pondus, eris ist 
pondusculum Deminutivform (bei Columella, Plin., Solin.). 

f postieipare Cl. 74, 20 anima uitam corporis nec antieipat 
nec postieipat; es wäre interessant zu wissen, ob wir diese 
Form blos dem Genius Claudians als Analogiebildung 
zu antieipat verdanken, oder ob das Wort bereits längst 
sich in dem lateinischen Sprachschatze vorfand. Fast 
möchte ich das letztere vermuthen, da der erste Bestand- 
teil des Wortes posti- deutlich auf das archaische poste 
zurückweist (vergleiche antilena in der Glossensammlung 
des Labbaeus und postiUna Plaut. Cas. I, 1, 37). 

praeeminentior der Comparativ nur Cl. 42, 12 praeeminentior 
ceteris sensibus ut'sus. 

prolocutio fünfmal! Cl. 31, 18 in isto comparationum ac pro- 
locutionum gener e , 35, 20 non caret naeuo suspicionis 
bieeps ista prolocutio, 108, 19 non te in hac prolocutione 
sollicitet ambulandi cura, 139, 21 sitne aliquod prolocu- 
tionum harumee discrimen, 162, 15 tantam aduersantium 



Digitized by Google 



) 

62 Engelbiecbt. 1482] 

repugnantiam prolocutionum stupere me fateor. Daneben 
gebraucht Claudian noch dreimal proloquium (33, 16. 
167, 21. 170, 25). 
pronlanare Cl. 173, 15 (uisus animi) in radios porro usque 
promanans. 

f prosternitare Cl. 134, 5 aucioritatis pondere et rationis 
uiribus prosternitare (aliquem), vgl. die Praefatio meiner 
Ausgabe S. XLIIf. Zur Bildung des Wortes vergleiche 
die Reihen defendere — defensare — defensitare, scribere 
— scriptare — scriptitare , ducere — ductare — ductitare, 
currere — cursare — cursitare, ebenso prosternere — *pro- 
sternare (vgl. consternare) neben prostrare — prosternitare. 

punctatim Cl. 185, 6 collectim strictimque et ueluti punctatim 
sub mentis oculum redegi. 

fquadrigonus Cl. 195, 11 numquam erit, ut figura circuli ex 
duabus aut tribus lineis fiat aut quadrigona ex tribus aut 
trigona ex quattuor. Nicht richtig fuhrt Georges, dem 
ich im Index meiner Ausgabe gefolgt bin, diese Stelle 
unter quadrigona, ae an, denn offenbar ist figura mit 
quadrigona als Adjectiv zu verbinden; für das Adjectiv 
tvigonus, a, um bringt Georges selbst mehrere Belegstellen 
bei. Dagegen ist trigona Substantiv bei Cl. 92, 20. 

re8piraculum Cl. 144, 3 redactis puululum respiraculo pausae 
uiribus, wo Georges nicht richtig respiraculum als ,Luft- 
röhre* deutet; auch das einfache Wort spiraculum findet 
sich bei Georges nur in dieser Bedeutung: doch ver- 
gleiche man Goelzer, Etüde lexicographique . . de la 
Iatinite de S t .-Jörome, S. 253: spiraculum peut etre 
considere comme un mot absolument nouveau. II ne doit 
pas etre confondn avec spiraculum signifiant Ouvertüre, 
soupirail. Saint-Jerome V emploie comme Synonyma de spi- 
ratio f spiritus: c. Joann. 21, col. 426 insuffiatum est spi- 
raculum uitae in faciem eius\ Euseb. chron. col. 42 cuneta 
in quibus erat spiraculum uitae 1 . Auch respiraculum an 
unserer Stelle ist synonym mit respiratio. Aehnlich ist 
respiramentum = ,Erholung' bei Augustin. conf. 7, 7 extr., 
obwohl respiramen bei Ovid die Luftröhre bedeutet. 

retrouersim Cl. 45, 10 radii corporum quae inciderint reper- 
cussu retrouersim cedentes. 



Digitized by Google 



[483] Untersuchungen Aber die Sprache des Claudianus Mamertus. 63 

f reue n tilare Cl. 82, 2 istius modi inlusiones in memoria patitur 
anima, ex qua nihil phantasiarum reuentilare ac proferre 
posset, 206, 5 Uli ergo reuentilandi memoriaeque mandandi 
sunt. Das Wort schliesst eigentlich einen Pleonasmus in 
sich, da schon das Simplex uentilare ,etwas hin und her 
besprechen, erörtern* (vgl. Fronto 157, 7 N. unam eandem- 
que sententiam multimodis faciunt, uentilant) bedeutet. 
Freilich steht beim Simplex bei Claudian stets ein ad- 
verbieller Ausdruck, was deutlich beweist, dass für 
Claudian uentilare der Bedeutung nach nur mehr einem 
einfachen disaerere de oliqua re gleichkam: 71, 3 hoc 
ipsum diligentius uentilemus, 144, 13 quaestionem paulo 
8crupulosiu8 uentilemus, 173, 8 trigeminum quaestionis huius, 
quoad strictim possimus } uentilemus obscurum. 

reuergere nach Georges nur bildlich = »gereichen* bei Cl. 199, 6 
ecquo turnet occupatu umquam uspiamue implicabei'e, quin 
illud in aliorum commoda reuergat? Uebrigens steht das 
Wort in seiner gewöhnlichen (eigentlichen) Bedeutung bei 
Jordanes Get. 11 stellae uergentes aut reuergentes. 

reuisio Cl. 198, 6 rmisionis potestas multis modU ac miserU 

perinde cavsis intercluditur. 
f scientialiter Cl. 117, 11 illud in anima numerosum potius 

arbitror, quo eadem scientialiter compos est immer i. Das 

dazu gehörige Adjectiv scientialis ist bis jetzt ebenfalls 

noch nicht nachgewiesen. 
secabilitas Cl. 60, 4 in dei uero ipsa trinitate huius secabili- 

tatis et localitatis partes et spatia esse non dicimus. 
f seminaliter Cl. 77, 23 illa quae ex his confivnt seminaliter 

coeuntibus corporis nomine includi non ambigitur. 

sensualiter Cl. 149, 18 omnium sensualiter uiuentium princi- 
paliter tactus ex terra est. Sehr gesunkenes Sprachgefühl 
beweist Isidor, de nat. rer. 33, wenn er schreibt: pluuiae 
nubium eloquia sunt apostolorum, qui quasi guttatim f id 
est sensualiter ueniunt, wo sensualiter für sensim steht. 

subterluuio Cl. 25, 1 ut in eis solemus locis, quae uel humoris 

adsidui sulrterluuione cedentia sunt. 
8uccinctim Cl. 19, 5 satis habui, quam succinctim atque uti 

digito denotare uitanda. 



Digitized by Google 



64 Engelbrecht. [484] 

suggillatiuncula Cl. 137, 3 cernas hic alium . . inier ructan- 
dum quasdam suggillatiunculas fringultientem ab alio . . 
laudari. 

tenebellae Cl. 137, 14 extrahentur etiam nuncupatim ex abditis 
tenebellarum qui hactenus delituere. Betreffs der Bildung 
tenebellae aus tenebrae vergleiche die Glossen furfuraculum' 
terebellum und furfuraculum' t er ebra bei Löwe in 
Wölfflin's Archiv I, 27. Das r musste natürlich, als in der 
Deminutivendung enthalten, schwinden, vgl. libra — libella, 
flagrum — flagettum, Castrum — castelhtm u. s. w. 

transmundanu8 Cl. 144, 20 abhinc ignium attheriorum spatia 
usque in extima transmundana. Apuleius hat die Com- 
position ultramundanns de dogm. Plat. I, 11. 

triformitas Cl. 174, 20 nobis dicito quibus modis quoue situ 
triformitas cerebri coeat. 

uigidus Cl. 171, 21 minus in confutationem sui penes consilii 
uigidos habere laboris debent, 181, 5 fallacia penes intel- 
lectu uigidos illud negotii facessiuit. Aus Claud. Mar. 
Victor's Corament. in Gen. I, 375 führt De Vit s. u 
uigidus an: porro dum mundi uitiis et labe carebant (sc. 
Adam et Eua) diuinis uigeti animis, nullius egeni, jedoch 
ist hier jedenfalls uegeti näherliegend als uigidi. 

unescere Cl. 171, 13 testimonium, quod a nobis disparascere 
arbitrabaris, animaduertis nobiscum profectu disputationis 
unescere (unascere A), vgl. Sittl, de linguae latinae ucrbis 
incohatiuis in Wölfflin's Archiv I, 485, wo ich aber eine 
Bemerkung über das bei Plin. 17, 161 D. sich findende 
Inchoativ uniscere vermisse: est et luxon'osa ratio uites se- 
rendi, ut quattuor malleoli uehementi uinculo colligentur . . . 
uniscunt hoc modo recisique palmitem emittunt (unescunt D x ). 

Aus dieser Zusammenstellung der Worte, die wir bis 
jetzt nur bei Claudian nachweisen können, lässt sich zugleich 
auch ein Urtheil über die stilistische Geschmacksrichtung Clau- 
dians fällen. Als Nachahmer des Apuleius thcilt nämlich Claudian 
dessen Vorliebe für Substantiv-Neubildungen auf -men 
und -mentum (acumen — acies, altemamentum, interpolamentum 
von Claudian gebildet, daneben noch adiumentum, argumentum, 
augmentum, blandimentum, deliramentum, detrimentum, elementum } 



Digitized by Google 



[485] 



Untersuchungen (iber die Sprache des ('Uudinmis Mamertus. 



65 



figmentum, ßrmamentum, fomentum, incrementum, indumentum, 
inlectavientum, intertrimentum, Ubramen, luctamen, machinamen- 
tum, praedicamentum, praepedimentum, spectamen, stabilimentum, 
supplementitm, temper amentum, terriculamentum, tormentum, uela- 
men), für Substantiva deminutiua (in besonders auffallender 
Weise: meditatiuneula, opellum, pondiculum, 8uggillathincnla, 
tenebeUae sind von Claudian neugebildet, ausserdem finden sich 
noch apicula, auicula, capitulum, ceruicula, chartula, corpu- 
sculum, ßo8Culu8, formicula, granulum, guttula, homunculus, 
igniculus, lectidiut, modulus, opwiculum, pannicultw, partietda, 
puluisculusy ratiuneula, sermunculus, uentriculus, uenula, uermi- 
culu8), endlich für Adverbia auf -im (auersim, collectim, 
indisiunetim, punetatim, retrouersim, succinetim nur bei Claudian 
sich findend, ausserdem directim, gradatim, indefexsim, iuxtim, 
nuneupatim, ordinatim, particulatim, sparsim, speciatim, strictim, 
tramuersim). Mit Vorliebe gebraucht ferner Claudian Inchoativ- 
verba (so disparascere, tmescere neu, und ausserdem acescere, 
aegrescere, brutescere, clarescere, coneupiscere, enitescere, ferue- 
8cere f innotescere, labascere, obdurescere, patescere, pauescere, 
pingue8cere, puerascere, tabescere, tenebrescere, tumescere, uetere- 
scere), sowie Frequentativ- und Intensivverba (prosternitare 
hat Claudian selbst gebildet, ausserdem finden sich bei ihm acti- 
tare, agitare, coniectare, defensitare, dictitare, dissertare, edissei'- 
tare, haesitare, lectitare, obiectare, ostentare, p ro ? Mtr ^ are > scripti- 
tare, uocitare). Am auffallendsten aber ist der ausgedehnte, 
ja masslose Gebrauch von Adjectiven auf -bilis und der 
dazu gehörigen Adverbien (illuminabilis , indiscriminabilis 7 
indiscussibilis sind Neubildungen Claudians, denen sich an- 
reihen: cogitabüis , comprehenstbilis , consptcstbilis , contempla- 
bilis, corruptibilisj credibilis, damnabilis, formabilis, formidabilis, 
inaccessibilis , incogitabilis , incommutabilis , incomprehensihilis, 
inconfaminabüis , indemutabilis , indissociabilis , indissolubilis, 
ineffabilis, infatigabilis, inimitahilis, inmensurabilis, inmutobilis, 
innumerabilis, inpassibilis, inprobabilis, insecabilis, insensibilis, 
inseparabilis, insolubilift, inteUegibüis, intern erabilis, intransmea- 
bilis, inuiolabilis, inuisibilis, laudabilis, mensnrabilis, viirabilin, 
numerabili8, passibilis, penetrabilis, plectibilis, ponderabtlis, possi- 
bilis , lyrobabilw, recordabilis , remissibiUs , sensibilis , stabiUs, 
uenerabilis, ueniabilis, uisibilis, uulnerabilis ; — Adverbia neu: 



Digitized by Google 



GC 



Engelbrocht. 



[486] 



accessibiliter, ausserdem delectabiliter , inconfusibiliter, indisso 
ciabiliter, indissolubiliter , ineffabiliter , inmobiliter , inreprehen- 
sibiliter, intellegibiliter, passibiliter, stabiliter, uisibiliter), sowie 
der Adverbien auf -aliter (scientialiter , seminaliter, sensua- 
liter neu, ausserdem animaliter, carnaliter, corporaliter , essen- 
tialiter, ßguraliter, ineorporaliter , inlocaliter, inmortaliter , in- 
tellectuaüter , indicialiter , naturaliter , poenaliter, potentialiter, 
primordialiter, principaüter, substantialiter, temporaliter). Neu- 
bildungen zusammengesetzter Worte, wie antetemporaneus 
circumgarrire, intercaelestis, perincatholicus, transmundanus, können 
Zeugniss von einer gewissen Virtuosität in der Handhabung der 
Sprache bei Claudian ablegen. 

B. Singulare Bedeutungen oder Construotionen einzelner 

Worte bei Claudian. 

Nicht nur der Neubildungen wegen ist die Sprache Clau- 
dians interessant und lehrreich, sondern vielleicht noch mehr 
wegen der zahlreichen neuen Constructionen und Bedeutungs- 
verschiebungen , die längst bekannte und gebrauchte Worte 
durch Claudian erfuhren. Da in dem Index meiner Ausgabe 
der Raumverhältnisse halber nur in wenigen Fällen auf singu- 
lare Bedeutung des jeweiligen Wortes Bezug habende Notizen 
aufgenommen werden konnten, so habe ich den Vorwurf nicht 
zu furchten, dass ich hier schon anderswo Gesagtes neuerdings 
auftische. Wie bisher nehme ich hiebei die neueste Auflage 
des Handwörterbuches von Georges zum Ausgangspunkte, in- 
dem ich hier nur solche Notizen gebe, die sich in dem treff- 
lichen Werke des hochverdienten Lexikographen nicht finden, 
aber doch einigen Anspruch auf Beachtung erheben zu dürfen 
scheinen. 

abhorrere: abhorret absolut gebraucht mit folgendem Infinitiv 
entsprechend einem absurdum est Cl. 149, 21 non abhorret 
aliquid illic esse terrenum, dagegen Augustin de quantitate 
animae XIV, 24 non abhorret a uero animum carere omni 
corporea magnitudine. 

acescere in übertragener Bedeutung = Uuidum esse Cl. 22, 6 
accedil ad hoc etiam acescentis Semper liuoris intentio ( aci- 
scentis ABCRS^, macescentis A. Schott). 



Digitized by Google 



[487] Untersuchungen über <lio Sprache des Claudianus Mamertus. 67 

acumen für acies Cl. 49, 10 sie tarnen quod nonnullae inratio- 
nales animantes prae hominibus uigent acumine uidendi, 
wohl aus der Vorliebe Claudians fUr Substantive auf -wen 
und -mentum zu erklären. 

accessio = accidentia Cl. 28, 13 quia adfectio accessio est, 
vgl. unten S. 508. 

adniti in übertragener Bedeutung mit dem Dativ verbunden 
Cl. 205, 20 eo copiosius te adniti oportere scientiae, 

adstipulari mit passiver Bedeutung Cl. 135, 9 eatenus diui- 
narum tractatoribus scripturarum fidem adhiberi par est, 
quoad usque eidem tenore ueritatis adstipulantur. Eidem 
kann hier nur Nominativ sein (sc. tractatores) , da als 
Dativ aufgefasst (sc.fidei) es den Sinn des Satzes schädigen 
würde. Dies erkannten bereits Barth und Schott sehr 
wohl und edirten tenori , meines Erachtens mit Unrecht, 
da sich durch Annahme einer passiven Construction die 
Ueberlieferung ganz gut halten lässt. 

agnitio = intellectus Cl. 161, 6 quod eo usque est simplicis con- 
sequentiae, ut agnitio (vorausgeht intellegas necne dubi- 
tauerim) eius non dicam in promptu sit , sed ne uitari 
quidem facile ualeat. 

alter nare Cl. 19, 13 post de animae statu uarium cum aduer- 
sario luctamen alternat. 

ambigere aliquid, hervorgegangen aus der persönlichen Con- 
struction des Verbums im Passivum Cl. 191, 14 minime 
nos habere quorum conlatione de eis, quae ambigimus, firmi 
stabilesque reddamur. 

antieipare mit Acc. = ante aliquid esse Cl. 74, 20 est in 
peeude . . mortalis anima r quae uitam corporis nec antici- 
pat nec postieipat. 

apud inuicem Cl. 98, 25 Semper apud inuicem eritis, quia in 
uno consistitis. Bisher kannte man nur ad inuicem, ab 
inuicem (Georges), aduersns inuicem, post inuicem (Koffmane, 
Geschichte des Kirchenlateins, Breslau 1879 ff. S. 138), 
pro inuicem, sub inuicem und in inuicem (Hand, Tur- 
sellinus III, 449—57). 

arbitrari — iudicare hervorgegangen aus der als Terminus 
technicus der Gerichtssprache bekannten Bedeutung ,als 
Schiedsrichter einen Ausspruch thun' Cl. 139, 5 ex quis 



Digitized by Google 



68 



Kur Hb rech t. 



[488] 



arbitrabere , utrvmnam istud in inpios propketici sermonis 

oraculum an in te sit porrectum (dagegen 52, 1 qui si 

arhitrantium hoc est dubitantium sequitur forte sententiam) . 
arbitrium = , Ansicht, Meinung' CI. 52, 1 beatum uero Hierony- 

mum de spiritibus corporatis quorundam referre dicis arbi- 

trium: qui si arbitrantium, hoc est dulntantium sequitur 

forte sententiam. 
in articulo wahrscheinlich juristischer Terminus, bei Georges 

erst aus dem Codex Justinianeus belegt: Cl. 23, 13 si 

eandem in articulo reposcas. 
astrologica = äffTQoXoyiY.rj Cl. 81, 7. Als Adjectiv ist astro- 

logicus nach Georges Öcrra^ slqri^ivov bei Boet. cons. 2, 

pros. 7 in. 

autem uero (vgl. sed autem bei den Komikern und Vergil) 
gleichkommend einem enim uero Cl. 198, 10 porro autem 
uero quod saepenumero scriptis uestris alii inpertiuntur etc. 
Vgl. uero autem unten S. 504. 

authentici substantivisch = ,die Aposteln', s. oben S. 465. 

camera übertragen Cl. 45, 7 ignicnli quidam indefessim. scin- 
tillantes in cameram capitis quasi in caelum nostri corporis 
subuolant. 

catholica ohne ecclesia findet sich bis zum 5. Jahrhundert nur 
bei afrikanischen Schriftstellern (vgl. Wölfflin's Archiv I, 
153): Cl. 25, 25 sanitas catholicae nostrae non recipit, 
23, 2 catholicae (Genetiv) sanitati opiniones inimicas stulte 
concipiunt. Auffallend und bezeichnend ist es, dass andere 
Gallier, wie Salvian, Alcimus Avitus und Ennodius diese 
afrikanische Ellipse nicht zu kennen scheinen. Das Fehlen 
derselben bei Sidonius ist nicht massgebend, da er zu 
wenig Gelegenheit hatte, den Ausdruck zu verwenden. 

circulus als Adjectiv = ,kreisend, im Kreislaufe befindlich' 
Cl. 92, 7 quid mihi proderit uspiam altitudinem corporei 
caeli quaerere, planorum siderum diastemata uel ciren- 
lorum uias uel singulorum interualla rimari. Hier ist 
deutlich planorum siderum dem cirexdorum (sc. siderum) 
entgegengesetzt, denn wäre circulorum als Substantiv auf- 
zufassen, so wäre das folgende singulorum, zu dem offen- 
bar nur siderum ergänzt werden kann, nicht erklärlich. 
Unter circula sidera können nur die Planeten (also eigent- 



Digitized by Google 



f489] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



lieh ,kreisende Sterne') verstanden werden, unter plana 
sidera nur die Fixsterne, worüber s. u. planus die Rede 
sein wird. 

comp os gebraucht Claudian auch in Verbindung mit einein 
Dativ: 45, 13 auditus insequitur Uli elemento compos, 
qnod Gvaeci uocant aethera , 100, 11 oportuit iyitur hasce 
distantias pro suis qualitatibus sibi compotes sortiri pa- 
tronoSf 181, 1 ut auetori probo causae probitas compos 
sit. Es leuchtet ein, dass compos hier für compar gebraucht 
ist. Weit weniger auffallend würde es sein, wenn nur die 
Form compos so angewendet wäre, die sich doch viel 
weniger von compar lautlich unterscheidet, als jenes com- 
potes von compares. Wir haben demnach anzunehmen, 
dass zu Claudian's Zeit in Gallien das Adjectiv compos in 
allen Endungen in der Bedeutung und Construction von 
compar in Verwendung war. Demgemäss findet sich compar 
bei Claudian nirgends, während compos in seiner gewöhn- 
lichen Bedeutung (mit dem Genetiv verbunden) fünfmal 
vorkommt (94, 11. 117, 11. 129, 9. 130,8. 190, 1). Bei 
Erklärung dieser eigentümlichen Bedeutungverschiebung 
hat man von den Nominativen compos und compar, deren 
Aehnlichkcit ohne Zweifel die Verschmelzung beider 
Worte verursachte, auszugehen. 

concrepare übertragen in der Bedeutung von consentire (con~ 
sonore) Cl. 130, 15 quid orbis uniuersi de animae statu 
nobis concrepare iudicium in his dumtaxat qui merito 
enituere conuincam? Auffallend ist, dass concrepare in 
dieser Bedeutung sich nur hier findet, während discre- 
pare = dissentire doch bekanntlich in ausgedehntestem 
Gebrauche stand. 

coniuere = consentire, conuenire. Ein merkwürdiges Beispiel, 
wie zwei durch ähnlichen Klang an einander erinnernde 
Wortformen auch der Bedeutung nach mit einander ver- 
schmolzen, bietet Claudian in dem Particip. Praes. Act. 
von conuenire und coniuere, conuenientia und coniuentia. 
Wir lesen also 75, 18 Mo enim ut puta sanguinis inpetu 
coniuentium (E^MH und wahrscheinlich T, conuentium 
CG, conuiuentium HLS, conuenientium ABDE* F) elemen- 

torum harmonia turbata, 124, 23 cum uideamus illic ualde 

6 



Digitized by Google 



K n g o 1 b r o c Ii t. 



[490! 



consentanm noatrisque oppido coniuentia (GHLMRST, 
conuentia BF [ , conuiuentin AC, conuenientia DE) pronun- 
tiari, 149, 13 stmtne haec omnia genti mortalium uel coni- 
uentia (ABCGiRLMR, conuencia G\ conuientia FS 1 , 
conuenientia DFS 2 ) usui uel iucunda spect amini? Dagegen 
164, l pars nnaquaeque membrorum qualitati suae conue- 
niens ges&it officium, 104, 9 duo similia eademque conue- 
nientia (Gegensatz Z. 8 dissimilia eademque contraria). 
An säimutlichen Stellen erfordert der Sinn Formen von 
demselben Verbuni, von conumire; und doch geht es nicht 
an, jene drei von coniuere gebildeten Participien zu corri- 
giren, da sie diplomatisch zu gut beglaubigt sind: nur 
die allerschleehtesten Handschriften haben conuenientia y 
während die fehlerhaften Lesarten anderer, wie conuentia, 
conuiuentia nur als Comiptelen aus coniuentia aufgefasst 
werden können. Es ist also an der Thatsache, dass Clau- 
dian coniuentia — conuenientia gebrauchte, unbedingt fest- 
zuhalten und nur nach einer Erklärung dieser auffallenden 
Erscheinung zu suchen. Der ähnliche Klang beider par- 
ticipialen Formen kann unmöglich allein genügt haben, 
um ihre Verwechslung zu motiviren: es müssen jedenfalls 
auch die Bedeutungen beider Wörter sich berührt haben. 
Diess ist auch unschwer zu constatiren. Wenn nämlich con- 
nenicns , übereinkommend , zusammen- , übereintrefFend, 
übereinstimmend, harmonierend' bedeutet, coniuere aber 
,sich zusammen neigen, sich schlicssen, ein Auge zudrücken, 
Nachsicht haben, — üben, durch die Finger sehen , nach- 
sehen' heisst, so mag sich aus der Bedeutung ,mit etwas 
Nachsicht haben , etwas nachsehen' (coniuentia , ae ,die 
Nachsicht' ist bei Georges nur durch spätlateinische 
Autoren, aber durch sie mit zahlreichen Citaten belegt) 
die naheliegende ,zu etwas zustimmen' entwickelt haben, 
also coniuere = consentire — conuenire ; man vergleiche das 
obige ualde conftentanea nostrisque oppido coniuentia. 

Einen passenden Beleg, wie nahe sich die Bedeutung 
von coniuere mit der von consentir* berührt, bietet Sidonius 
ep. IX, 7. S. 155, 19 nitro scrinia tna coniuentibus nobis ac 
subornantibus effractorum mannst arguta populabitur, wo co- 
niuentibus wohl synonym für consentientibus gebraucht ist. 



Digitized by Google 



[491] Unt^rsuchnnfcen Aber <lio Sprach«» <les Clamlianus Mamertus 71 

Interessant ist nun, dass diese von uns für comuere statuirte 
Bedeutung durch verschiedene Glossen ihre vollste Bestäti- 
gung findet ; vergleiche die Mittheilung Loewe's aus dem 
im Cod. Ambros. B 31 sup. saec. IX enthaltenen Glossare 
in der Revue de philologie, Bd. VII (1883) S. 201 coniben- 
tibns • fabentilms, consentientibus und (als Substantiv) coni- 
bentia • conepiratio uel consensio. Bei Du Cange wird für 
comuere = consentire citirt: Vetus inscriptin Massiliae: 
Augustini Augustali* tntor coninente Dunrio fratre eins et 
haerede ponendum curauit und concrepare conibere i. e. con- 
sentire aus Gloss. Ms. Sangerm. n. 501. 

Ich glaube demnach, dass in Zukunft das lateinische 
Lexikon den Artikel coniuens Participial-Adjectiv = , über- 
einstimmend, harmonierend' (Georges hat ja auch den 
eigenen Artikel conueniens neben conuenio) aufzunehmen 
haben wird. Bei Begründung der auch durch die Glossen 
bezeugten Bedeutung von coniuere gleich conuenire darf 
man den Einfluss, den der Gleichklang der Parti- 
cipialformen conuenientia und coniuentia gehabt haben 
muss, um so weniger vergessen, als bisher sich nur in 
diesen Parti cipialformcn jene Bedeutungsberührung nach- 
weisen lässt. 

conscius in Verbindung mit bene, male (— bonam, malam 
Habens conscientiam.) siehe oben 8. 4(35. 

continere Cl. 90, 10 hoc namque continet in figuris punctum, 
quod uuus in numeris (= enndem locum. tenet . . punctum, 
quem nntts in numeris). 

cordax = cordatus s. oben S. 466. 

cnbicularins übertragen Cl. 129, 17 qui eubiculariis dispu- 
tationibus de sublimium indage causarum aliquid sopori- 
ferum in lectulis oscitantes anilium opinionum suspiciones 
edormiunt. Bei Fulgent. myth. I, praef. S. 25 M. 
steht cnbiculariae fores, sonst heisst das Adjectiv eubi- 
cv Iuris. 

dediscere. gleich dem Simplex discere Cl. 204, 2 quod non 
modo ad innouandum quippiam, sed ne ad dediscendum 
qnidem absque te uno dheiplinae nobilis nllus adspirat, 
neglegentiae id humanae adscribemus an naturae? 

6* 



Digitized by Google 



72 



Kugelbrccht. 



[492] 



dispariliter von Georges nur aus Varro belegt: Gl. 75, 4 
quo modo fit ut anima eodem nutu sanum infirmumque 
membrum dispariliter moueat? 

di 8 pudere persönlich construirt Cl. 172, 5 non dispudet auctor 
huius sententiae exemptae animae corporalitatis capessere 
indiciumf Die persönliche Construction des Simplex ist 
bekanntlich nicht gerade selten. 

ea = eo (ea ratione, haue ob rem) s. unten 8. 520. 

edormire prägnant gleich dormiendo proferre Cl. 129, 20 
ueternosas anilium opinionum suspiciones edormiunt. 

emotiv i = demoliri Cl. 87, 9 quoniam non imptndio emolienda 
sunt, quae per se lubascunt. 

enisus (enixus) bei Georges nur in der Bedeutung ,das Ge- 
bären, die Geburt' sich findend, bedeutet ,das Be- 
mühen, die Anstrengung' bei Cl. 180, 22 quis positis 
temere duobua tum utrumque primum, si queat^ alterutrum- 
qtie scilicet, si utrumque nequeat, enisu cuipiam si non 
probabile, certe credibile faciatf In derselben Bedeutung 
steht als Uita$ eiqr^ilvov annims bei Synimachus ep. V, 74. 

euirare gebraucht in übertragener Bedeutung Cl. 205, 30 ora- 
toriam fortitudinem plaudentibus coneimntiis euirant und 
nach ihm die Persiusscholien I, 95 aicut robur carrninis 
Uuitate euiraiämus linguae. 

fncilis in Verbindung mit dem ersten Supinum (auf -um) 
Cl. 70, 10 populus qui hoc ipsum facillimnm factum fore 
deo promittente non credidit (factu ABCDEF 2 ), 131, 4 
facile profecto hoc idem factum mihi esset {facta H 2 LS). 

falsiloquium nach Georges Uic. eiq. bei August, retract. 
prooem. extr. findet sich bei Cl. 132, 10 hisce fahiloquiis 
circumgarrientibus. Ueberhaupt liebt Claudian die Ver- 
bindungen mit -loquium, besonders im Plural, vgl. elo- 
quium, obloquium (der Plural nur bei ihm und Sidonius, 
vgl. oben S. 470). 

fauus in bildlichem Sinne Cl. 205, 15 quos ingenii melle 
repleas eloquentiae conficis fauos (vgl. 205, 18). 

febris bildlich Cl. 167, 9 postquam hydrope superbiae tumuit 
et inuidiae febre tabuit. 

final is = finita s. oben S. 467. 



Digitized by Google 



[4931 



Untersuchungen über die Sprache de» Claudianus Mamertus. 



73 



forma — exemplum Cl. 199, 17 iuxta formam euangelici largi- 
toris quod non das amico esurienti dabis inprobo puhatori. 
Man bemerke die pleonastischc Ausdrucksweise iuxta 
formam, wahrend doch iuxta euangelicum largiforem das- 
selbe besagt hätte. 

fraudare: fraudatm mit dem Genetiv Cl. 19, 3 ego uero et 
fraudatus temporis et occupatus animi satis habui. 

Gabriel wird von Claudian stets als der zweiten Declination 
angehörig behandelt: 162, 6 Gabrielnm, 163, 6. 166, 21 
in Gabrielo, 164, 18 Dat. Gabrielo, so überall nach der 
überwiegenden und besten Ueberlieferung (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLIIII). 

hinc = de hac re s. unten S. 521. 

inaest imatus hat bei Georges nur die aus Juristen belegte 
Bedeutung ,untaxiert, ungeschätzt'; bei Cl. 34, 21 inte- 
merabilis atque inaestimata diuinitas steht es jedoch für 
das sonst gewöhnliche inaestimabilis. 

incolumis = Hanns Cl. 74, 17 quod quia nemo hominum incolumi 
potest ferre iudicio. 

inconfusibiliter zuerst von Claudian gebraucht 59, 24 incon- 
fusibiliter misceri, nach ihm Cassiod. in psalm. 9, 1. 

indefensus unangefochten', also mit inoffen sm gleichbedeutend 
Cl. 127, 18 hinc egonmt testium meorum indefensis hactenus 
mihi te8timonÜ8 utendnm ratus snm ( tndefessis AE 2 M, 
was aber einen verkehrten Sinn gibt). 

inexhaustus übertragen Cl. 22, 9 inexhausto firmatoque odio. 

insinuare sowohl in der Bedeutung als auch in der Con- 
struetion einem appellare gleichkommend Cl. 118, 22 
pondus ergo . . Caritas est patris et filv, quoniam spiritum 
sanetum apostolns proprie insinnans inquit (quoniam M, 
quem die übrigen Handschriften; ist quam [sc. caritaiem 
patris et filii] zu schreiben oder lässt sich vielleicht sogar 
quem als Attraction des Genus an den folgenden Prädicats- 
accusativ spiritum sanetum auffassen?). 

intellegentia Begutachtung* Cl. 191,8 libellorum a me trans- 
missorum editio me fecit cautnm atque solUcitum, ut eorun- 
dem intellegentia m iudicio non committerem meo } sed ad 
potioris peritiam destinarem, 



Digitized by Google 



74 



Engelbrecht. 



[494] 



intemerandus bei Georges Sin. dg. aus Val. Flacc. V, 642 
hat auch CI. 37, 20 non tarn probatae rationi aut inte- 
merandae auctoritati concessit (sonst sagt Claudian inte- 
merabilis 30, 19. 33, 4. 34, 21). 

interserere Cl. 150, 24 nisi inter corpus et deum natura se 
substantiae incorporalis interserat. Zu diesem Verbum 
scheint Claudian das Participiuni intwsitus gezogen zu 
haben, vgl. 140, 24 postque pauluhtm sententiam quoque 
intersita disputatione (== disputationem interserens) subiun- 
git, 169, 1 chaos quod inter sontes innoxiasque animas 
intersitum locitt merita secernit, 143, 15 sana catholicae 
fidei doctrina itatenus intersito gradu (— gradum inter- 
serem) ab imis ad media, a mediis ad summa conscendit, 
147, 8 intercaeiestis uacui concauum, quod a tertio caelo 
alia intersiti aeris profunda discriminant. 

inuisibilitas 01. 44, 14 inuisibilitas incorporei; Georges citirt 
nur Tertull. adu. Prax. 14. 

istinc = de ista re s. unten S. 521. 

iuge bei Georges &rcr£ eioijLUvov aus Prud. mot or£(p. 10, 472 
findet sich bei Cl. 43, 21 iuge namque uideremus, si lu- 
ceret uisus. 

lanx bildlich Cl. 48, 5 omissis omnibus kac taut um lance pen- 
debit (= wird sich in der Alternative befinden), ut . . . 
nunc in aduersarii , tunc in magistri sententiam pedibus 
transeam etc. 

libra bildlich Cl. 189, 13 adhibeto iustitiae libram; neu scheint 
auch Cl. 174, 22 nobis dicito quo situ . . regula lienis 
haereat, stomachi libra pendeat zu sein. 

ligatura übertragen Cl. 175, 1 quae tortuosae botulorum enodi- 
busque Ugaturis explicitae inflexiones ac reflexiones; ähnlich 
schon Ambros. enarr. in psalm. 30, §. 55 von Ringenden 
Ugaturis tantum corporis certare. 

Uppum substantivisch in übertragener Bedeutung Cl. 171, 1 
quia cum Uppo imaginationum corporalium intro inspicere 
nequimus. 

medullitus ,aus dem Innern heraus', wie caelitus ,vom Himmel 
herab' s. oben S. 448. 



Digitized by Google 



[495] 



Untersuchungen über die Sprache de» Claudianns Mamertus. 



75 



metricus Cl. 42, 20 ex quorum (elementorum) metrico pro por- 
ttone conutntu conpactis rate dimensionibus negetante anima 
uiuens corpus efficitur. 

momentarius augenblicklich, plötzlich' Cl. 148, 18 quoniam uices 
et spatia temporum et moras dierum momentaria mundi 
creatio non admittit, vgl. Apul. raet. X, 25 momentarium 
uenenum. 

musice Cl. 73, 10 ex his elementis quattuor, quae moderate mttsi- 
ceque in arboris uitam sibi concinunt ; ebenso musicus 
Cl. 149, 12 quod (sidera) distinctis numerose choris et 
musicis interuallis aetherem pingunt. Bei Georges ist nur 
Plaut, most. 729 (wohl wörtliche Uebertragung von poim- 
yiw$ des griechischen Originals) citirt. 

mussitare in der Bedeutung ,leise vor sich hinmurmcln, mur- 
meln' mit dem Accusativ Cl. 137, 12 qui uel in magnos 
uiros obloquia uel de rebus summis deliramenta quaedam 
mussitant. 

nexuosus bildlich Cl. 120, 21 non ego nunc rationum tramitem 
et nexuosissimas quaestionum minutias reuoluo. In der 
eigentlichen Bedeutung findet es sich erst bei Cassiod. 
var. XI, 40. 

nouitii (diese Orthographie hat der Codex sowohl 205, 27 als 
206, 5) = neoterici Cl. 206, 5 quisquis recentiorum aliquid 
dignum memoria scriptitauit, non et ipse nouitios legit. 

numerosus = numerabilis Cl. 115,4 mensurabilem uero aerem 
et pro nnmero partium mimerosum (numerabilis findet sich 
bei Claudian sehr häufig); dagegen 116, 18 animaduertisti 
haec esse in corporibus signa numeromm, quod scilicet 
numerosa sint corpora, quae sibi secundum praestantissimam 
numeri aequalitatem partium parilitate respondeant, vgl. 116, 
22 sie Widern illud numerosum corpus esse dicamus , quod 
rata dimensione formatum, ut uerbo tenns humanuni, quae 
sunt bina sie habeat ex aduerso posita, ut sibi nec magni- 
tudine nec specie nec loco dissentiant, ut sunt aures et oculi, 
quae item singula, ut nasus et os , medium locum teneant 
atque ut esse pulchra possint concinentiam summa»' aequali- 
tatis imitentur, bedeutet numerosus, wie namentlich aus 
der letzteren Stelle hervorgeht, ,harmonisch, symmetrisch' 
(vgl. 117, 9 numerosa parilitas, 117, 11. 12), ebenso 



Digitized by Google 



76 



Engelb roch t. 



[496] 



numerose Cl. 149, 12 qnod distinctis numerose choris et mnsicis 
interualHs aetherem pingünt wohl obigem musice der Bedeu- 
tung nach gleichkommend und bei Georges in die Rubrik 
.abgemessen' als Terminus teehnicus der Philosophensprachc 
einzuordnen. 

omnigenns kennt Georges nur 1. als Tndeclinabel = omne genus, 
2. als Adjcctiv &Vr. siq. bei Prud. adv. Symm. I, 13 in 
der Bedeutung ,alles hervorbringend', ausserdem als Sub- 
stantiv omnigena, ae, von dem man wohl Cl. 184, 7 omni- 
genum natura uitarwn, aber nicht 47, 4 omnigenum corpus 
herleiten kann. Es wird also für Claudian ein Adjectiv 
omnigenns a, um in der Bedeutung des Substantivs omni- 
gena zu statu iren sein. Ist übrigens hieher nicht auch 
omnigenis formis bei Claud. Gigant. 51 zu rechnen? 

ordinatim = ordinale ,in gehöriger Ordnung' Cl. 71, 5 ab 
extremo uiuentium genere ad rationalem quoque uitam ordi- 
natim gradatimque veniamw. 

pa88ibiliter bei Georges &r. elo. bei Tertull. de anim. 45: 
Cl. 26, 21; Fausti epist. 6, 17. 

penes = secundum Cl. 138, 8 teste utitur ipsa diuina sapientia 
festimonia penes scripturarum. Durch Statuirung derselben 
Bedeutung wird auch folgende Stelle klar 127, 19 quia 
pmes Mos tantum, qui toto sui admodum corpus sunt, de 
hi8ce. ueritatis nadibus dnbitahimus und hiermit erledigt 
sich auch die schwer verständliche Stelle 177, 12 ut tarnen 
istos professionis sitae nexibus teneam, penes (= secundum) 
hominem (der Gegensatz ist secundum deum, vgl. Z. 6 
uerum est, quod anima corporea sit, quoniam animae crealor 
id nouit) ipsis etiam fatentibus incorporeus est humanus 
animu8. 

persuasus, ns in der Bedeutung ,Ueberzeugung< Cl. 189, 15 
sin, quod ego nob'm necfaxis persuasu istuc, utique obstinat io 
est. Die Stelle ist übrigens handschriftlich sehr verderbt 
überliefert; früher vermuthete ich (praef. S. XLTII) persua- 
sus (Particip), indess scheint mir jetzt persuasu den Vor- 
zug zu verdienen, da das Substantiv zu dem offenbar 
gegensätzlichen obstinatio besser passt. 

pinguescere bildlich Cl. 76, 22 inlocaliter HU fraglat aequitas, 
foetet iniquitas, uanitate tabescit, nirtute pmguescit^ 105, 4 



Digitized by Google 



[4 97] Untersuchungen nher die Sprache de* Clnudiamis Mamertus. 77 

nec tume8cat sola uanitate nominum, sed pinguescat multi- 
moda ueritate rationum. 

planus Cl. 92, 6 quid mihi proderit . . planorum siderum diaste- 
mata uel circulorum nias uel singulorum interualla rimari. 
Hier sind die plana sidera den (sidera) circula (vgl. oben 
unter circulus) entgegengesetzt und können darunter nur 
die Fixsterne zu verstehen sein. Es gibt übrigens noch 
eine zweite Möglichkeit die Stelle zu erklären. Wenn 
man die Sidoniusstelle cp. VIII, 11, S. 142, 5 quemeum- 
que dementem planeticorum siderum globnm in diastematn 
zodiaca prosper ortm erexerat vergleicht, so möchte man 
vermuthen, dass auch bei Claudian plan(etic)orum siderum 
zu schreiben sei , wenn man nicht noch lieber an das 
griechische Adjetiv jrhtvog denken und demnach in planus 
a, um ein latinisirtes griechisches Wort erblicken will 
(bei Manetho 4, 3 heissen die Planeten 71 luvet (pt'/y-ij). 
Uebrigens möchte ich mich für die zuerst vorgebrachte 
Deutung aus dem Grunde entscheiden , weil durch ihre 
Annahme das circulorum seine passendste Erklärung findet. 

plectrnm wie das griechische 7ilTf/.iqov als Werkzeug zum 
Schlagen bei Cl. 170, 1 et organo pectoris et tibia gutturis 
et om cauo et Linguae plectro . . nerba uoeibus effice, da 
allerdings die Zunge beim Sprechen die Dienste eines 
TrlfjyiTQOv zu versehen hat; ähnlich Cl. 174, 22 dieito, 
quibus modis . . cordis plectrum ffiriat {cordis ist natürlich 
epexegetischer Genetiv). 

porrigere = dirigere Cl. 139, 7 utrumnam istud in inpios pro- 
pketici sermonis oraeuhtm an in te sit porrectum. 

postponere bekanntlich gewöhnlich nur in der übertragenen 
Bedeutung »hintansetzen' gebraucht, steht in seiner eigent- 
lichen Bedeutung Cl. 140, 13 cumque ex Iiis duobus quod 
ante dictum est inpiorum blasphemia .s/V, quod post- 
positum (sc. est) tua sententia (also postpositum = posteriore 
loco positum [dictum]). 

prae als modales Adverbium s. unten S. 519. 

praecerpere — carpere Cl. 205, 14 doctiora quaeque uelut thyma 
fraglantia et fecundiora neluti qunedam florida praecevpens, 
wenn man nicht auch hier in dem prae des Verbums 
dieselbe Bedeutung, wie in dem modalen Adverbium 



Digitized by Google 



78 



Engel brecht. 



[498] 



prae bei Claudian, statuiren will, wonach also fecundiora 
ßorida praecerpens einem fecundiora ßorida inpHmis car- 
pens (prae ceteris carpens) gleichkäme. 

praefixus in der bisher nicht nachgewiesenen Bedeutung vor- 
her festgestellt* (vgl. das Simplex bei Cicero: ßxum et 
statutum est und 8id. ep. VIII, 6, 8. 131, 25 de cetero 
ßxum apud me stat constitutumque): Cl. 203, 11 repositas 
originalium primordiorum causas et temporaliter fluen- 
tiiim substantiarum praefixos aeuo terminos indage et arte 
conplexi non modo intra mundanum , sed supercaeleste 
etiam introiere secretum; ebenso gebraucht es der späte 
Auetor inc. de Const. Magno ed. Heydenreich (s. unten 
S. 537). 

praelibare ,credenzen' in übertragener Bedeutung Cl. 19, 17 
(Uber) quippiam ex geometricis . . et philosojjhomenon regulis 
modeste ac moderate et quam potuit parciter praelibauit 
(= protulit), dagegen ist 146, 17 iuxta praelibatam tacita 
discussione rationem temarium caelomm immer um dijferen- 
tiamque uideamus das Verb praelibare mit praeeipere 
synonym. 

praesenfaneus in der Bedeutung ,gegenwärtig* bei Georges 
&r . tiq . aus Commodian. instr. I 8, 1 findet sich auch Cl. 
135, 13 haudquaquam tarnen Eucherium praeterierim mihi- 
met viuente doctrina et praesentaneis coram disputationibus 
cognitum, vgl. auch Sidon. VI, 11, 8. 101, 2 praesentanea 
coram narratione patefaciet; ep. VII, 14, 8. 120, 18 per 
quem absentum dumtaxat institutorum tantus colligitur 
affectus, quantus nec praesentanea sedulitate conficitur ; 
VIII, 13, 8. 145, 18 de cetero, quae ipsi fuerit isto causa 
ueniendi, praesentaneo condueibilius idem poterit explicare 
memoratu; VII, 10, 8. 117, 25 praesentaneo potest intimare 
memoratu. 

profectus ,der Fortgang, das Vorschreiten der Rede*, wie pro- 
gressio Cl. 171, 12 animaduertis (testimonium) nobiscum 
profectu disjmtationis unescere. Ein auffälliger Plural des 
Wortes (in seiner gewöhnlichen Bedeutung) findet sich 
Cl. 146, 14 alioquin cedent auiculis homines, atque ad 
aeternitatem non prof ectibus ibit quisque, sed passibus. 



Digitized by Google 



Untersuchungen über die Spruche des ('lau.lianus Mamertus. 79 



pro flu us in übertragener Bedeutung mit dem Genitiv ver- 
bunden Cl. 135, 17 scientiae plenus, eloquii profluus } vgl. 
204, 20 profluenfe eloquio. 

progressiv ,das Fortschreiten, der Lauf der Gestirne' (nicht 
, Wachsthum' !) Cl. 149, 7 uel lunaris globi per incrementa 
ac detrimenta uariatio uel astrorum uagus ratusque cir- 
cuitus uel per magnos orbes congressus siderum et statuta 
progressio. Dunkel bleibt mir der Satz Cl. 72, 13 (ad- 
spice nunc ad conßciendam hanc ipsam arboris uitam om- 
nium elementorum particidatim semina conuenisse) est Uli 
uidelicet terra in crassitudine, aqua in humore, aer in pro- 
gressione, ignis in germine, doch scheint unter progressio 
die Entwicklung des Baumes in die Höhe (also ein modi- 
ticirtes altitudo), sowie unter crassitudo die Entwicklung 
des Baumes in die Breite zu verstehen zu sein. 

prolu d ium bei Georges nur durch Stellen aus Ammian belegt 
Cl. 162, G Gabrielum tibi quasi quoddam linguae prolud ium 
dnligis. An das von den Afrikanern Apuleius und Gcllius 
der Komikersprache entlehnte prolubium, was einem un- 
willkürlich in den Sinn kommt, ist indess wohl doch 
nicht zu denken. 

propter = propterea siehe unten S. 519. 

pruina in übertragener Bedeutung Cl. 51,18 nide quam paruo 
negotio wnitutis calor frigenüum uerborum pruinas liqtie- 
faciat. 

pugnus bildlich Cl. 204, 24 grammaticam uti quandam barbaram 
barbarismi et soloecumii pugno et calce propelU. 

quadrare ,ein Quadrat machen, viereckig machen* Cl. 112, 7 
secundum eandem quadrandi legem, fabricatnus et qua- 
dratam tabulam et forum quadratum. Aehnlieh nur Colum. 
XI, 2, 13 abies atqne populus ad nnguem quadrantur (vier- 
eckig zugehauen). 

qualibet Nom. Sing. Fem. siehe unten S. 517. 

quamlibet = quamuis bei Georges nur aus Minne. Fei. 37, 9 
citirt, ist geradezu eiue sprachliehe Eigentliümlichkeit 
Claudian's, die sich bei ihm vierzehnmal (u. zw. neunmal 
mit dem Conjunctiv , fünfmal in verkürzten Sätzen , die 
Stellen siehe im Index meiner Ausgabe) findet 



Digitized by Google 



Engolbr*cbt, 



quopiam als Fragepronomen gleich quo Cl. 109, 19 qnopiam 
nunc nideamvs eundas, vgl. oben S. 458. 

rate bei Georges Hn. eio. aus Cassiod. bist. eccl. 5, 34 findet 
sich schon bei Cl. 42, 21 ex quorum metrico pro poHione 
conuentu, conpactis rate dimensionibus, wo es jedoch nicht 
,giltig { , wie bei Cassiodor, sondern wohl so viel als pro rata 
parte bedeutet (vgl. das vorausgehende pro portione). 

recolere in der Bedeutung .sich erinnern' hat Paucker, Bei- 
träge zur lateinischen Lexikographie und Wortbildungs- 
lehre (Melanges Greco-Roraains tom. III) S. 667 f. durch 
zahlreiche Beispiele belegt, darunter findet sich aber 
keines, wo recolere mit dem Genetiv verbunden wäre, 
wie bei Cl. 68, 1 anima tota uisorum recolit, 180, 15 si 
hene sciiptorum tuorum recolis; natürlich war die Analogie 
von meminisse und den anderen Verben der Erinnerung 
hiebei beeinflussend. 

redhibere sonst gewöhnlich nur als technischer Ausdruck der 
Kaufmanns- und Juristensprache gebraucht, ist bei den 
Galliern geradewegs synonym für reddere: Salv. ad ec- 
cles. IV, 18 quod ri etiamsi quae debemus redhibere 
cupiamus, tarnen dp, suo r eddimus , Cl. 175, 3 quid 
negas arbitro super his responsa redhibere, vgl. 179, 8. 
189, 11 (stets mit dem Plural responsa) , 168,25 si super 
his redhibuimus rationem, 134, 16 ne quid segnem me 
redhibendae uicissitudinis arbitreris] ebenso bei Sid. ep. 
III, 1, S. 39, 15 tibi caelitus iure redhibetur tut facti 
meritum, alieni incitamentum, ITT, 2, S. 41, 3 gratiae tibi 
redhtbeantur quam fundamenta tarn cnlmina, vgl. V, 16, 
S. 89, 3. 

reflexio Cl. 175, 2 quae tortuosae botulorum enodibusque liga- 
turis fixplicitae ivßexiones ac reflexiones, wo inflexiones 
ac reflexiones zusammen dem deutschen Ausdruck ,das 
Gewinde, die Windungen' entspricht. 

regula Cl. 174, 21 dicito quibus modis quoue situ triformitas 
cerebri coeat, iecoris massa iaceat, regula lienis haereat, 
stomachi libra pendeat, cordis plectrnm feriat. Hier scheint 
regula mit »Scheibe 4 übersetzt werden zu müssen; bei 
Ulpian dig. 19, 2, 19, §.2 sind regulae die Scheiben 
zum Oelpressen. 



Digitized by Google 



[501] Untersuchungen über die Sprache de» Cuudiunus Mamertus. 81 

remissibilis in der Bedeutung ^rlässlich' bei Georges aus 
Tert. de pudie. 2 citirt, hat auch Cl. 198, 9 ista haec 
eadem remissibilia sint necne, tute iudicaris. 

renoscere , wiedererkennen' Paul. Xol.carm. XV, 342 (Georges); 
in etwas verschiedenem Sinne gebraucht es Cl. 185, 7 
(quae sparsim edissertata quaeque euicta sunt) reuisenda - 
simul renoscendaque congessi (sonst wird gewöhnlich rtco- 
gnoscere so gebraucht, was auch der Codex G hat). 

reaeriplum nicht bloss ein ,Rescript, Erlass', sondern auch 
, Antwortschrei ben' Cl. 199 7 3 quod libellos Mos nullo um- 
quam inpertiuisti rescripto ; so gebraucht es übrigens 
auch Alcimus Avitus häufig (s. Peiper's Index). 

reuisere entsprechend dem französischen reuiser, revidieren 
Cl. 185, 7 (quae sparsim edissertata quaeque euicta sunt) 
sub mentis oculum redegi et reuisenda shnul renoscendaque 
co)igest>i. 

rotunda, ae bei Scrib. 201 extr. »eine Kugel aus Pflaster- 
masse 4 (Georges), dagegen bei Claudian für circulus ge- 
braucht 92, 20 cum trigonam uel tribus punctis ac tribus 
lineis uel rotundam puncto uel linea conformari uideris. 

scienter ,mit Gewissheit wissend' Cl. 53, 3 cum uero Uli non 
dubitanter, sed scienter, non corporeos, sed corporatos 
spiritus dixerint. 

sors Cl. 107, 26 ista haec ipsa duplici sorte proponerem, utrius 
malles tibi copiam facerem. Hier scheint sors mit /Wahl, 
Auswahl' zu übersetzen sein, auf welche Uebersetzung 
wenigstens der zweite epexegetisch zu dem ersten hinzu- 
tretende Satz führt; richtiger wäre in dieser Bedeutung 
sortitio oder sortitus. 

specialis substantivisch ,der specielle Freund' (Georges) 
Cl. 199, 15 cur egomet specialis atque Intimus nihil a spe- 
ciali meo fructi feram. 

spkaeroides bei Georges nur als Adjectiv aus Vitruv VIII, 5, 3 
(s.8chema) aufgeführt, findet sich als Substantiv = ,Sphäroid, 
die Kugel' (sphaera) bei Cl. 67, 11 mouetur etiam motu 
septimo, sicut est rotae et sphaeroidis, 144, 20 usque ad 
extiina transmundana, qua sphaeroidis globo mundus in- 
cluditur. 



Digitized by Google 



82 



Enf»elbrecht. 



[502] 



spnma bildlich Cl. 123, 6 dum in aures inperitas uerbornm 
puerilium spumas exspnnnt, vgl. Sid. ep. VIT, 13, S. 119, 19 
magis eum occupat medulla sensnum, quam spuma uerbornm. 

stipulari — adstipidari Cl. 34, 17 tu nelut stipulante tibi per 
apostolum ueritate adfici diuinitatem dicis. 

subsisterc = esse, consistere Cl. 119, 9 nihil omnino esse potest, 
quod non et trifarium subsistat et unnm sit (deshalb 
ist die Lesart von E 2 triff triam nicht richtig), 119, 12 
omnis anima rationalis tribus indiuiduis, memoria consilio 
noluntate subsistit, 194, 15 Spiritus pecoris, qui 7ion subsistit 
post corpus. 

superiectus als philosophischer Terminus dem subiectus ent- 
gegengesetzt Cl. 65, 18 qnibus (formis) indissociabiliter 
iuneta (anima) sine superiecta subiectis siue subiecta super- 
iectis et membrum tota mottet, 157, 20 qui animam. corpus 
esse et eandem superiectam in subiecto corpore eontineri 
credis, 157, 23 ipsa in suo superiecta subiecto est. Man 
vergleiche indess auch Sid. ep. IV, 15, S. 67, 10 nec 
snhiectas cautes nec superiectas niues expauescemus. 

suspirare mit dem Dativ construirt Cl. 77, 13 nec suspirare 
potest Uli patriae nach der Analogie von aspirare 204, 3 
quod non modo ad innouandiim quippiam, sed ne ad dedi- 
scendum quidem absque te uno diseiplinae nobilis ullus 
adspirat. 

talentnm in übertragener Bedeutung Cl. 191, 5 ex panpertatis 
inopia dare dragmam ei, qui mnlta scientiamm abundat 
talenta. 

taurea, ae Cl. 205, 29 nulluni lectitandis his tempus insumaJi, 
quae quasdam resonantium sermuneulomm taureas rotant. 
Das Pronomen quae fehlt in der Handschrift und wurde 
von mir ergänzt; es friigt sich aber, ob nicht besser qui 
statt quae stünde, indem man his auf die scriptores nouitii 
bezöge, denen im folgenden die alten Autoren in nament- 
licher Aufzählung entgegengesetzt werden. Der Ausdruck 
taureas rotare ist hier etwas unklar: bis Jemand etwas 
besseres vorschlägt, scheint man sich mit der Erklärung 
zufrieden zu geben müssen, dass taurea hier wie öfters 
,der Ochsenziemer' heisst und natürlich metaphorisch 
gebraucht ist. Der Sinn dieser geschraubten Ausdrucks- 



Digitized by Google 



[503] Untersuchungen über die Sprache des Clamliamis Mamertus. 83 

weise muss wohl der sein, dass die resonanfes sermuneuli 
bildlich mit dem Pcitschengeknall in Verbindung gebracht 
werden sollen. Oder ist vielleicht zu Ubersetzen: ,sie 
schwingen die Geissei ihrer hohltönenden Phrasen' nach 
Salvian. de gub. dei VIII, 22 improbissimis flagitiosorum 
hominum cachinnis et detestantibus ridentium sibilis quasi 
taureis caedebaturf 

tenellus in übertragener Bedeutung Cl. 21, 10 tenellis adhnc 
infantiae qnondam sitae persuasionibus in senectute puerascunt. 

tenor entsprechend der Bedeutung des ital. tenore Cl. 135, 9 
quoad usqile eidem tenore ueritatis adstipulantur. 

tepor bildlich Cl. 122, 10 ut (religio) paene iam credendi labore. 
submoto teporeßdei scientiae fruetum capessat. Bekanntlich 
bezeichnet bei Tac. dial. 21, 6 tepor die Lauigkeit, den 
Mangel an Feuer in Schriften. 

testificari mit dem Dativ Cl. 104, 10 qni ueritati in praesen- 
tiartim testificarentur, 152, 22 iam nunc testibus meis ad 
indubitatam fidem ueritas ipsa testißcabitur. 

tibia ,die Röhre 4 Cl. 170, 1 sine alternamento reeiproei aeris et 
organo pectoris et tibia gutturis et oris cauo et linguae 
plectro uerba uoeibus effice. 

transuersim nach Georges H/r. üq. bei Tertull. de bapt. 8 
hat Cl. 90, 11 Unna quae transuersim secari pofest, 90, 14 
quia latitudo et transuersim et directim reeipit sectionem. 

trigona, ae Cl. 89, 17 numquid . . fieri umquam nisi trigona 
poterit, 92, 20 cum trigonam twl trihns punetis ac tribus 
lineis conformari uideris, dagegen unmittelbar vorher 
92, 17 cum in trigonum uel hexagonum mentis acutum figis. 
Unerkennbar ist der Nominativ 91, 1 sicut in trigonis et 
tetragonis per angulos puneta sunt. 

tropice hat nicht bloss Augustin de gen. ad litt. 4, 9, sondern 
auch Cl. 29, 19 quid prophetico spiritu ueterwn quiqne 
sanetorum tropice propketauerint. 

tritt ina bildlich Cl. 146, 5 trutinae iudicii corporum. ponderibns 
inpositis adpende mnndum; überhaupt findet sich trutinator, 
trutinare im bildlichen Sinne (beurtheilen, erwägen) bei 
den Kirchenschriftstellern nicht selten; trnthm iudicii hat 
auch Sid. ep. VIII, 7, S. 133, 23. 

tumor s. oben S. 475. 



Digitized by Google 



84 



tumulare Cl. 204, 18 quorum egomet studiorum quasi quandam 
mortem flebili uelut epitaphio tumularem : eine schwulstige 
Ausdrucksweise ! 

uentriculus wie uenter bloss für , Höhlung' gebraucht Cic. de 
nat. deor. II; 138 ventriculus cordis; ebenso Cl. 173, 14 
uisus animi intendit sese atque exserit per ista haec puncto, 
pupillarum uaporato cerebri anteriore uentriculo inuisibilibus 
uiscerum fiammis. Vergleiche 85, 6 certum est imaginari 
illum intra quendam uentrem rnemoriae nequaquam fosse 
nisi ea, quae per corpus accepit. 

uero autem Cl. 145, 25 uero autem subicitur, quod terrae corpus 
unum in Script uris dicitur orbis esse terrarum; vgl. autem 
uero oben S. 488. 

uicarius — mutuus, also als Adjectiv zu in uicem gebildet 
Cl. 97, 22 si tibi in Uta sui parte carus est } qua uterque 
homines estis et qua uosmet uicario amore diligi'tis (vgl. 
122, 18 utriiisque horum amoretn mutuuvi). 

uigilax ,aufnicrksam, scharf beobachtend', wie uigilans Cl. 173, 
11 uigilacem vigilantemque simul quaero lectoremj auch Sid. 
ep. V, 2, S. 79, 5 hat uigilax lector und VIH, 11, S. 141, 15 
in bucolica (materia) uigilax parcus carminabundus (est). 

uvlnerabiUs /verwundend, verletzend Cael. Aur. acut. 3, 17, 
171' (Georges). Dagegen heisst es , verwundbar' bei 
Cl. 32, 14 quia lux et i)ise)isibilis est pariter et mdnerabilis 
(vgl. 32, 4 uulnerari igüur lux potest, etsi sentire non 
potest). 



Hieran mögen sieh einige Notizen über Worte reihen, die 
aus dem Wörterbuche von Georges als handschriftlieh nicht 
genügend beglaubigt zu eliminiren sind: 

ambifarie entfällt, weil Cl. 28, IG contrariis congruentibusque 
pariter obnoxium ambifariae subditur passioni zu lesen 
ist, durch welche Stelle nunmehr ambifarius nicht bloss 
eine uox Arnobiana ist. 

per per e ist Cl. 21, 7 wohl Lesart des guten Codex M für 
perperam, der aber hier wie an vielen anderen Stellen 
vom Schreiber selbst ,corrigirt' worden zu sein scheint, 
da auch an der zweiten Stelle (181, 17) das dem Schreiber 



Digitized by Google 



[505] 



Untersuchungen über die Sprache de« Claudianus Mamertus. 



85 



wahrscheinlich unbekannte Wort perperam falsch über- 
liefert ist (perfemm). 
perquiritatus ist Cl. 19, 7 nur Lesart der ersten Pariser 
Ausgabe für das sowohl handschriftlich, als durch sein 
Vorkommen bei Apuleius und Sidonius beglaubigte pro- 
quiritatus. 

In anderer Weise zu berichtigen sind folgende Angaben 
bei Georges: 

cansari will Georges bei Cl. 181, 3 horum minus ww uirtus 
actionis infringitur, s> desit utmmque, causatur erklären 
,durch Vorschtitzung von Gründen versagen, ablehnen 
(absolut)*, was mir unverständlich bleibt; doch ist sicher- 
lich mit G L S cassatur zu schreiben, wie ich auch bereits 
edirt habe. 

ceruicnla bedeutet bei Cl. 142, 5 fas est multimodo ueritatis 
gladio falsiloqui cei-uiculam snlultri concisione concipilari 
nicht, wie Georges will, ^Selbstüberhebung', sondern hat 
seine natürliche Bedeutung, wie das Wort concipilari am 
besten beweist (eine ähnliche Ausdrucksweise findet sich 
bei Sidon. ep. IV, 22, S. 73, 22 cui datum est saltibus 
gloviae pvoterere posse ceruices nituperonum seu supercur- 
rere). Auch bei Augustin. serin. 298, 4 quid est, apostole 
Paule f quasi extulisti te, quasi de aliqua ceruicula uidetw 
dictum: } plus omnibus Ulis laborauV möchte ich das Wort 
nicht mit Selbstüberhebung', sondern mit , Stolz' über- 
setzen (der den Nacken, Kopf hoch trägt), womit man 
die Worte in Cap. 5 desselben Sermo vergleiche: sed etiam 
hic non extollatur ceruix tua , qnia dona ipsius sunt 
merita tua. 

inexterminabilis gebraucht nicht Claudian selbst (138, 17), 
sondern ist Citat aus Sap. 2, 23 (vgl. Rönsch, Itala und 
Vulgata S. 111). 

intransmeabilis ist nicht #/rcr£ elqr^ihov bei Cl. 170, 16 in- 
menso quodam intransmeabili ab inuicem disparati sint, 
sondern steht auch 171, 10 intransmeabile dicitur chaos 
und findet sich ausserdem bei Jordanes 54, 16. 66, 11 
Mommsen. Vergleiche ausserdem Paucker, de latinitate 
B. Hieronymi S. 160. 

7 . 



Digitized by Google 



86 Enpelbroclit. [506] 

Uhr amen soll nach Georges Cl. 183, 10 nisi dnplicis crea- 
turam substantiae , qitoad homini posse fas ximt, adhibito 
ivdicii Ubramine secernas (in übertragener Bedeutung) ,der 
Schwung, die Schwungkraft' heissen. Man vergleiche 
indess folgende Stellen: Cl. 189, 13 adhibeto ivstitiae Ii- 
bram, 146, 5 und Sid. VIII, 7, S. 133, 23 trutina iudicii, 
Ennod. 359, 9 iudicii libra, 28, 8. 34, 1. 75, 16 lanx iudicii 
und man wird nicht zweifeln können, dass auch obiges 
libramen gleich libra gebraucht sei. Die Vorliebe Claudians 
für die Ausgänge auf -men und -mentnm erklärt die sonst 
auffällige Erscheinung hinlänglich. Eben deshalb ge- 
brauchte ja auch Claudian acumen für acies , wie wir 
oben sahen. 

ponderabilis liest man nicht nur bei Cl. 112, 15 mimerabiHa 
sunt et menaurahilia, sondern auch 114, 1. 119, 10. 194, 
6 (stets in Verbindung mit jenen zwei anderen Adjectiven), 
ebenso bei Prudent. u. A. (vgl. Paucker, Spicilegium ad- 
dendorum lexicis latinis S. 122). 

Endlich fehlen bei Georges noch folgende Worte, die sich 
indess nicht bloss aus Claudian belegen lassen, sondern sich 
auch sonst noch finden. 

adplene Adverb (vgl. das franz. ii plein) Cl. 80, 12 quod tunc 
adplene von erit, 120, 6 tantnm in his moratus «n», quantum 
prudentibus satis arbiträr, quo adplene cognoscant, wo man 
keineswegs quoad plene zu ediren braucht. Du Cange citirt 
aus der Vita S. Lcodegarii : adplene in omnibus diseiplinis 
politun. Die Bildung adplene ist übrigens ganz natur- 
gemäss, da ein verstärktes (componirtes) plemis wegen 
semiplenus (semiplene Sid. ep. IV, 22, S. 73, 15) angezeigt 
geschienen haben mag. Dass zu dieser Verstärkung 
gerade die Präposition ad gewählt wurde, mag das ana- 
loge adprime verschuldet haben. Uebrigens mag auch die 
Wendung adplenum — /vollständig* (Auson. perioch. Odyss. 
22. Eutrop. 8, 19. Donat. Terent. Andr. II 6, 16. Salvian 
de gub. dei VII, 17 cogitat forte aliquis non ita ad ple- 
num esse nt loquor) den Anlass gegeben haben, ein ver- 
meintlich dazugehöriges adplene nach der Analogie von 
adprime zu bilden. Wenigstens lässt sich bis jetzt das 



Digitized by Google 



[507] ITntersnchnntten über die Sprache .los ( laiidianns Mamertn*. 87 



Adjectiv adplmus nicht nachweisen (dagegen adprimus 
bei Gell. 6 [7], 7, 11). 

dispnere ist in sämmtlichen Handschriften tiberliefert Cl. 135, 
15 terrae dispuens (dagegen 203, 16 animi cultnm despuens 
in dem Briefe, der freilich nur in öiner Handschrift über- 
liefert ist) und dürfte vielleicht noch hie und da für 
despuere zu restituiren sein.. Ueber das Schwanken der 
Handschriften zwischen dispuere und degpuere vgl. Hilde- 
brand zu Apul. apol. 44. 

eotenus siehe unten S. 520. 

Indem siehe unten 8. 518. 

posthinc siehe unten S. 522. 

prolapsns, us Cl. 32, 10 alti prolapsns errorig (vgl. die Prae- 
fatio meiner Ausgabe S. XLV). Verschiedene Belegstellen 
aus anderen Kirchenschriftstellern giebt Paucker, spici- 
legium addendorum lexicis latinis S. 133 und De latinitate 
Hieronymi S. 25. 

III. Kritische und exegetische Bemerkungen. 

In diesem Abschnitte sollen in zwangloser Reihenfolge 
grammatisch-lexikalische Fragen behandelt werden , die ent- 
weder nur für Claudian in Betracht kommen oder doch von 
dessen Sprachgebrauch direet oder indirect ihren Ausgangs- 
punkt nehmen. 

l. Accidere und accedere, Perfect accessi. 

Eine lehrreiche Stelle für die (an gewisse Bedingungen 
gebundene) Verwechslung von accidere und accedere ist Claud. 
Main. 28, 9 — 22: quod autem philosophoritm tegtimonio miseri- 
cordiam atque iustitiam et istins modi bona adfectioneg passibilis 
dicit esse creaturne easdemque in deo eggentialiter , non acces- 
sibiliter, haud intendit animo gibi semet aduersa proferre } quia 
adfectio aeeeggio est. non autem aliquid deo accidit: igt'tur 
adfectioni non snbiacet. nam quidqttid adßcitur contrarias con- 
gruentibugqne pariter obnoxium ambifariae subditnr passioni. quo- 
circa si summa diuinitas sensit conpatientig adfectu, etiam malae 
paggionig gnbiacet sthnulo. sensit dicis: utique sentire accidens 

7* 



Digitized by Google 



8.S EnKClbroeht. [508] 

eius est, qui ante non sensit, aeternitati autem, quia passionem 
Christi sempitente sciuit , utpote quam ipsa disposuit, passionn 
tempore noui nihil, quod nosset, ne dicam quod sentiret, accessit. 
Hier ist accessibiliter Adverb zu accidens (ebenso 27, 13 und 
35, 2, wo es als Gegensatz zu substantialiter steht), sowie ac- 
cessio für accidentia steht (vom Schriftsteller diesem vermuth- 
lich wegen des gleichen Ausganges mit adfectio vorgezogen). 
Z. 14 haben accidit nur die besten Handschriften CG M (acce- 
dit die übrigen), es ist jedoch ebenso richtig, als Z. 18 accidens 
(accedens codd. dctt.J. Endlich accessit ist offenbar Perfect zu 
accidit. Wenn man die weiteren Stellen bei Claudian durch- 
mustert, so kann man bemerken, dass die Handschriften eine 
besondere Vorliebe für den A'-Laut im Präsens des Wortes 
bezeugen : nur gerade die besten bieten die richtige Form mit 
?, vgl. ausser der obigen Stelle 49, 5 aev qnibuslibet uasculis 
includi . . potest, cum hoc pvorsus igni non accidat (E 2 G M, ac- 
cedat reih), 54, 17 cid quamlibet illud accidat (CGM, accedat 
reih), quod scripturu testatur, 52, 20 quod eo tibi accidit, quia 
. . posuisti (nicht Perfect, accedit ABDEFPR), 63, 21 quod 
ideirco Uli accidit, quia partibus constat (accedit ABCH). Ferner 
kommt accidere noch an mehreren Stellen im Epilogus ohne 
Variante vor, da jener nur durch die einzige Leipziger Hand- 
schrift M überliefert ist: 191, 6 hinc accidit quod, 193, 18 cor- 
pus substantia est, non accidens. accidentia autem in sub- 
stantia sunt, non substantiae, accidit ergo corpori quantitas et 
qualitas, 194, 20 accidunt animo diseiplinae, accidit iustitia. 
Endlich steht accidens 86, 7 und zwar in allen Handschriften, 
sowie 26, 19 res accidentes in dem Citate aus Faustus, der 
aber selbst accedentes schrieb , wenn anders man der einzigen 
Handschrift saec. IX Glauben schenken darf. Das Substantiv 
accidentia, ae findet sich 27, 6. 86, 11; 27, 3. 4. 5. 29, 22, an 
den letzten vier Stellen im Plural. 

Betrachten wir nun die Stellen, an welchen bei Claudianus 
Mamertus accedeve vorkommt, so ist zu erwähnen, dass der 
Schriftsteller das Verb gewöhnlich mit ad cum acc: 22, 6 acce- 
dit ad hoc Jiuoris intentio (accidit M), 95, 2 (uerbnm) sie ad 
iUum, eni loqueris, accedit, quod a te utique non recedit, 155, 23 
ad hunc locum von rudis accedet, vgl. 113, 7. 154, 13. 204, 14, 
oder mit dem blossen Accusativ verbindet: 24, 14 acevssi reli- 



Digitized by Google 



Untersuchungen übel die Sprache dus Claudianus Mamertus. 



89 



quam lectionis, 180, 5 animus non accedit infam«, vgl. 119, 5. 
170, 11; nur einmal findet es sich mit dem Dativ 90, 25 accede 
formatrici fonnae, denn 73, 17 ist nec localiUr abscedere a cor- 
pore . . nec localiter corpus decedere zu lesen. Eine Stelle bleibt 
noch zu besprechen übrig 75, 20: corpori adimitur struiendi 
possibilitas et animo dominandi accidit difficnltus; hier würde 
accedit als Gegensatz zu adimitur dem Sinne nach wohl passen, 
da jedoch auch der dabei stehende Dativ uns dagegen ein- 
nehmen muss, so werden die besten Handschriften (CGM) 
wohl richtig accidit bieten. 

Um nun aus diesen Stellen, die nach der besten Ueber- 
liefernng angeführt sind, das Facit zu ziehen, so darf man 
nicht kurzweg sagen, dass Claudianus accidere und decedere 
promiscue gebrauchte, sowie Härtel dies für Ennodius nachwies 
(vgl. Wiener Studien II, 228 f.), sondern es ist nur zuzugeben, 
dass das Perfect zu accidere mit dem von decedere zusammen- 
fiel. Es ist auch nicht abzusehen, warum die schon durch ihre 
Betonung hinlänglich scharf getrennten Verba in ihren präsen- 
tischen Formen hätten ohneweiteres verwechselt werden sollen: 
sehr leicht aber erklärt es sich, dass das Perfect accidit wegen 
seines Gleichklanges mit dem Präsens frühzeitig unterging oder 
doch nur spärlich verwendet wurde und durch accessit (davon 
abgeleitet accessio und accessibiliter) umso eher ersetzt werden 
konnte, als sich ja thatsächlich beide Worte in ihrer Bedeu- 
tung nicht selten berühren. 

Wie hält es nun in dieser Sache Claudians Zeitgenosse 
und Landsmann Sidonius? Hier zeigen die von Lütjohann 
benützten Handschriften eine ganz merkwürdige Uebereinstim- 
mung in Ueberlieferung dieser oder jener Form, so dass wir 
bei Sidonius noch viel weniger als bei Claudian über die Schreib- 
weise des Autors selbst in Zweifel kommen können. Wie schon 
an und für sich zu vermuthen ist, dass beide Schriftsteller in 
Anwendung der beiden in Frage stehenden Worte sich gleichen, 
so wird die Vorführung sämmtlicher hiehergehöriger Stellen 
des Sidonius diese Vermuthung vollkommen bestätigen. 

Dass das Perfect accessit mit accidit ganz gleichbedeutend 
war, zeigt zur Evidenz folgendes interessante Beispiel aus 
Sidonius epist. VII, 1, S. 104, 17 quae omni« seien» popidits 
iste Vunnensibns tuis et accidisae prius et non accessisse 



Digitized by Google 



90 



Eng dt rc ch t. 



[510] 



posterius, wo beide Pcrfecte nebeneinander in gleichem Sinne 
verwendet werden. Weiters zeigt epist. VIII, 3, S. 128, 23 
fors fuat an philosophi uitae scriptor aequalis maiorum tempori- 
bus accesserit, certe par saeculo meo per te lector obuenit, dass 
auch hier accesserit wegen des Gegensatzes obuenit einem acci- 
derit gleichsteht. Nicht anders kann auch VIII, 6, S. 130, 15 
quod mihi quoque similiter accessit gedeutet werden. 

Wie wir schon aus dem ersten Beispiele ersahen, dass 
das Perfect accidit sich neben accessit noch behauptete, so 
beweisen dies noch folgende Fälle: epist. I, 11, S. 16, 25 accidit 
casu, ut Catullinus Mo ueniret, IV, 6, S. 58, 8 si quid secus 
uiantibus accidisset, VII, 2, S. 105, 25 forte accidit, ut deuersorio 
quaedam femina uicinaretur. Das Präsens von accidere steht 
epist. IX, 14, S. 166, 9 si accidat {accedat ifcf 1 ), ut nec intra 
nimm conclaue decumbant. 

Dagegen wo vom Präsensstamm gebildete Formen von 
accedere sich bei Sidonius finden, haben sie regelmässig die 
Bedeutung des Oompositums von cedere, nie die von accidere. 
Hieher gehören folgende Stellen: epist. I, 7, S. 10, 3 cumulus 
accedit laudibus imperatorü, III, 12, S. 48, 8 quasi nil tibi quo- 
que laudis aut gloriae accedat, V, 16, S. 88, 23 Ecdicio honor 
patricius accedit, VII, 5, S. 108, 9 bis accedit quod . . fecenmt, 
VII, 10, S. 117, 27 cid, precor, quod in uobis opis est intuitu 
paginae praesentis accedat, VII, 14, S. 122, 14 ut aliqua de te 
recens mihi laetitia potius quam sententia accedat, III, 5, S. 43, 17 
satis abundeque sufficeret fides uestra commodis suis , etsi nullus in- 
tercessor accederet. Ausserdem finden sich folgende Perfectformen 
zu accedere: VIII, 14, S. 145, 27 quae loquor falsa censete, nisi 
professioni vieae competens adstipulator accesserit, IV, 1, S. 52, 7 
secundus uobis animorum nexus accessit de studiorum parilitate, 
IV, 16, S. 67, 22 quod tuo accessit usui, decessit hoc nostrae 
proprietati. An sämmtlichen dieser Stellen lässt sich accedere 
zwanglos als Compositum von cedere auffassen, ohne dass man 
eine Verwechslung mit accidere annehmen müsste ; besonders 
lehrreich ist hiefür das letzterwähnte Beispiel wegen des Gegen- 
satzes decessit. Der Vollständigkeit halber führe ich noch die 
übrigen Stellen, an denen sich accedere bei Sidonius findet, vor, 
obwohl an diesen über die Bedeutung des Wortes kein Zweifel 
aufkommen kann: VI, 7, S. 99, 1 ego ad apostolatus tut noti- 



Digitized by Google 



[511J 



Untersuchungen über die Sprache des Claudiauus Mamertus. 



91 



tiam pleniorem accedo, VH, 17, S. 124, 8 exigit te rogari, ut tuo 
ipse sub magisterio monasterii magister accedat, II, 10, S. 33, 16 
quae (ecclesia) studio papae Patientis summum coepti operis ac- 
cessit, III, 3, S. 42, 12 eo condicionu accesseras, V, 3, S. 80, 1, 
VI, 1, S. 95, 15, VI, 4, S. 97, 18. 

Wir sehen somit, dass die von uns bei Claudian gemachte 
Beobachtung auch für Sidonius ihre Giltigkeit behält: die prä- 
sentischen Formen von accedere und accidere werden nicht ver- 
wechselt, wohl aber werden die Perfecta accessit und uccidit 
promiscue gebraucht; dass in dem gegenseitigen Kampfe dieser 
beiden Formen bereits accessit die Oberhand erlangt hatte, be- 
weist der Umstand, dass sich accidit nur mehr in den typischen 
Wendungen forte accidit, casu accidit, secus accidit bei Sido- 
nius und bei Claudian — möglicherweise nur aus Zufall — 
gar nicht findet. 

Für mich ist es höchst wahrscheinlich, dass auch für 
Ennodius dasselbe Gesetz zu gelten habe. Während nämlich 
accessit für accidit, welche Form nach Vogel (s. den Index seiner 
Ausgabe) Ennodius nirgends hat, in Harters Index durch eine 
ganze Reihe von Stellen belegt ist, werden nur zwei Stellen bei- 
gebracht, wo jene Verwechslung in präsentischen Formen statt- 
fand: 137, 22 quin diuina gradibus (= gradatim) semper accedunt 
et quibus bona conferunt meliora pollicentur, carni. I, 7, 32 accedunt 
culpis munera uestra meis ; dazu kommt noch das in obiger 
Abhandlung von Härtel citirte Beispiel 144, 22 hinc caelestt's 
cura nepti meae procura iussit accedere. Wenn man sich ver- 
gegenwärtigt, wie sich accidere und accedere in ihrer Bedeutung 
oft enge berühren, so sind diese Beispiele nicht mehr auffällig, 
als die ciceronianische Phrase alicui animws accedit : im ersten 
Falle zeigt schon gradibus = gradatim an, dass accedere mit 
Bedacht gesetzt ist, und an den beiden übrigen Stellen lässt 
sich accedere ohne Zwang als Gegen theil von discedere auf- 
fassen. Allerdings wird man zugeben dürfen, dass die Be- 
deutungsdifferenz von accidere und accedere bei Claudian noch 
eine grössere ist, als bei Ennodius. 

Das reelle Ergebnis» dieser Auseinandersetzung kann 
demnach nur folgendes sein: Wenn die Handschriften zu 
späteren Schriftstellern zwischen accidere und accedere 
in den vom Präsens abgeleiteten Formen schwanken, 



Digitized by Google 



92 



Engelbrecht. 



so wird man das letztere nur dann aufnehmen, wenn 
es besser beglaubigt ist und sich halbwegs zwanglos 
als Compositum des Verbums cedere auffassen lässt; 
unmittelbar statt accidere darf es ausser als Perfect- 
form nicht zugelassen werden. 

4 

2. Flagrare, fraglare, fragrare. 

Ueber fraglare für flagrare und fragrare ist schon öfters 
gehandelt worden, ohne dass man dabei zu einem endgiltigen 
Resultate gelangt wäre. Wir wollen vorerst von allen diesen 
Untersuchungen absehen und die Frage nur für Claudian er- 
örtern. Das fragliche Wort findet sich bei ihm an folgenden 
Stellen: 43, 23 perpetuo odoraremur, si fraglaret (EFH 2 L 
M/S 2 , flagraret rell.J olf 'actus ; 76, 21 inlocaliter Uli f rag lat 
(DEFM, flagrat rell.J aequitas, foetet iniquitas; 205, 13 thyma 
fraglantia (E, in welcher Handschrift allein der diese Worte 
enthaltende Brief Claudians erhalten ist). Hiezu kommen 
46, 17 gustu fraglantia (DEFH 2 MS, flagrantia re\l) non 
aeeipitur; 68, 11 per exiguum narium membrum sentit tota f ra- 
glantias (D EF 2 MS l , flagrantuis Teil); 76, 17 (num iüic) euane- 
scentis fraglantiae (DEFMS 2 , flagrantiae rell.J suauitas halat. 
An allen diesen Stellen steht fraglare (fraglantia) für das sonst 
gebräuchliche fragrare (fragrantia) f stets bewahrt von E und 
M und meistens von DFS 2 (H 2 L). Auch der anderen Hand- 
schriften Vorlagen haben sicher dieselbe Lesart gehabt, da ihr 
flagrare (flagrantia) sich aus der irrthtimlichen Metathese der 
Liquiden — zumal da flagrare den Schreibern geläufiger ge- 
wesen zu sein scheint als fraglare, denn sonst hätten sie auch 
fraglare hie und da für flagrare geschrieben, was aber nirgends 
bei Claudian der Fall ist — von selbst erklärt. Demnach 
kann man behaupten, dass die handschriftliche Ueberlieferung 
einstimmig für fraglare (nicht fragrare) spricht, weshalb ich 
dies auch stets in den Text aufnahm gegenüber den früheren 
Herausgebern, die fragrare edirten. Dagegen lässt sich fra- 
glare für flagrare aus den Handschriften Claudians nicht be- 
legen, sondern ist in der Bedeutung , brennen' stets flagrare 
überliefert, vgl. 56, 18. 87, 6. 101, 6. 120, 23. 

Hieraus ergibt sich für Claudianus die Schlussfolgerung, 
dass fraglare bei ihm stets nur für fragrare gebraucht ist, 



Digitized by Google 



[513] 



Untersuchungen über die Spruche des Claudianus Mamertus. 



93 



und da letztere Form bei ihm nie vorkommt, so dürfte die 
Behauptung nicht zu gewagt sein, dass man zu seiner Zeit 
(zum mindesten in Gallien) für fragrare fraglare sprach und 
schrieb. Offenbar ist auch bei Sid. VIII, 14, S. 140, 10 cari- 
tatis ca8titatisque ßagrantissimum incensum turibidis cordis ado- 
letis (so die Handschriften) nicht mit den Herausgebern, denen 
sich Lütjohann angeschlossen hat, fragrantissimum zu schreiben, 
sondern fraglantissimum, obwohl sich auch das handschriftliche 
ßagrantissimum sehr gut in der Bedeutung ,helllodcrnd' halten 
lässt, da ja incensum hier nur ,Opfer<, nicht , Weihrauch* be- 
deuten kann (vgl. den Gegensatz nihil, ut audio, offertis ignis 
alieni); man vergleiche zu dem Gedanken Claudian 56, 18 
flagrantia castae caritatis und 87, 6 caelesti caritate 
f lag rare. 

Im Anschlüsse an diese Auseinandersetzung sei es ge- 
stattet, die bekannte Noniusstelle (438, 17 M), über die zuletzt 
J. M. Stowasser in dem Freistädter Gymnasialprogramm von 
1883/84, S. 14 gehandelt hat, zu besprechen. Stowasser schreibt: 
,Cod. Harl.: ßagrare [fraglare man. 2] et ignescere ita dücer- 
nitur, quod ignescere incendi et ardere, ßagrare [fraglare man. 2] 
uero olere. Auch diese Stelle ist noch nicht recht plausibel 
emendirt. Dass Nonius zwischen fragrare und ßagrare unter- 
scheiden will, sahen alle Herausgeber ein, ebenso auch, dass 
das erste ignescere ein ungeschicktes Glossem ist. Hat man 
dies aber erkannt, dann wird keine andere Lesart möglich 
sein als: ßagrare et fragrare ita discernitur, quod ignescere, 
incendi et ardere ßagrare (est, fragrare) uero olere. Dies 
scheint mir die leichteste Lösung der Schwierigkeit. i Obige 
Stelle ist ein evidenter Beweis, dass für Nonius dasselbe Ge- 
setz galt, welches wir oben für Claudian bindend erkannten. 
Jedenfalls hat man für fragrare zu schreiben fraglare, denn 
nur in dieser Form war eine Verwechslung mit ßagrare — 
eine solche hat ja die Stelle des Nonius zur Voraussetzung — 
möglich. Der Sinn der Glosse selbst ist klar: ,ßagrare heisst 
brennen, fraglare riechen'. Nimmt man die Lesart der zweiten 
Hand des Harleianus in den Text auf, so gibt die Glosse einen 
vollständigen Sinn: fraglare et ignescere ita discernitur, quod 
ignesceve incendi et ardere (ö) , fraglare uero olere. Jedoch ist 
es nicht wahrscheinlich, dass das Wort ßagrare als causa 



Digitized by Google 



94 



Eu gcll> rech t. 



[514] 



mouens für die Verwechslung der Bedeutung von fraglare mit 
der von Verben, die ^brennen* bedeuten, gefehlt habe. Um 
es kurz zu sagen: ignescere ist an beiden Stellen Glosscm 
(dies erkannte schon Mercier richtig) und dafür flagrare 
zu schreiben, so dass also nach meiner Ansicht die Stelle 
lauten muss: fraglare tt flagrare ita discernitur, quod flagrare 
incendi et ardere (est), fraglare uero olere. Dass die Schreiber 
an der Stelle durch Vertauschung der Liquiden eine arge 
Verwirrung angerichtet haben werden, lässt sich aus dem ähn- 
lichen Verhalten der Claudianhandschriften leicht erschliessen. 
Der Ignorant, dem wir die beiden ignescere verdanken, las 
wahrscheinlich an unserer Stelle nur (viermal) flagrare und 
setzte zweimal dafür das Synonymum ignescere. 

Ganz dasselbe lehrt die Appendix Probi IV, S. 201, 19 K: 
inter fragrat et flagrat hoc interest, quod fragrat odorem signi- 
fleat, flagrat uero splendorem demonstrat. So edirt Keil nach 
dem Cod. Montepessulanus 300, saec. IX; jedoch scheint mit 
Zuhilfenahme der Lesarten des älteren Cod. Bobiensis (jetzt 
Vindobonensis 17) saec. VIII IX vielmehr zu schreiben sein: 
inter flagrat et fraglat (so Bob.) hoc interest, quod fraglat (so 
Bob.) odorem significat, flagrat uero splendorem demonstrat. Es 
ist einleuchtend, dass der Cod. Montepess. hier der Corruptel 
fragrat für flagrat zu Liebe ganz durchcorrigirt ist, während 
der Bobiensis nur jene einzige, wohl aus dem Archetyp stam- 
mende Corruptel aufweist. 

Ueber fraglare, flagrare und fragrare haben O. Ribbeck 
in Fleckeisen's Jahrb. Bd. 77, S. 191, Lucian Müller, eben- 
daselbst Bd. 93, S. 386 f., Schuchardt, Vocalismus des Vulgär- 
lateins I, 139 und III, 71, Ellis in den Excursen zu seiner 
Catullausgabe' 2 , S. 346 — 350 und Bücheler in Fleckeisen's 
Jahrb. Bd. 105, S. 11t gehandelt. Schuchardt spricht sich 
eher gegen fraglare aus: ,Unter allen diesen Schreibungen die 
umgekehrten abzusondern , ist unmöglich. Das meiste war 
gewiss blos dialcctisch/ L. Müller a. a. O. S. 387 kommt zu 
dem Resultate: ,Es mag also wirklich die römische Plebs wie 
lapidicina oder wie displicina auch fraglo für flagro gesagt 
haben, resp. fraglo für fragro wie penes für pedes.' Ellis 
dagegen, der über unseren Gegenstand am ausführlichsten ge- 
handelt hat, will fragrare gar nicht gelten lassen (derselben 



Digitized by Google 



[515] 



Untersuchungen fllier die Spruche Je» Clamlianti» Mamertus. 



95 



Ansicht neigte sich schon O. Ribbeck a. a. 0. zu) und meint, 
dass flagrare ursprünglich sowohl für ardere als auch für olere 
gebraucht worden und vielleicht erst nach Catull für olere 
die Form fraglare aufgekommen sei. Den richtigsten Stand- 
punkt scheint mir Bücheler einzunehmen, der als ursprüng- 
liches Wort der classischen Zeit für ,duften' nur fragrare 
anerkennt. Hieraus wurde fraglare, das seit dem 4. Jahr- 
hundert allgemeinen Eingang gefunden hatte, wie die Glos- 
sarien zeigen; andererseits wurde ,durch Wandlung des ersten r 
flagrare, zwar selten und nie eingebürgert, aber offenbar vor- 
handen, als Nonius, Servius, der sog. Probus Trennung von 
,brennen< und ,duften< einzuschärfen für nöthig hielten. Dasjs 
diese Formen auch in älterer Literatur sich fanden, ist nach 
des Nonius' Worten in plnrimis innenitur ista discretio aller- 
dings möglich, aber nicht gewiss, von fraglare ungleich wahr- 
scheinlicher, als von flagrare. Als aber in der Form flagrare 
die Begriffe .brennen* und ,duften< zusammengefallen waren, 
durch die stäte Neigung der Liquidae zur Umstellung, ward 
auch flagrare ,brennen' häufig in fraglare, vereinzelt in fra- 
grare entstellt'. 

Diese Aufstellungen Bücheler's sind gewiss vollgiltig richtig: 
offen bleibt nur theil weise noch die Frage, inwieweit man diese 
Theorie practisch venverthen könne. Thatsache ist, dass 
jedenfalls flagrare in der classischen Zeit nur , brennen' be- 
deutet. Fraglare für fragrare hält Büeheler in der classischen 
Literatur nur für , möglich 4 , meines Erachtens aber ist die 
Ueberlieferung der beiden Vergilstellen Georg. IV, 169 und 
Aen. I, 436 fraglantia mella beweisend; warum sollen die 
beiden r in den benachbarten Silben nicht schon zu Vergil's 
Zeit für das Ohr der Römer einen unangenehmen Klang gehabt 
haben V Wo von Vergil an flagrare für ,duften' überliefert ist, 
wird man nur berechtigt sein fraglare, nicht fragrare herzu- 
stellen; damit soll natürlich nicht geleugnet werden, dass fra- 
grare nicht auch sich nach Vergil noch kürzer oder länger 
behauptete. Es ist also unrichtig, wenn z. B. Bährens, pane- 
gyrici latini im Panegyricus des Claudius Mamcrtinus (saee. IV!), 
S. 94, 23 fragrantibus et merificis odoribus accensis für das 
überlieferte flagrantibns schreibt; natürlich ist fraglantibas zu 
ediren. Flagrare in der Bedeutung ,duften* mag irrthümlich im 



Digitized by Google 



96 



Eiigelbrecht. 



Vulgärlatein gebraucht worden sein statt fraglare, wird aber in 
den Schriftwerken wohl nirgends zu dulden sein, am wenigsten 
bei einem Dichter aus der Zeit der Republik, wie Catull, dem 
Ellis S. 346 diese Form aufmutzen will. Ich zweifle auch 
sehr, ob Sedulius carm. IV, 71 unguento flagrante und op. 
Pasch. 177, 19 Huemer diuinae legis spiramenta flagrantie odorem 
gratiae suauitatis kauriatis geschrieben hat. Bei Venantius 
Fortunatus ist I, 18, 4. VII, 12, 38. XI, 11, 6 fragrat. von 
Leo in den Text gesetzt, während die Handschriften flagrat 
haben; es ist jedoch fvaglat zu schreiben, wie II, 4, 28 fra- 
glant, was hier auch die Handschriften bewahrt haben. Für 
Sidonius scheint es durch das einstimmige Zeugniss der Hand- 
schriften festzustehen, dass er wie Claudian für ,brcnnen< stets 
flagrare gebrauchte (vgl. carm. V, 76. 139. VII, 200. 406), 
und wenn unsere Codices carm. IX, 324 flagrant in der Be- 
deutung von ,duften* bieten, so ist es klar, dass fraglant und 
nicht mit Lütjohann fragrant zu schreiben ist. Nur carm. U, 
413 hat der minderwertige Cod. Paris. 9551 saec. XIII (F) 
fragrat, die anderen flagi-at (M fehlt) natürlich für fraglat, 
woraus sich ergibt, dass für Sidonius die gleiche Observation 
gilt, die wir oben bei Claudian machten. 

Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wieweit fra- 
glare — ,brennen' literatur fähig war. Gesichert scheint dies 
für die afrikanischen Schriftsteller zu sein, so für Fronto, der 
p. 5 N fraglantes litteras mittis, p. 27 desiderio fraglantissimo, 
p. 34 merito fraglo, p. 56 epistulas tarn fraglanter compositas t 
freilich auch p. 79 ignem flagranti ssimum , p. 97 tanto flagrantius 
amatdt schreibt (s. Ellis, S. 347). Auch Apuleius hat nach 
dem Laurentianus 69, 2 fraglare Met. III, 19, S. 50, 16 fra- 
glantibus papülis, IV, 17, S. 66, 25 fraglantia solis , IV, 31 
S. 75, 22 amore fraglantissimo, V, 9, S. 83, 21 inuidiae feile 
fraglantes, V, 23, S. 92, 2 cvpidine fraglans Cupidinis , VI, 12, 
S. 104, 20 de solis fraglantia , dagegen IV, 14, S. 65, 3 aestiua 
flagrantia , VI, 32, S. 116, 31 ignis flugrantiam , VIII, 22, 
S. 148,4 mulieris flagrabat cupidine, X, 2, S. 183, 6 sine cor- 
poris calore flagrantem. Weiter steht fraglare in der Bedeutung 
,riechen' Met. II, 8, S. 23, 5 cinnama fraglans, IV, 2 quos 
(caliculos) equidem fraglantes . . rosas laureas appellant , dagegen 
flagrare VI, 11, S. 103, 26 flagrans balsama Venus. Dass man 



Digitized by Google 



[517] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertu. 



97 



hier nicht eonsequent der Handschrift folgen kann, ist ein- 
leuchtend: da indess an der Mehrzahl der Stellen fraglare 
tiberliefert ist (sowohl für ,brennen* als ^riechen') und die 
Sache sich auch bei Fronto ähnlich verhält, so glaube ich 
mich zu dem Schlüsse berechtigt, dass die Afrikaner Fronto 
und Apuleius die Form fraglare allein sowohl für classisches 
fragrare als flagrare gebrauchten. Zu untersuchen, inwieweit 
dies auch für die übrigen Afrikaner gilt und ob auch für 
Schriftsteller anderer Nationalität, ist von mir nicht beab- 
sichtigt. 

Doch darüber wird erst dann endgiltig entschieden werden 
können, wenn einmal eine vollständige auf die Ueberlieferung 
hin geprüfte Beispielsammlung vorliegen wird. Uebrigens 
dürfen wir darüber, wie ich erfahre, bald von berufenster 
Seite eingehendere Belehrung erwarten. Jedenfalls wird man 
bei dieser Untersuchung trachten müssen, nicht in ElhY Felder 
zu verfallen, auf den schon Bücheler a. a. 0. S. 111 nach- 
drücklich hingewiesen hat: man dürfe die handschriftliche 
Ueberlieferung hier nicht als die einzige oder doch massgebende 
Norm betrachten und den Unterschied zwischen Literatur- und 
Schriftsprache und dem sermo plebeius nicht zu leicht nehmen. 

3. Verschiedene Pronominalformen der späteren Latinität. 

Dass die spätere Latinität zahlreiche neue Pronominal- 
formen, die sich auf den ersten Blick als Analogiebildungen 
zu Worten des classischen Sprachschatzes erkennen lassen, 
schuf, ist eine Thatsache, die sich durch einige neue Beispiele 
aus Claudian belegen liisst. Bekannt, obwohl bei Georges 
fehlend, ist die Form eiuscemodi, die Neue (Formenlehre II" 2 198) 
durch eine ganze Reihe von Stellen belegt, denen man z. B. 
Hieronyiu. epist. 82, 6 cum et ipse nonmdlos eiuscemodi clericos 
habeat (vgl. Paucker, de latinitate Hieronymi, S. 80) hinzu- 
fügen kann. Ferner findet sich die Form qualibet bei Claudian 
110, 13 qnarum item pars qualibet partium corporis, doch daneben 
114, 9 quaelibet teiTae pars. Zu aliqnispiam (und aliquisquam) 
merkt Georges an: ,tiberall falsche Lesart, s. Madvig opusc. ac 
vol. I, pag. 465. Kreyssig, annotationes ad Titi Liuii libros 
41—45, pag. 21 flg/ Jedoch ist aliquorumpiam gesichert bei 



Digitized by Google 



98 



EnpoilMOcUt ([5 1 S] 



Claud. Mam. 176, 6 sed en aliquorumpiam qui interimunt 
anitnas garrientibus nugis etsi non sistimur ab itinere, lentamur 
tarnen, wo die einstimmige Ueberlicferung jeder Correctur Trotz 
bietet (Bartli schrieb aliorumpiam). Auch hic findet sich bei 
Claudian mit -piam componirt vor in der Form harumpiam 
142, 3 qnamquam nonnullis locorum stieuhi conduxit harumpiam 
scripturarum testim Otitis usus sim, wo das gewöhnlich dafür ge- 
lesene quarumpiam nur Correctur der zweiten Pariser Ausgabe 
ist. Dasselbe Pronomen hic verband Claudian auch mit 
-dem 137, 5: inter has huiusdemque modi quisqtiilias aliquid 
tu sobrinm tttto dixerisne? (eiusdemqtie 2. Pariser Ausgabe) 5 47, 17 
(anima) ex hisdem (ACGM, isdem BEFHR, eisdem DLS) 
contractu prineipiis quibus corpus extrarium; 65, 22 aeternis Ulis 
hisdemque (M , isdemque AB CG HL RS, eisdemque DEF) 
semper formis intettta; 83, 1 corporeos deserit sensus ab hisdem- 
que (ACGHMRS , isdemque BL, eisdemque DEF) inlocaliter 
abscedit; 159, 11 loca quaelibet adeuntem in hisdemque (alle 
Handschriften, his denique R) locis inlocaliter agentem. Gerade 
die Form hisdem bieten die Handschriften zu den besten Autoren 
nicht selten, vgl. Neue II, 200, wo aus Cicero- und Sallust-Hand- 
schriften zahlreiche Belege angeführt werden. Hier ist indess 
der //-Laut so wenig auffällig, wie in den zahllosen anderen 
Fällen, wo vocaliseh anlautenden Worten die Aspirata vor- 
gesetzt wurde: k ist also hier nicht integrirender Bestandteil 
(des Pronomens hic), sondern wurde nur in der Aussprache 
des Volkes bei isdem (eisdem, iisdem) gehört. Während wir 
demnach in den Texten der classisehen Zeit ein von hidem ge- 
bildetes hisdem nicht dulden können, so niuss doch zu Claudians 
Zeiten das vollständige Pronomen hidem in der Schriftsprache 
existirt haben, da das obige huiusdemque allein dies ausser 
allen Zweifel setzt, um von den vier Beispielen für hisdem zu 
schweigen, deren letztes die Autorität sämmtlicher Handschriften 
für sich hat. Mit Recht hat Petschenig Vict. Vit. 3, 41 ipsius- 
dem urbis edirt, während Sittl (Lokale Verschiedenheiten 
der lateinischen Sprache, S. 115) meines Erachtens mit Unrecht 
schreibt: ,Die von Petschenig aufgenommene Variaute verdient 
vorläufig, bis ipsedem nachgewiesen ist, die Bezeichnung eines 
Monstrums'. Allerdings ist die Form ein Monstrum, aber vom 
Schriftsteller selbst, nicht von den Abschreibern verschuldet 



Digitized by Google 



•:»i9] 



Untersuchungen über die Sprache des Claodianus Mamertus. 



99 



und hat nunmehr als Gegenstück das huinsdem des Claudian. 
Bei Venantius Fortunatus ist hisdem durch das Metrum ge- 
schützt VII, 19, 3 uisceHbus hisdem (CMDGBRF, isdem 
AL) genitos Planum Enodinmque, und hätte demnach von Leo 
auch in der vita Mart. I, 416 sed pater instabat conpellans uoci- 
hus isdem aufgenommen werden sollen, da alle Handschriften 
ausser NS l diese Form bieten. Auch Huemcr hat Sedulius pasch, 
op. V, 38, S. 302, 15 hisdem praesentibus edirt, doch hätte er, 
um sich consequent zu bleiben, z. B. auch S. 302, 9 das hand- 
schriftlich ganz gleichbeglaubigte hisdem in den Text aufnehmen 
sollen. Bei Sidonius bieten carm. V, 467 die beste Handschrift 
A/mit F hisdem, die übrigen isdem, letzteres allein sämmtliche 
Manuscripte V, 156 sowie XXH epist. (S. 250, 10). Ich ver- 
muthe, dass auch Sidonius gleich Claudian nur hisdem (neben 
<>i»dem), nicht aber isdem gebrauchte. Eine weitere neue Form 
ist istiusce, die sich bei Claud. 173, 10 stimm nm istiusce negotii 
istoc in loco uertitur findet. 

4. Adverbien der späteren Latinität. 

Prae und propter kennen die Lexika nur als locale Ad- 
verbien und doch hat sie die spätere Latinität, wenn ich nicht 
irre, auch als modale respective causalc Adverbien verwendet 
Wir lesen bei Claudianus in allen Handschriften 139, 9 si qni 
nunc monendi locus ext, moneo praeque denuntio, wo freilich 
die Conjectur Hartcl'8 peraeque atqua sehr ansprechend wäre, 
wenn ihr nicht Sidonius Apoll, epist. I, 9, S. 15, 14 saue 
moneo praeqtie denuntio quisqui/ias ipsns Clius tuac hexametris 
minime exaeqnes entgegenstünde. Ferner steht 113, 1 (miindi 
moles uniuersa) . . . proeul dubio ipsa finalis est propterque 
et mensurabilis. Hier hat R (ebenso, unabhängig von diesem, 
die editio prineeps) die billige Conjectur propter qua«, Andreas 
Schott schrieb proptereaque und ich glaubte einst eapropterque 
empfehlen zu sollen. Jedoch in Hinblick auf das obige praeqtie 
kann kein Zweifel sei», dass auch hier die handschriftliche 
Lesart echt sei. Die Deutung beider Formen ist leicht: es 
wurde nämlich die Bedeutung, die prae und propter als Prä- 
positionen nur in Verbindung mit dem entsprechenden Casus 
hatten, ihnen auch als Adverbien vindicirt, es ist also prae — 



Digitized by Google 



100 Engelbrecht. [520] 

prae omnibus, prae ceteris — inprimis , ualde und propter = 
propter ea. Ich glaube aber nicht, dass aus blossem Zufall 
die beiden besprochenen Adverbien mit que verbunden sind: 
mir wenigstens sucht mein Sprachgefühl einzureden, dass durch 
das nachfolgende (angehängte) que der Mangel des sonst nöthigen 
Casus viel weniger fühlbar wird und sich auf diese Weise viel 
leichter eine adverbielle Bedeutung bilden konnte, als wenn 
z. B. et propter, et prae stünde. Es mag deshalb die Ver- 
muthung gestattet sein, dass nur in Verbindung mit que die 
Präpositionen jene ausserge wohnliche adverbielle Kraft hatten. 

Claudian liefert auch noch andere adverbiale Ausdrücke, 
die unsere Lexika nicht .zu kennen scheinen. So liest man 
1G7, 8 qui (diabolus) postquam hydrope superbiae tumuit et 
inuidüie febre tabuit, sponte inlocaliter sanctitate prolapsus eaque 
localiter caelo non sponte deiectus, wo ea(que) doch nichts an- 
deres als propter ea bedeuten kann. Das Adverbium ea ist bei 
Georges nur in localer Bedeutung belegt, doch findet sich 
eadem nicht nur local (mit Ergänzung von via), sondern auch 
modal (wobei opera zu ergänzen ist). Hieraus lässt sich in 
gleicher Weise für ea ausser uia ein anderes elliptisches Wort 
erschliesscn, vielleicht causa, und es wäre dann ea einem (ea 
de causa) ea causa gleichzusetzen. Auffällig ist, dass Claudian 
hier nicht wie sonst eo gebrauchte (vgl. den Index meiner 
Ausgabe unter eo), obwohl der vereinzelte Gebrauch von eotenus 
neben dem häufig angewendeten eatenus (s. Index u. d. W.) 
als Analogie dienen kann. 

Das ebenerwähnte eotenus findet sich 84, 14 eotenus in- 
plicatur errore } ut tamquam absens sibi se quaerat und 122, 8 
eotenus religio conclamata est, ut . . scientiae fruetum capessat, 
auch Jordanes Get. 5 hat eotenus. Die Form hat nichts be- 
fremdliches bei einem Schriftsteller, der tenus wie usque (ad) 
gebrauchte und mit dein Accusativ verband, vgl. 73, 6 (unda 
grauior) . . in angustos tubulorum meatus ui conpulsa labrum 
tenus 8upra summum putei expressa prolabitur (labrorum C, 
labro DEFP) und 95, 1 obsequium uocis au rem tenus meat 
(aure Ä l DEFM). Aehnlich wie eotenus ist hnecine tenus ge- 
bildet 173,20 huccine tenus est humani uisns animif wo ich 
vielleicht im engeren Anschlüsse an die Handschriften hoccine 
tenuH (so DR, kochte AB CHS, hoc in eo M, huccine tenus 



Digitized by Google 



[521] Untereuchnnfen über die Sprache des Claudianos Mamertus. 101 

EFG) hätte schreiben sollen (natürlich hoc = huc). Wie sehr 
E. Wölfflin im Rechte ist, wenn er in seinem Aufsatze über 
tenti8 (Archiv I, 422) bezüglich des Accusativ bei tenus schreibt: 
hanc strueturam ii demum scriptores adsciscere potuerunt, quibus 
tenus abiis8et in uim particulae usque (ad), erhellt aus jenem 
eotenus und kuccine tenus, die geradezu für eo usque und huc 
usque stehen. Hieran reihen sich noch mehrere bei Georges 
fehlende Ausdrücke, wie adeo tenus 141, 9 adeo tenus non 
est corpus anima , ut sit imago diuina , wo die ursprüngliche 
Bedeutung von adeo noch recht klar zu Tage tritt (vgl. adeo 
usque), aber zu Claudians Zeiten wohl nicht mehr gefühlt 
wurde, wie das nach falscher Analogie gebildete, bei Olaudian 
fünfmal sich findende (s. oben S. 479) itatenus beweist.' Ausser- 
dem hat Claudian aliquatenus 68, 23, ullatenus 78, 6. 92, 16 
und nullatenus 58, 2. 195, 2 (nebst eatenus, hactenus). 

Eine eigentümliche Auffassung liegt unvollständigen Sätzen 
wie 33, 2 sed hinc postmodum, de adfectu interim disseramus, 
123, 18 sed hinc alias, 31, 6 sed istinc alias zu Grunde, da man 
nicht sofort begreift, wie sich hinc (istinc) zu dem offenbar zu 
ergänzenden Verb um dicamus o. ä. (vgl. beim ersten Beispiele 
den Gegensatz interim disseramus) reimt. Die nächste Erklärung 
sollte nur die sein, dass man sich hier der eigentlichen Be- 
deutung von hinc nicht recht bewusst war und so hinc auch 
für de hac re gebrauchte. Dabei darf auch nicht verschwiegen 
werden, dass nur in jenen formelhaften Wendungen hinc (istinc) 
alias (postmodum), wobei das Prädicatsverbum stets ausgelassen 
ist, sich jene abnorme Bedeutung statuiren lässt, wenigstens 
bei Claudian und in noch ausgedehnterem Masse bei Ennodius, 
der fünfmal (95, 10. 160, 12. 235, 13. 250, 4. 294, 22 H.) sed 
hinc alias und einmal sed istinc alias (521, 22) hat. Sidonius 
gebraucht das Wort etwas freier ; denn er sagt nicht nur II, 10, 
S. 33, 12 und III, 4, S. 43, 9 sed istinc alias und I, 4, S. 6, 1 
sed hinc quin istaec satis , IV, 18, S. 69, 21 sed quid hinc am- 

' De Vit s. v. schreibt: »aepiu» utitur hac tioce Claiidianu* Mamertus, cuiu* 
loco reeiiiu qvüpiam twurpauerit Hlatenu» uel illactenus, und scheint an- 
deuten zu wolleu, dass möglicherweise Claudian selbst so geschrieben 
habe. Dem steht natürlich die fünfmalige einstimmige Ueberlieferung 
schroff gegenüber. Eine weitere Stelle für iUUenug citirt Du Cange 
aus den Acta Sanctorum. 

8 



Digitized by Google 



102 



Engelbrcc ht. 



[522] 



plins, sondern auch mit Hinzufügung des Verbums II, 2, S. 25, 
12 quid enim hinc congruentins dixerim, III, 11, S. 47, 5 sed 
tarnen hinc vel maxime este securi , im Briefe vor carm. XIV 
Latiari lingua hinc posse disserere. Indess ist auch bei Sidonius, 
wie man sieht, der Gebrauch von hinc = de hac re beschränkt. 
Der ältere Salvian sagt gub. dei VI, 54 nihil enim hinc erat 
lege praeceptum, VII, 49 sed hinc iam et super ins satis dictum est 
et adhuc forte dicetur, nec opus est ut de hoc amplius dissera- 
mus unö^ dieselbe Auffassung, wie bei hinc, liegt dem unde zu 
Grunde ad eccl. III, 17 sed de his, unde nunc loquimur . . . 
etiam post haec aliqua subdemus. Hingegen ganz masslos im 
Gebrauche ist Augustin in der kleinen Schrift de quantitate 
animae 5, 8 hinc dubitare ridiculum est, 12, 21 hinc dubitare 
dementia est, 23, 44 nihil est quod hinc dubitare me faciat, 20, 
55 uellem hinc plura dicere, 30, 59 hinc itero dubitare nefarium 
puto (vgl. de immortalitate animae, cap. 13 [Migne Bd. XXXH, 
Sp. 1031] neque ullum rei huius certius argumentum est, quam 
cum se ipsum hinc interrogat animns). 

So viel sich jetzt oei unserem bescheidenen Material er- 
sehen lässt, so sind nach Augustin die Gallier vorzugsweise 
bei der Verwendung von hinc = de hac re betheiligt. Merk- 
würdig ist nur, dass sich gerade hinc so oft findet und inde 
(vgl. das französische en) so selten. Mir wenigstens ist für 
dieses nur die Stelle aus Anthimus praef. (bei Rose, anecdota 
graeca et graecolatina n, S. 67, 10) tarnen et inde reddo ratio- 
iiem bekannt, der auch unde wie Salvian gleich de cum rela- 
tivo gebraucht cap. 14 (S. 11, 1 der Ausgabe bei Teubner) 
de larido uero, unde (= de quo) non est qualiter exire delicias 
Francornm , tarnen qualiter melius comedatur ad horam expono. 

Eine bei Claudian sich nicht selten (im Ganzen sechsmal, 
s. Index) findende, mit dem Pronomen hinc' gebildete adver- 
biale Form ist bei Georges nicht angeführt : posthinc. Dieselbe 
hat nichts Auffälliges, wenn man sich an das terenzianische 
post deinde (Andr. 483), das auch im Zwölftafelgesetz vorkam 
(Gell. XX, 11), und insbesondere an postinde, das die Wörter- 
bücher mit Stellen aus Lucrez (III, 530), dem Rhetor Seneca 
und Vopiscus belegen, erinnert. Das Lexikon von Forcellini 
bringt auch noch in seiner neuen Ausgabe zwar zwei Stellen 
für posthinc bei, die jedoch beide unbrauchbar sind: Verg. 



Digitized by Google 



[523] * 



Untersuchungen Ober die Sprache des Clauflianns Mamertus. 



103 



Aen. VIII, 546 post hinc ad naues graditur sociosque reuisit und 
Verg. Georg. III, 300 (nicht 30) post hinc digressus iubeo fron- 
dentia capris nrbusta stifßcere (vgl. V. 295 incipiens statutis edico 
in mollibus herbam carpere oues); augenscheinlich ist an beiden 
Stellen hinc nicht mit post, sondern mit graditur (digressus) zu 
verbinden, ebenso ist Sid. carm. VII, 435 post hinc geitnano 
regis, hinc rege retento Palladiam implicitis manibus subiei-e To- 
losam selbstverständlich nicht an posthinc zu denken. Uebrigens 
kann die Bemerkung des Servius zur letzteren Stelle aus Vergil : 
sunt qui posthinc nnica uoce scribunt, sed perperam als Beweis 
dienen, dass zu des Grammatikers Zeiten posthinc = postea in 
Gebrauch gewesen sein muss. Aus Sidonius ist anzuführen 
carm. XXII, 200 parietibus posthinc rutilat quae machina iunctis 
fert recutitorum primordia Iudaeorum. Auch Alcimus Avitus hat 
posthinc S. 37, 17 P. 

5. Disicere, dissicere. 

Ueber dissicere und disicere hat zuletzt eingehend O. Rib- 
beck im Corollarium zu den Fragmenta comicorum Romanorum 2 
S. XIII ff. gehandelt, der zu dem Resultate kommt, dass dissi- 
cere und disiwe streng auseinander zu haltende Worte seien, 
von denen das erstere ein Compositum von secare (secere, wie 
tonere sonere lauere), das zweite ein solches von iacere sei. 
Ganz anders urtheilte Fleckeisen in den Jahrbüchern für Phi- 
lologie, Bd. 87 (1863), S. 199 Note, der dissicere und disicere 
für identisch erklärt, jenes sogar die gleichberechtigte, wenn 
nicht gar besser beglaubigte Nebenform von disicio 1 nennt und 
in Wörterbüchern die Grundformen des Verbums so aufzuführen 
empfiehlt: dissicio disieci disiectum dissicere. 

Dass also dissicere nicht bloss ein Schreibfehler sei, wie 
beispielsweise noch Georges (in seinem Handwörterbuche am 
Schlüsse des Artikels disicio) meint, der übrigens Ribbeck's 
Ausführungen missverstanden haben muss, da er anführt, Rib- 
beck lasse nur Plaut. Cure. 424 die Form mit doppeltem s 
(als Nebenform von dissecare) gelten, geben beide Gelehrte zu: 
Ribbeck erblickt in dem zweiten s das sichere Kennzeichen 
eines mit diesem Consonanten anlautenden Verbums, Fleck- 
eisen ,eine orthographische Eigentkümlichkeit', darin Lachmann 
beipöichtend (s. Lucrez, S. 128), dass das zweite s zur Be- 

8* 



Digitized by Google 



104 



En gelb recht. 



' [524] 



Zeichnung der Länge der Silbe dis- gedient habe. Dies letztere 
bestreitet Ribbeck, indem er anführt, eine derartige Gemination 
bei Verbis compositis sei ohne Analogie; jene scheinbare Ge- 
mination reccido redduco reUiquiae sei vielmehr Assimilation (der 
Praeposition red), dagegen ein abbicio addicio innicio, wie man 
analog dem dissicio erwarten sollte, unerhört. Nicht tiberzeugend 
scheinen mir Ribbeek's Ausführungen über dissicere = dissecare. 
Wenn nämlich Priscian II, 56, 18 H. lehrt: sciendum quod tunc 
dis praeponitur , quando sequitur c uel f uel p uel 8 uel t uel 
i loco consonantis, ut discumbo, discutio differo . . displiceo dis- 
pute disperdo dissicio dissero distraho distitrbo 'distorqueo 
disiectus disiungo, so vermag ich darin nur den Beweis zu 
erblicken, dass auch Priscian in dem fraglichen Worte das 
doppelte 8 schrieb, da es in Verbindung mit dissero aufgeführt 
ist, nicht aber auch, dass das Verbum Simplex des Compositums 
dissicio mit dem Consonanten * beginnen müsse. Gegen die 
Argumentation cum composuerit cum ^dissero' uerbo ,dissicio l , 
separauerit a ,dwiectii8 l partieipio, omnibus autem exemplis ipsius 
uerbi simplicis consonantem initialem seruauerit, ineipere compo- 
siti ydissicio' uerbnm simplex consonante 8 haud ambigue declarauit 
lässt sich mehrere» einwenden : dass erstlich bei Priscian in 
jener Beispielsammlung disiectus neben dis»icio angeführt wird, 
hat wohl darin seinen Grund, weil ja disiectus mit disiungo 
abgesehen von dem seltenen disiecto thatsächlich die einzigen 
Verbalformen sind, die aus dis und einem mit i consonans be- 
ginnenden Verbum zusammengesetzt sind, die Form also faute 
de micux herbeigezogen werden musste; dass weiters die 
Form dissicio erwähnt wird, ist wohl nicht ohne Absicht ge- 
schehen : disicio Verstösse gegen Priscian's Regel , der lehrt, 
dass dis nur vor folgendem i, wenn es loco consonantis stehe, 
sich finde; indem er also die Form dissicio anführt, beseitigt 
er mit diesem Beispiel und durch diese Schreibung zugleich 
einen Einwurf, der gegen die Giltigkeit seiner Aufstellung ge- 
macht werden könnte. Dass das Verbum simplex mit s an- 
fangen müsse, braucht aus der ganzen Stelle nicht gefolgert zu 
werden — es heisst ja bloss dis praeponitur, quando sequitur — 
wenn auch bei den anderen Beispielen allerdings naturgemäss 
auf dis sofort der Anfangsbuchstabe des Verbum simplex folgt. 
Endlich abgesehen von allem dem , so kann doch die Neben- 



Digitized by Google 



[525] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 



105 



form von disseco {dissico, vgl. Apul. met. VIII, 27, S. 152, 4 
sua quisque brachia dissicant) -are nur dissico (disseco) -ere } nicht 
aber dissicio gelautet haben; man nilisste also dann schon zum 
mindesten bei Priscian dissico für dissicio — allerdings eine 
leichte Aenderung — schreiben, aber dann ist man nicht mehr 
berechtigt, dazu als Infinitiv dissicere anzunehmen, da dissicare 
(dissecare) viel näher liegt. Freilich scheint Ribbeck als 
1. Pers. Praes. dissicio anzunehmen, da er für die Bedeutung 
dissecare auch Livius XXII, 50, 9 cuneo quidem hoc laxum 
atque solutum agmen, ut si nihil obstet, dissicias und Lucr. 
DI, 639 et discissa simul cum coipore dissicietur citirt, aber, 
wie gesagt, kann ich mir nicht erklären , wieso durch den 
U ebergang von der ersten in die dritte Conjugation, die doch 
gerade durch die gleiche Form der 1. Pers. Praes. Sing, beein- 
flusst war, aus dissico, ere, dissicio, ere werden konnte. Wenn 
in dem Glossare bei Mai (auctor. class. VIII, 178) sich die 
Glosse dissicere • dissecare findet, so beweist dies doch nur, 
dass man auch schon im Mittelalter die formelle Aehnlichkeit 
beider Worte erkannte und man durch die dis-icere oft zu- 
kommende Bedeutung von dissecare auf die Identificirung des 
dissicere mit dissecare fast ohne eigenes Zuthun gefuhrt werden 
musste. 

Im Folgenden geht Ribbeck die einzelnen Stellen, wo sich 
das fragliche Wort findet, durch und scheidet dissicere und 
disicere nach der Regel: y dissiciuntur qnae in binas tantum partes 
diuiduntur uel discinduntur, disiciuntur quae in omnes regiones 
dissipantur disque turbantur' (pag. XV). Freilich wird dabei 
der Ueberlieferung arg Gewalt angethan, so bei Verg. Aen. 
XII, 308 die securi Aduersi frontem medium mentumquae reducta 
Dissicit, wo gerade die ältesten Exemplare DISIICIT (P) 
und DI SIC IT (M) haben; dagegen schreibt er Verg. Aen. I, 70 
age diuei'sos et disice corpora ponto, wo die ältesten und besten 
Handschriften D1SSICE bieten. Man ist also hier nach 
Ribbeck gezwungen anzunehmen, dass die Handschriften gerade 
immer die verkehrte Form überliefern. Diesem Verfahren ver- 
mag ich mich nicht anzuschliessen und glaube vielmehr, dass 
an beiden Stellen die Formen mit as herzustellen sind , also 
nur an einer Stelle die handschriftlich bestbeglaubigte Lesart 
zu ändern ist; übrigens scheint schon das DISIICIT in V 



Digitized by Google 



lüti 



Engel brecht. 



[526] 



für DI SS IC IT in der Vorlage zu sprechen. Aen. VII, 339 
schreibt auch Ribbeck dissice compositam pacem {DISICE M x , 
DISIICE FS während die Stelle in P fehlt). Wir haben 
übrigens jene obigen Vergilstellen nur vorgeführt, um zu zeigen, 
dass die so alten Vergilcodices gerade das Gegentheil von der 
Theorie Ribbeck's beweisen. 

Ist es denn aber so feststehend, dass disicere mit einem 
diuidere oder sagen wir geradezu mit dissecare nicht gleich- 
bedeutend sein kann? Ich für meinen Theil kann keinen Grund 
finden, warum disicere nur in omnes regiones dissipare, und nicht 
auch (in binas partes) disiungere heissen kann. Aus der Grund- 
bedeutung des Wortes ,auseinanderwerfen' lassen sich doch 
beide Bedeutungen gleich ungezwungen ableiten. Gewiss ist 
hier Georges im Rechte, wenn er die von Ribbeck für dissicere 
= dissecare reclamirten Stellen unter disicere einreiht. Sehr 

* 

zu beachten ist auch , dass an den Stellen , wo disicere der 
Bedeutung nach einem dissecare gleichkommt, gewöhnlich ein 
diese Bedeutung noch leichter vermittelnder Ablativ machaera, 
securi, ense, nouacula, fen-i acie beigefügt ist. 

Noch eins. Kämen bei dieser Sache nur etliche Stellen 
aus der archaischen Literatur, also aus den scenischen Dichtern 
und vereinzelt aus andern archaisirenden Schriftstellern in Be- 
tracht, so hätte ich gegen Formen wie dissicit, dissice u. a. 
abgeleitet von dissico (nicht dissicio) dissicere = dissecare keinen 
Einwand zu erheben. Wie erklärt man es aber, dass durch 
die ganze Latinität hindurch, bei Prosaikern wie Dichtem, 
jenes dissicere Ribbeck's sich findet, wo doch das normale 
dissecare vorhanden war und selbst im Verse wie jenes zu ver- 
wenden war? Sonere tonere lauere stehen fast stets nicht ohne 
besonderen Grund, sind also mit dissicere nicht auf gleiche 
Stufe zu stellen. 

Wir glauben somit nachgewiesen zu haben, dass dissicere 
= dissecere = dissecare weder durch das Grammatikerzeugnis 
Priscian's bestätigt, noch der Bedeutung halber irgendwo ge- 
fordert wird (da auch disicere einem diuidere in binas partes 
gleichkommen kann). Aber, wird man fragen, wie erklärt 
man dann das zweite s, wenn dissicere stets gleich disicere ist? 
Dass der Zischlaut s öfters geschärft wurde zwischen zwei Vo- 
calen, deren erster lang war, beweisen die bekannten Schrei- 



Digitized by Google 



Untersuchung«!) übet die Sprache des Claudianus Mamertus. 107 



bungen aus der ersten Kaiserzeit caussa, ineusso, diuissio (letz- 
tere freilich auch durch die Mittelforui diuid-sio erklärlieh). 
Die erste Silbe nun von disicio disicere scheint lang gesprochen 
worden sein, wenigstens ist sie im Verse stets als Länge ge- 
braucht; um nun die von Natur aus nicht lange Silbe als solche 
besser sprechen zu können, wurde eben der Zischlaut geschärft. 
Wenn Ribbeck dagegen anführt, dass man dann auch abbicio 
addicio innicio erwarten mlisste, so ist zu bemerken, dass in 
diesen Compositis die erste Silbe nie lang gebraucht wird und 
dass die Buchstaben b d n nicht in demselben Grade zu einer 
Verdopplung geneigt sind, wie der Zischlaut s zu einer Schärfung. 

Nach dieser Auseinandersetzung können wir nicht umhin 
Fleckeisen's Standpunkt aufrecht zu halten und halten auch 
unsererseits dissicio als die besser beglaubigte Nebenform von 
disicio. 

Den Stellensammlungen bei Fleckeisen und Ribbeck füge 
man hinzu: Cl. 66, 19 inquiramus dissicine in partes animus 
queat (vgl. 67, 2 ut, si habet partes animus , secari possit in 
partes), wo A disi eine, M disesicine, G dissici an secari ne } alle 
übrigen Codices dissicine haben, 98, 9 non arbitror animos Seque- 
stration dissici, quos uidevius iunetis corporibus posse separari 
(disici AG-, dissici G l und die übrigen Handschriften), 132, 5 
ideirco eandem (sc. naturam hominis intertoiis) dissici conuenit 
atque separari (disici A, dissici rell.), Sidon. carm. V, 418 
dissicit aneipiti miserabile sineiput ense, Ennod. 382, 21 quod 
remediatoris uestri singultus uerba dissiciunt (dissitiunt BTV, vgl. 
196, 9 disiecit lacrimas medela cordis). 

Wir haben uns eines Wortes mit Absicht nicht als Beweis- 
materials bei unserer Auseinandersetzung bedient, pedisequus, 
das bekanntlich in den Handschriften sehr häutig in der Form 
pedissequus überliefert ist, denn hier liegt die Sache anders, 
als bei dissicere. Die zweite Silbe des Wortes ist nämlich 
kurz, vergleiche beispielshalber Ter. Andr. 123 

honesta ac überall, accedo ad pSdisequas 
(auch hier haben BCE pedissequus), es lag daher kein Grund 
zur Schärfung des s vor. Zudem ist die Schreibung pedisequus 
auch inschriftlich hinlänglich bezeugt (vgl. Klotz zur Andr. 123). 
Für die spätere Latinität wird man aber, glaube ich, die Schrei- 
bung pedissequus dennoch zulassen müssen, so z. B. bei Claud. 



Digitized by Google 



108 



En gel brecht. 



[528] 



143, 19, wo alle Handschriften ausser ß pedissequos bieten. 
Interessant ist die Form pedinseca, die der einzige Codex der 
Episteln des Salvian (epist. II, S. 204, 8 P.) überliefert; Pauly 
schreibt pedissequa. Bei Sid. epist. IX, 9, S. 158, 14 haben 
allerdings die besten Handschriften L und T pedisequa, die 
übrigen pedissequa, ebenso I, 9, S. 14, 17, und nur L die rich- 
tige Form pedisequis IV, 20, S. 70, 14. 

6. Foetutinae, fetidinae. 

Das fragliche Wort ist uns an vier Stellen erhalten und 
zwar findet sich bei Apuleius de mag. 8, S. 11, 16 fetutinis 
ohne Variante überliefert, während bei Gellius XIII, 21 (20), 1, 
wie Herr Professor Martin Hertz mir gütigst mittheilte, folgende 
varia lectio zu verzeichnen ist: fetutinas bieten QZXN, fetu- 
dina8 OTI nebst ein paar schlechteren Handschriften, fecu- 
tinas Y, secuti nas T. Bei Nonius pag. 63, 20 M. ist fetutina 
gesichert, während dagegen sämmtliche Handschriften Claudians 
S. 137, 1 fetidinarum (fetidiuinarum R) bieten, was ich auch 
in Hinblick auf die einstimmige Ueberlieferung zu ediren 
mich fllr berechtigt hielt. Ueberhaupt scheint es mir noch 
gar nicht ausgemacht zu sein, dass nicht auch sonst die Form 
fetudinae vor der anderen den Vorzug verdiene. Um vorerst 
von der Ueberlieferung zu sprechen, so ist ausser der Claudian- 
stelle auch noch für Gellius fetudinas zum mindesten ebenso 
gut bezeugt — natürlich auf die Qualität, nicht Quantität der 
Zeugnisse Rücksicht genommen — als fetutinas. Die Ueber- 
lieferung fetutinis bei Apuleius kann nicht schwer ins Gewicht 
fallen (über die Noniusstelle wird später gehandelt werden), da 
ja bekanntlich unsere einzige beachtenswerthe Quelle, der 
Laurent, plut. 68, 2, erst dem elften Jahrhundert angehört. 
Wie steht es aber mit der lautlichen Erklärung? Auch hier 
muss ich der Form fetudinae den Vorzug zuerkennen. Denn 
fetidina ist aus fetidus und der Endung -ina entstanden und 
ist von anderen Substantivis denominativis wie piscina, officina 
(opißcina), popina. rupina } laterina, caepina u. m. nur dadurch 
verschieden, dass das Grundwort kein Substantiv, sondern Ad- 
jectiv ist, was ebensowenig auffällig ist, als dass z. B. fodina 
direct vom Stamme des Verbums gebildet ist. Hingegen weiss 



Digitized by Google 



[529] Untersuchungen über die Sprache des Claudianus Mamertus. 109 

ich. nicht, wie man fetitinae zu erklären hat. Nonius allerdings 
scheint nur fetutina gekannt zu haben, denn er schreibt a. O. : 
moletrina a molendo, quod pistrinum dicimus , ut feratrina , ut 
fetutina, wo die Stupidität des Nonius doch nicht gar fetudina 
mit moletrina zusammengestellt haben wird. Uebrigens ist mole- 
trina nicht direct vom Verbum herzuleiten, sondern ist ent- 
standen aus molitor-ina und war deshalb mit latrina (lavator- 
ina), sutrina, pistrina, tonstrina, uoratrinau. a. zu vergleichen. 
Wenn wir also einerseits auch nicht leugnen wollen, dass bei 
Nonius fetutina für die wahrscheinlichere Form zu halten ist 
(und es mag ja diese Form im Volksmunde existirt haben), 
so ist andererseits anzuerkennen, dass fetndina (fetidina) die 
sprachlich allein richtige Schreibweise ist, die ich auch bei 
Apuleius hergestellt wissen möchte und die bei Gellius durch 
einige der besten und ältesten, bei Claudian. wo doch Hand- 
schriften aus dem 9. und 10. Jahrhundert vorhanden sind und 
wo der consensus omnium codicum nur die Schreibweise eines 
weit älteren gemeinsamen Archetypus repräsentiren kann, durch 
sämmtliche Handschriften gesichert ist. 



Im Anschlüsse lasse ich einige Beiträge zur Kritik und 
Erklärung einzelner Stellen Claudians folgen. 

1. Dass meine Recension des Briefes Claudians an Sido- 
nius, der sich nur in der Briefsammlung des Sidonius findet, 
keineswegs eine abschliessende genannt und nur faute de mieux 
hingenommen werden könne, war Niemandem klarer als mir, 
der ich nur die Collationen einiger Pariser Handschriften 
zweifelhafter Güte zur Verfügung hatte. Nunmehr ist aber 
durch die vortreffliche Sidoniusausgabe Lütjohann's ein ge- 
sicherter Text auch für unseren Brief geschaffen. Die wichtig- 
sten Aenderungen gegenüber dem bisher geläufigen Text sind 
folgende: S. 198, 5 (meiner Ausgabe) anqnirerem für inquire- 
rem, ebenda sed getilgt; 198, 7 nndtimodis et für multis modis 
ac; 198, 9 istaec für ista haec; 198, 10 iudicaueris für iudi- 
caris; 199, 5 tum et fUr tarn ex; 199, 13 uberem für uberiorem; 
199, 14 igitur für ergo. Die meisten dieser Lesarten sind 
unbedingt zu billigen und nur betreffs weniger hege ich einigen 



Digitized by Google 



* 

110 Engolbiccht. [530J 

Zweifel. So will mir vorerst die Tilgung des sed nicht recht 
behagen. Die betreffende Stelle lautet im Zusammenhango 
folgendermassen : non undeunde quarwnpiam personarum aut 
uoluntates aut necessitates anquirerem, sed quae in rem debiti 
mei usui mihi esse possent Freilich ist sed fUr den ersten 
Moment höchst anstössig und scheint der Sinn der Stelle die 
Beseitigung desselben energisch zu fordern; wenn wir uns aber 
ins Gedächtniss zurückrufen, was wir bereits früher über einen 
seltenen Gebrauch der Partikel sed bei Claudian und Sidonius 
erörtert haben, so sind Sätze wie Cl. 20, 15 ego conscHptionis 
periclitabor, sed tu editionis oder Sid. epist. I, 11, S. 20, 12 
quod satirae obiectio famam mihi parasset, sed sibi infamiam 
auch zur Erklärung des sed an unserer Stelle ausreichend. 
Hier wie dort hat sed nicht die Kraft der stärksten Advcrsativ- 
partikel, sondern ist einem uero gleichkommend, steht daher 
auch nicht im Gegensatze zur Negation non oder besser gesagt 
zum negirten Verbuni des vorhergehenden Satzes, sondern ist 
mit quarumpiam enge zusammenzuhalten. Die triviale deut- 
sche Uebersetzung ,xbeliebige, aber mir nützliche Personen* 
erspart uns jeden weiteren Commentar. 

S. 198, 9 ista haec eadem remissibilia sint necne änderte 
Lütjohann in istaec eadem sicher mit Unrecht: denn ausserdem 
dass Claudian die Pronomina hic und idem sehr gerne zusammen- 
stellt (vgl. S. 69, 3. 83, 17. 19. 22. 88, 19. 100, 7. 103, 21. 
108, 2. 110, 17. 118, 20. 125, 11. 128, 14. 129, 7. 131, 4. 
143, 18. 187, 75), vergleiche man nur Cl. 107, 25 ista haec 
ipsa duplici sorte proponerem und 173, 13 intendit sese atque 
exserit per ista haec puneta pupillarum, die ohne jegliche 
Variante überliefert sind. Allerdings findet sich istoc zweimal 
bei Claudian als Accusativ und dreimal als Ablativ (die Stellen 
siehe im Index meiner Ausgabe unter declinatio), aber nirgends 
istaec. Lütjohann schreibt zwar bei Sidonius S. 6, 1. 8, 8. 
13, 9. 33, 27. 42, 28. 45, 22. 58, 3. Gl, 3. 101, 10 istaec, 
aber gegen die überwiegende handschriftliche Ueberlieferung, 
und es scheint sich zu empfehlen, überall ista haec herzustellen, 
denn leichter konnte istaec aus ista haec (ista hec — ista ec), 
als dieses aus jenem werden. 

Ueber multimodis für midtis modis (S. 198, 7) wurde be- 
reits an früherer Stelle gehandelt. 



Digitized by Google 



Untersuchungen über die Sprache de» Claudianus Mainertu*. 111 



S. 199, 19 porro si etiamnum solito obdurueris, faxim 
egomet quod tete paenitebit vermuthet Fr. Leo in der adnotatio 
critica bei Lütjohann silentio für solito: es ist aber die Ueber- 
lieferung ganz heil, und das Adverb solito für das sonst sich 
findende ex solito oder auch solite bei gallischen Schriftstellern 
nicht gerade selten. Es findet sich beispielsweise auch bei Al- 
eimns Avitus S. 88, 3 dum curam nostri solito geritis. 

2. In der Note zu S. 53, 13 sequitur et adiungit: si an- 
gelt, inquit, caelestia et tarn corpora etc. vermuthete ich perse- 
quitur für sequitur , da die Verbindung zweier Verba durch 
et bei verschiedenem Subject mir als höchst auffällig erschien. 
Jetzt vermag ich eine Parallclstellc beizubringen , die die 
handschriftliche Lesart vollkommen schützt. Man liest näm- 
lich in dem commonitorium primum des Vinccntius Lirinensis 
cap. 8 (Migne 50, 049): sed haec forsitan perfunetorie prae- 
locutus est et humano potius ejfudit impetu , quam diuina ra- 
tione decreuit. Absit. Sequitur enim et hoc ipsum ingenti 
molirniue iteratae insinuationis inculcat (folgt Citat). 

3. S. 127, 18 hinc egomet testium meorum indefensis hactenus 
mihi testimoniis utendum ratus sum, quin penes illos tantum, qui 
toto sui admodum corpus sunt, de hisce ueritatis uadibus dubita- 
bimus : Was heisst hier penes illos? Um die Worte, wie sie 
hier stehen, halten zu können, müsste man penes in der Be- 
deutung von secundum fassen, wie wir dies bereits oben 
S. 49ö auseinander gesetzt haben. Indess ist es sofort ein- 
leuchtend, dass trotz Zuhilfenahme dieser Bedeutung der Sinn 
des Satzes nicht sehr ansprechend ist. Jede Schwierigkeit wird 
aber beseitigt, wenn man dubitabitur für dubitabimus schreibt; 
dann hat penes seine gewöhnliehe Bedeutung und kommt hier 
einem a cum abl. gleich. 

4. S. 141, 14 hoc saltim probum quod eatenus dissertauimus 
aduersum corporales pro spiritalibus sat foret: anscheinend ist 
das Wort probum Anstoss erregend und würde ohneweiters 
fehlen können. Obwohl jedoch die vorliegende Ausdrucks- 
weise auffällig ist, so möchte ich doch nichts in dem Satze 
ändern, da ganz ähnlich hoc falsum gebraucht wird S. 164, 9: 
restat ut aut Mariam Gabriel numquam uiderit aut deum ttidere 
cessauerit. sed huic falso sententia ueritatis obsistit. 



Digitized by Google 



112 



Engelbrecht. 



[532] 



5. S. 149, 23 quapropter quoniam omne corporeum terrae 
nomen includit ratoque iudicio in corporeis conpositum, terra dici- 
tur omne corporeum: Für in corporeis dürfte wohl jedenfalls 
corporeis zu schreiben sein und das in seinen Ursprung der 
irrthümlichen Meinung danken, es müsse incorporeis heissen, 
welche Lesart aber keiner Widerlegung bedarf. 

6. S. 165, 4 age nunc pro acumine excellentis ingenii . . 
indaga distingue pronuntia, quo differt materia informis a 
nihilo, quid sit inanimum idemque formatum . . . quid sit locus 
et tempus, qualiter localis motus subdatur etiam temporali: So 
haben sämmtliche Handschriften, differat, was ich ehedem 
edirte, ist eine Correctur verschiedener Herausgeber. Ich 
glaube aber nunmehr, dass sich die Ueberlieferung rechtfertigen 
lässt, da ja spätere Schriftsteller Indicativ und Conjunctiv öfters 
promiscue neben einander gebrauchen. Ueber einen ähnlichen 
Gebrauch in Vergleich ungssätzen haben wir bereits "gesprochen; 
ein dem vorliegenden Falle ähnliches Beispiel liefert Cl. 96, 7: 
cum autem tibi in mente est cogitationis et amoris tui } si tanta illa 
meministi quanta sunt, tanta est mens tua quanta sunt illa . . et 
si mentem uel cogitationem tuampro sui modo diligis, haec et amor 
tuus aequalia certe sunt, et si se singula tota simul uel ament uel 
cogitent uel meminerint, non maiora erunt tota simul tria etc. 

7. S. 194, 6 minuitur igitnr, quoniam in tota parte habet 
sursum et deorsum , habet dexteram et sinistram , habet ante et 
retro: Hier war das dexteram der Handschrift in dextram zu 
corrigiren, denn die Form dextera scheint Claudian nur zu ge- 
brauchen, wenn sie substantivisch für d. manus steht, vgl. 75, 5 
ecce ille laeuae manus uigore ualet, nsum dexterae ictu ut ad- 
solet humoris amisit; dagegen 67, 9 mouetttr autem omne corpus 
sursum deorsum, in dextrum ac sinistrum, priorsus et retrorsus; 
67, 21 aut quotalibet pars grani ipsius quod illic non habet in- 
feriora sua ubi superiora, nec illic dextra ubi sinistra, nec ante- 
rim-a illic ubi posterior a; 59, 25 patet enim liquido quodlibet 
unum corpus paris corporis adiunctione duplicari, esse illic sur- 
sum deorsum, dextrum sinistrum, anterius atque posterius. 

8. S. 204, 28 uideo enim os Romanum non modo negle- 
gentiae, sed pudori esse Romanis, grammaticam uti quandam 
barbaram barbarismi et soloecismi pugno et calce propelli, dialec- 
ticen tamquam Amazonem stricto decertaturam gladio formidari } 



Digitized by Google 



[533] Untersuchungen Ober die Sprache des Claudianus Mamertus. 113 



rhetoricam acsi grandem dominum in angusto non recipi, musicen 
nero et geometricam atqne arithmeticam tres quasi furios despui, 
posthinc philosophiam [atque] uti quoddam ominosum bestiale 
numerari: So edirte ich, indem ich das überlieferte atqne ein- 
fach beseitigt wissen wollte. Jetzt jedoch erscheint es mir für 
viel wahrscheinlicher, dass nach atque ein Substantiv ausge- 
fallen sei. Offenbar wollte Claudian sämmtliche sogenannten 
artes liberales aufzählen, von denen er sieben (grammatica, dialec- 
tice, rhetorica, musice, geometrica, avithmetica , philosophia) er- 
wähnt. An anderer Stelle finden sich ebenfalls sieben artes 
liberales genannt 81, 5: in hac mihi reposita quodammodo sunt 
et grammatica, cum de dialecticis dissero, et rhetovica, cum de 
geometricis, et astrologica, cum de musicis, et hae simul omnes, 
cum de arithmeticis , also dieselben wie an obiger Stelle, nur 
dass astrologica fUr philosophia aufgeführt erscheint. Sid. epist. 
V, 2, S. 79, 7 zählt neun artes auf: illic enim et grammatica 
dinidit et oratoria declamat et avithmetica numerat et geometria 
metitur et musica ponderat et dialectica disputat et astrologia prae- 
noscit et architectonica struit et metrica modulatur. Nach diesem 
erscheint es mir als sehr wahrscheinlich, dass nach atque das 
Substantiv astrologiam, welche Disciplin sowohl von Claudian 
S. 81, 7 als von Sidonius an den obigen Stellen erwähnt wird, 
ausgefallen und demnach zu lesen sei: posthinc philosophiam 
atque (astrologiam) uti quoddam ominosum bestiale numerari. 

9. S. 204, 29 sed haec in laudem tuam suggestui sunt, 
quia si multi quorum tu es studiorum forent futurus eras scili- 
cet, etsi non omnium potior, wius ex multis. hinc uero . . profes- 
sionis tuae par unus et solus es: Der Sinn des Satzes scheint 
der zu sein: ,Wenn viele dieselben Studien wie Du betrieben, 
wärest Du, wenn auch die anderen alle überragend, einer aus 
vielen*. Deshalb kann das non unmöglich richtig sein und 
muss es heissen: etsi omnium potior. Eine weitere Möglich- 
keit wäre indess, für etsi si zu schreiben, also futurus eras scili- 
cet [etjsi non omnium potior, wobei man allerdings nur eine ein- 
fache Dittographie anzunehmen braucht und dennoch einen 
passenden Sinn erlangt. 



Digitized by Google 



114 



Engelbrecht. 



[534] 



Anhang. 
L 

Es scheint nicht überflüssig zu sein, hier anhangsweise 
mit einigen Worten die Frage zu beantworten, welches der 
eigentliche Name unseres Schriftstellers war. Denn die editio 
prineeps sowie überhaupt alle aiteren Ausgaben und auch 
Ebert nennen ihn Claudianus Mamertus, andere Editoren theils 
wie Barth Claudianus Ecdicius Mamertus, theils wie Gallandius 
Mamertus Claudianus, Teuffei dagegen Mamertus (Ecdicius) 
Claudianus. 

Um vorerst festzustellen, ob der Schriftsteller der Ueber- 
lieferung zufolge wirklich sämmtliche drei Namen führte, so 
ist zu bemerken, dass der Name Ecdicius weder durch einen 
anderen lateinischen Schriftsteller noch durch irgend eine der 
bekannten Claudianhandschriften für Claudian bezeugt ist, er 
hat also nicht die geringste urkundliche Beglaubigung. 

Der Name Mamertus dagegen findet sich bei Sidonius ep. V, 2 
in.: librum de statu aninuie tribus uoluminibns illustrem Mamertus 
Claudianus . . . excolere envauit und ist auch in der Pariser Clau- 
dianhandschrift Nr. 2165 saec. XIII (E) am Schlüsse des dritten 
Buches de statu animae überliefert: EXPLICJT MAMERTl 
CLAUDI AM DE STATU AN1MAE UBER TERTIVS. Sonst 
nennt Sidonius (ep. IV, 3 und 11) seinen Freund nur Clau- 
dianus, ebenso Oennadius de script. eccles. 83, und auch die 
Claudianhandschriften überliefern mit jener obigen einzigen 
Ausnahme nur den einen Namen. Daraus geht hervor, dass 
der eigentliche Rufname des Schriftstellers Claudianus war und 
er ausserdem noch — soweit wir aus gesicherter Ueberlicferung 
entnehmen können - den Namen Mamertus führte. 

Bekanntlich findet sich in Sirmond's Ausgaben des Enno- 
dius und Sidonius eine ,elucidatio de proprits nominibus mediae 
aetatis nnde sumi nolita et quid a prisco Romanorum wsu dt'scre- 
parint 1 , deren wichtigste Resultate der Satz enthält: ,mediae 
aetatis nominum duplex quodammodo lex fuit: una, ut proprium 
cuiusque nomen ultimum in locum conicerent, altera, Ut- 
tum proprium hoc nomen tum cetera interdum quidem aliunde 



Digitized by Google 



[535] 



Untoisnclinngen Obor die Sprache des Claudianus Mamertus. 



115 



pro nrbitrio , nt pbnimum uero a propinquift affectihus deducta 
imponerentf. Wie also beispiclshalber in dem vollen Namen 
des Sidonius C. Sollius Apollinaris Sidonius der eigentliche Ruf- 
name an letzter Stelle sich befindet, so wird dementsprechend 
bei Claudianus die richtige Reihenfolge der Namen Mamertus 
Claudianus sein, wie auch die Ueberlieferupg an jenen zwei 
Stellen, an denen sich der Name Mamertus findet, bezeugt. 
Wir haben an einer früheren Stelle (S. 464) berührt, dass 
Claudian und ebenso Sidonius den Verfasser der Aeneis stets 
Maro, den Historiker Sallust stets Crispus nennen. Der Grund 
hiefür ist leicht erfindlich, wenn wir uns die vollen Namen 
P. Vergilius Maro und C. Sallustius Crispus vergegenwärtigen 
und weiters bedenken, dass für die spätere Latinität der zu- 
letzt stehende Name als Rufname galt. 

Wir haben in unserer Ausgabe blos zur Vermeidung von 
Missverständnissen die bisher meistgebräuchliche Namenabfolge 
Claudianus Mamertus — man sagt ja für gewöhnlich mit Hin- 
weglassung der beiden anderen Namen wohl auch Sidonius 
Apollinaris (so lautet auch die stehende französische Namensform 
Sidoine-Apollinaire) — beibehalten, da der Bruder unseres Schrift- 
stellers Mamertus hiess, von dem ein weiterer Name nicht 
überliefert ist (vgl. Sidon. ep. IV, 11. V, 14. VII, 1 mit Sir- 
mond's Noten). 

Es ist übrigens bemerken swerth, dass von zwei Brüdern 
der eine Mamertus als Rufnamen, der andere als Vornamen, 
oder wie man es sonst nennen will, hatte. Man würde viel- 
mehr erwarten, dass wohl beide den Namen Mamertus führten, 
zu diesem aber noch einen natürlich für beide verschiedenen 
Rufnamen (vgl. bei Sueton die Brüdernamen Salvius Otho und 
Salvius Titianus, Flavius Vespasianus und Flavius Sabinus). 
Man wende nicht vielleicht ein, dass auch des Apollinaris 
Sidonius Sohn vom Vater selbst nur Apollinaris genannt wird 
(vgl. z. B. ep. III, 13 und dazu Sirmond's Note); denn hier 
ist die Sachlage eine ganz verschiedene, da natürlich der 
Vater den Sohn ganz beliebig nennen konnte. Anders ist es 
aber bei Brüdern, wo man meinen sollte, dass eine solche 
Namensähnlichkeit wegen der möglichen Verwechslung ausge- 
schlossen war. 



Digitized by Google 



116 



Engelbrecht. 



[536] 



IL 

Aus den Resultaten, die wir durch die vorstehende Ab- 
handlung gewonnen haben, ergibt sieh auch ein gewisser 
Nutzen zur Bestimmung der Heimat des Verfassers jenes nicht 
uninteressanten Romanes, den Heydenreich unter dem Titel 
,Incerti auctoris de Constantino Magno eiusque matre Helena 
libellus' in der Teubner'schen Sammlung 1879 edirt hat und 
den wir in den folgenden Citaten kurz durch Anonymus (An.) 
bezeichnen wollen. Schon C. Paucker hat im Scrutarium sub- 
relictorum lexicographiae latinae die sprachlichen Eigentüm- 
lichkeiten jenes Büchleins erörtert, sich dabei aber in seiner 
Weise jeder Schlussfolgerung enthalten; es war übrigens auch 
für ihn nicht schwer, selbst durch eine blosse Zusammen- 
stellung der &rcr£ keyöfieva zu einem positiven sprachgeschicht- 
lichen Resultate zu gelangen. 

Um es gleich im Voraus zu sagen, scheint das Schriftchen 
in Gallien verfasst zu sein, da sich in demselben unverkenn- 
bare Spuren specitisch gallischer Latinität nachweisen lassen, 
die wir hiemit in zwangloser Reihenfolge vorführen: 

1. Oben wurde erwähnt, dass die Wendung ita (sie) mit 
folgendem quod cum indicativo sieh nur bei gallischen Schrift- 
stellern und zwar vom 5. Jahrhundert an (Salvian, Claudian, 
Sidonius, AlcimusAvitus) finde: man vergleiche nun An. 23, 17 H. 
quas res . . ita occultauerat , quod nullt uiuenti de hoc quid- 
quam constitit, 28, 3 in tantam proruperunt doloris et gemi- 
tus uehementiam, quod uidebantur extra mmtem positi et se 
ipsos uelle iugulare u. ö. Besonders merkwürdig ist 21, 3 ita ut 
multos . . . pr osterner et et quod iam quare von inueniebatur 
aliquis qui secum ludere ausus esset (vgl. die weiteren Stellen bei 
Paucker 1. c). 

2. Die präpositional gebrauchte Participialform mediante 
wurde von uns bereits weitläufig bezüglich ihres Gebrauches 
in Gallien besprochen und sie steht auch An. 18, 31 non ornnino 
uacua ueni f sed aliquid de meo, quo mediante uictum nostrum 
quaerere poterimus, addere uolo : so nämlich steht in den Hand- 
schriften und ganz mit Unrecht hat Heydenreich seine Conjectur 
medicante in den Text gesetzt. 



Digitized by Google 



[537] 



Untersuchungen über die Sprache des Claudianns Mamertus. 



117 



3. Ausserdem sind noch folgende Worte, die die Gallier, 
wenn nicht allein, so doch mit besonderer Vorliebe verwendeten, 
mehrfach bei unserem Anonymus nachzuweisen, so praefixits 
(vgl. oben S. 498) 11, 18 die ad recedendum praefixa und 11, 23 
tempus vecedendi praeßxum; weiters praeeligere (vgl. S. 470) 
13, 2 quam uittrmediam scientes ad perficiendam suae traditionis 
perfidiam pracelegerant und 24, 7 praeelegi lue mauere; end- 
lich abinde, das mit dem von Claudian so oft gebrauchten 
localen abhinc zusammenzustellen ist, 12, 27 und 13, 22 abinde 
nauigare coeperunt. 

4. Schliesslich sei noch auf die Wörter ambasiator (am- 
bassadeur) , barones, decapillare (declieveler), exterminatio (ex- 
terniination ) , regratiari ( regracier, die Belegstellen siehe bei 
Paucker a. a. O.) hingewiesen, die den gallischen Ursprung 
unserer Schrift wohl hinlänglich beweisen. 



Berichtigung. 

S. 488 ist. der Artikel catJtolica dahin richtig zu stellen, dass sich auch 
bei Alcimus Avitus jene Ellipse rindet (s. l'oipor's Index). 



Digitized by Google 



118 Engelbrecht. [538] 



L Verzeichniss der verbesserten oder erklärten Stellen, 



Seite 

Claud. 48^8 440 

53, 13 531 

96, 1 45(5 

97, 4. . 442 

118, 22. 493 

127, 2!i 531 

143, lü 442 

149, 5 444 

149, 23 532 

105, 5 — 

• 173, 20 520 

189, 2 478 

189, lfi 496 

194, 1 532 

204, 28 533 

205, 1 — 

205, 28. 502 

206, iL 436 

Apul. niet. VII, l£ 454 

IX, 2 — 

XI, 1 44+ 

de deo Socr. 3 465 

de mag'. 7_ä ....... 441 

August, de ciu. dei V, (L . . . 444 
Claud. Mar. Vict. comment. in 

gen. I, 375 484 ! 



Seite 

Cyprian de spect. H 445 

Eunod. 97, Iii 469 

499, 24. — 

Noniua 438, UM 513 

Probi Appendix IV, 201, 13 K. 514 

Sedulius carm. IV, 11 516 

177, 13 H.. . . — 

302, 9 IL ... 519 

Sidon. op. Ij U 463 

IU, I — 

IV, 2 530 

V, 2 447 

V, 10 469 

VIII, 3 473 

VllI, 14. 513 



carm. II, 413 .... 516 

V, 156 ... . 519 

V, 467 ... . — 

IX, 324 ... . 516 
XXII epist. . . .519 
Von. Fort. I, lgji \ 

VII, 12,38 [ * * * ° lb 
XI, ll^fi I 
Anon. do Coust. Magno 18^ dl 

(lleydeureich) 536 



IL Verzeichniss der 



Seite 

Ahhinc 442 

aUiorrcre 486 

af linde 537 

accessibilUer 477 

accessio 487 

accUlerf; l'erfect «ccem .... 507 
accttccrc 464 u. 487 



besprochenen Worte- 

! Seite 

acumen 487 

i (tdeolenttn 477 u. 521 



ndniti 487 

i adplcne 506 

aihttipulari 487 

, aequiternns 464 

1 agitatrix 439 



od by Google 



[539] 



Untersuchungen über die Sprache des Ciaudianus Mamertus. 



119 





Seite 1 




Seite 








.... 466 




.... 453 








477 u. 517 








.... 477 




.... 444 








.... 401 
















.... 444 




.... 487 




.... 402 








, 155 u. 472 




.... 478 




.... 532 








.... 467 












.... 488 




.... 523 




— 




.... 478 








.... 402 






dispndct 


415 u. 402 








.... 507 
























.... 402 








.... 517 








.... 402 


Brachmani (Brarjmani) 


. 443 u. 473 
















.... 488 




.... 445 












.... 488 




.... 402 




.... 444 
















.... 488 


Facili* 


.... 402 




.... 478 
















.... 480 




. . . . — 








.... 467 


cmicrepare 


.... 480 


flaccc.re 


.... 447 




.... 478 




.... 512 




.... 465 




.... 467 




.... 480 




.... 528 




.... 441 
















.... 465 


• 


.... 403 








447 u. 472 




.... 444 








.... 466 


Gahriä 


.... 403 




.... 401 




.... 447 











0* 



Digitized by Google 



120 


En pell» rech t. 


[540] 




Seite 




Seite 




518 




494 




•"»Ol 


Ii ßifst tu £*n 


506 




MS 




. ... 494 


koccinelenm . . . . 


520 




— 




4A7 


ti~\i*fi 1 J / rt f 


479 






lernt ii // Qf// Je 


468 




447 








AAS 


IW >'W ft Mlttl 


440 




403 




479 








468 








. . 456 u. 469 




/;«)«> 


1V1 /j/'r 1*/ / / / 1 7^ 1J / 7/"J 


479 


imlefewtwi 


40 ^ 


f4 f Ulflftl L h 


448 u. 473 




47ft 


771 77if77Jf.r7/# PJft .... 


456 






III /*/»">/*J/jC» 


495 






mfttiiPtiffi Piitft 


449 


inexhamfiiM 


40 '-t 










•nl 9/1 f tt%t /Sil Ii o 






478 




495 








— 














A/y#/*i/9/ & 


461 




4 r >8 n 473 


17/1.>/ Av/ c"j H'l&IMt 






4 03 




479 




467 




495 




4.01 


*>rtt/»/ft/i> 








tlli/iinMlliA . 


469 




47ft 


41 fl/ IhSI Ulli 


441 




448 


to itmfirnMP 


496 




4.70 


4? -9/41) 01+/1JP9/ O 


495 




494 


mummt irf.tifiiYi 


457 




Alst 


mtn r*it jiri f im 


469 














4 i/ti}*n v ei 


450 




494 


fifjfiut/h/in 


470 




Rift 




480 




■ R91 


/-.//H] / > s*SJ t j J f.) 


439 




RIO 




496 




470 ii 




480 




455 








467 




450 


*"<?c 


494 




457 








496 




455 






lafteacere 


456 u. 468 




457 




494 




496 



Untersuchungen ober die Sprache des Claudianus Mamertus. 1 21 





Seite 1 




Seite 


pedisequu* (pedistequu*) 


. ... 527 1 








. ... 496 




471 




. ... 480 




482 













. ... 470 




457 




. ... 450 




472 




. ... 481 




499 








482 




. . 505 








. ... 496 




499 




. ... 457 








. ... 481 




457 








499 




. ... 497 




459 


JL 




* A 







. ... 470 










Rott 


600 




457 u. 473 




— 




. ... 506 












— 




. ... 470 




— 




. ... 497 




501 




. ... 522 




— 








472 








501 




. ... 470 










retrouersim .... 


" 




. ... 497 




483 






«7 







. ... 470 








. ... 498 




483 








501 




. ... 457 








. ... 498 




451 




. ... 450 




501 




. ... 471 




483 




— 




— 




. ... 498 




. 463 u. 530 




















. ... 507 


sie mit folg. quod at 


m ind. 460 u. 536 




, . 481 




458 




. ... 499 




531 




. ... 482 




501 




. ... 471 








. ... 519 







Digitized by Google 



120 


Engelb recht. 


[540] 




Seit© 




Seite 




518 




494 




r.o 1 


ff 1 £k*4 «~* '1 1 AVI 






fil 8 


/ Ii Iflfit l'/t 




hoccinclenv* . . . 




Ii fWl*/ Q 








ff* jt/B / 1 f mm 








//fll/tt lldl'lf / /-» 






J ,4 7 












440 








479 






mediarc (wieclioTite) 


468 






j • ■ 


456 il 469 




KOO 




479 








448 u. 473 




il 7Q 










AI 1 ff? / 1 mi im 








*ll»fm.l% Witt ft )•}}/<> 


449 


inexhauxtvx .... 


4VO 


• » •» 






r.n r. 








4.78 


41 ■ 4 J Olili) 


495 
























461 


injYrae*e.ntiari(m . . . 




41/f 4/ f 






4.Q3 


/ii ff» off» j Mim l V/i 


479 




Afi7 


«M ffj fci 




intelfegnüia 


,AO,t 

»y* 






intcmerandv* . . . . 










A7ß 


-%)4ff fit/tJAI ■ 


441 




448 


i>] i « in c «/-» 






47Q 


*%T O |M| *1 Vi s^a a« ff ffk 


495 




4Q4 


41 S/411 ff 1t III Tttl^tlm 






A ÄÜ 




469 


intransmealnlis . . . 










4firi 


m Mj\ * y*n Off* ^ 


450 






f\f .1 1~\ ( i i i i j»ih 






tlQ 








KOI 




439 


ittiiMce 


RIO 








47Q n K91 
















467 




450 




494 




457 










Tjaba8cere 


455 












457 




494 




496 



[5411 

Seit«? 

pedüequus (pedütequus) .... 527 

pene* 496 

pereeptu* 480 

perdagare — 

peremptoriua 470 

periclüari 450 

perincatholicu* 481 

perpere 504 

perquiritatu* 505 

per au 496 

pessnmdare 457 

peitumfacere 481 

philaiophometia — 

pingu'Acere 497 

plann* — 

plectihili* 470 

plectrum 497 

pluAculum 457 n. 473 

ponderabili* 506 

pondiculum 481 

ptmtifex 470 

porrigere 497 

poathinc 522 

poslicipare 481 

potlponere 497 

potenlialiter 470 

prae 519 

praecerpere 497 

praecitio 450 

praeeligere 470 

praeßxu» 498 

praclibare — 

praepedimentum 457 

prae*enlaneu* 498 

praesentare 450 

pratsuvx ptiosus 471 

priuilegium — 

profectu* 498 

profluu» 499 

prO€JTGM8W — 

prolapnu* 507 

prolocutio .481 

proludium 499 

promanare 482 

propalare 471 

propter 519 



121 

Seite 

proquiritare 451 

prosecntio 471 

prosternüare 482 

pruina 499 

publicitu» 457 

puereucere 472 

pugnu* 499 

punctatim 482 

Quadrare 499 

quadrigonu* 482 

quaesert 457 

qutmdilxi 499 

quidum 459 

quopiam — 



Rate* 500 

recolere — 

redhihere — 

reflexio — 

regula — 

remusibili* 501 

renoxcere — 

reponderare 472 

retcriptum . 601 

respiraadum 482 

retroiieraim — 

reuentilare 483 

reuergere — 

reuisere 501 

reuUio 483 

rotunda 501 

Scaeiiu* 451 

scienter 501 

»cienlialüer 483 

xeeabilila» — 

sed 463 u. 530 

»eminaliler 483 

»ensttaUler — 

«c mit folg. qnod cum ind. 460 u. 536 

»öde* 458 

solüo 53 1 

*or* 501 

specialis — 

x per tarnen 451 



Untersuchungen ober die Sprache des Claudianos Mamertus. 



Digitized by Google 



1 2 '2. Enge 1 brecht. Untersuchungen über 



die Sprache des Cluudianus Mamortns. [542 



Seite 



aphaeroidea 501 

spwna 502 

slipulari — 

auhsiatere — 

aubterluttio 483 

auccintrtim — 

audia 451 

auggettus 452 

auggillatiunctda 484 

auperiectua 502 

auapirare — 

Talentum 502 

taurea — 

tenekellae 484 

teneüus 503 

tenor " — 

tepor — 

terriculamentum 452 

teatificari 503 

tibia — 



Seite 



transnmndanua 484 

tratuninraim 503 

trifariiis 452 

trifcrrmitaa 484 

trigona 503 

tropice — 

trtUina — 

tumidtts , 476 

tunwr 475 

tumulare 504 

Ventrictdu* 504 

ttenula 472 

uero autein 504 

uicariua — 

uigidua 484 

uigilox 504 

uneacere 484 

uapiam 458 

uulnerabilia 504 



niniti7«H hu 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



I 



Digitized by GooqI 





DATE DUE 




nr,T2 0 1 


981, 








985 






-^m — 








JÜM 


-^m — 































































7 



STANFORD UNIVERSITY LIBRARIES 
STANFORD, CALIFORNIA 
94505 




by Google 




Google